Grippeimpfung, Doppelblindstudie

Grippeimpfung: Doppelblindstudie zeigt 28 Prozent weniger Herz-Kreislauf-Vorfälle

Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 15:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Grippeimpfungen senken laut einer internationalen Studie schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse; gezielter Schutz vor Infektionen gewinnt an Bedeutung.
Mikroskopische Aufnahme von Herzmuskelgewebe mit erkennbaren zellulären Strukturen und entzündlichen Veränderungen. Illustration mit AI erstellt.

Medizinische Fachleute weisen darauf hin, dass bei Infektionskrankheiten häufig nicht der Erreger selbst primär das Herz-Kreislauf-System schädigt, sondern die durch die Infektion ausgelöste Entzündungsreaktion des Körpers.

Nach Einschätzung des Infektiologen Mathias Pletz vom Universitätsklinikum Jena sowie von Dirk Westermann vom Universitäts-Herzzentrum Freiburg verändern infektionsbedingte Entzündungsprozesse bestehende Gefäßplaques und erhöhen dadurch das Risiko kardiovaskulärer Ereignisse signifikant.

Pletz hebt dabei hervor, dass gerade die kurze zeitliche Latenz nach einer akuten Infektion den Nachweis dieser herzschädigenden Auswirkungen ermöglicht. Während die Kontrolle klassischer Risikofaktoren elementar bleibt, gilt die Prävention von Entzündungen als nächster wichtiger Hebel, auch wenn spezifische Therapien bislang kaum verfügbar sind.

Zelluläre Wanderung und Schäden am Herzmuskel

Dass virale Infektionen auch direkte zelluläre Schäden über Botenstoffe vermitteln, belegt unter anderem eine im Fachjournal Immunity erschienene Forschungsarbeit.

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Wie Co-Autor Jeffrey Downey darlegt, infizieren sich bei einer Influenza peridendritische Zellen im Lungengewebe, wandern in der Folge direkt zum Herzen und produzieren dort das Entzündungsprotein IFN-1. Diese Ausschüttung führt zum Absterben von Herzmuskelzellen und beeinträchtigt unmittelbar die kardiale Pumpleistung.

Studienleiter Filip Swirski berichtet, dass der Einsatz eines experimentellen mRNA-Wirkstoffs zur Kontrolle der IFN-1-Aktivität in Laborversuchen an Zellkulturen und Mäusen den infektionsbedingten Herzmuskelschaden verringern und die Organfunktion verbessern konnte. Bislang fehlen im klinischen Alltag jedoch zugelassene Optionen, um derartigen Grippefolgeschäden gezielt vorzubeugen.

Die Auswirkungen schwerer Infekte beschränken sich zudem nicht allein auf das Herzgewebe. Nach Angaben von Jie Sun von der University of Virginia versetzen schwere Verläufe von Covid-19 und Influenza die Lunge in einen langanhaltenden Entzündungszustand, der wiederum das Wachstum von Lungenkrebs begünstigen kann.

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Schutzpotenzial durch Impfungen und präventive Ansätze

Angesichts dieser systemischen Folgewirkungen rückt der Infektionsschutz verstärkt in den Fokus der Kardiologie. Eine internationale Doppelblindstudie zeigt, dass eine reguläre Grippeimpfung die Rate schwerer kardiovaskulärer Vorfälle um 28 Prozent senkt und Schutz vor der schädlichen zellulären Kaskade am Herzen bietet.

In Dänemark gelang es, die Impfquoten durch gezielte Hinweise auf den Schutz der Herzgesundheit anzuheben, während in Deutschland zuletzt sinkende Quoten verzeichnet wurden.

Fachgesellschaften wie die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) definieren Impfungen inzwischen als eigenständige Säule der kardiovaskulären Prävention. Dies betrifft neben viralen Erregern auch bakterielle Auslöser wie Pneumokokken, deren Infektionszahlen seit 2023 spürbar ansteigen.

Da schwere Atemwegsinfektionen das Risiko für Herzinfarkte und stationäre Komplikationen bei vorerkrankten Patienten massiv erhöhen, stellt die Vermeidung entzündlicher Infektionsschübe eine entscheidende Maßnahme dar, um chronischen Herzschäden vorzubeugen.

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