Grippeimpfung, Millionen

Grippeimpfung bei Kindern: 1,1 Millionen könnten ohne Schutz bleiben

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 07:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

RKI-Daten zeigen niedrige Impfquoten bei chronisch kranken Kindern; in Sachsen stiegen die Grippetodesfälle trotz sinkender Fallzahlen.

Grippeimpfung 2026/27: Empfehlungen, Impflücken und aktuelle Zahlen
Ein minimalistisch eingerichteter, heller Behandlungsraum in einer Arztpraxis mit Tageslichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Mit dem Start der Influenza-Saison 2026/27 mehren sich Aufrufe von Gesundheitsbehörden, Krankenkassen und Ärztevertretungen, sich rechtzeitig gegen Grippe impfen zu lassen. Besonders im Fokus stehen Menschen ab 60 Jahren, chronisch Kranke, Schwangere und Beschäftigte im Gesundheitswesen – Gruppen, für die die Ständige Impfkommission (STIKO) die jährliche Impfung ausdrücklich empfiehlt.

Empfohlener Zeitraum und Schutzwirkung

Laut einer STIKO-Empfehlung vom 10. September 2026 sollte die Influenza-Impfung vorzugsweise zwischen Oktober und Mitte Dezember erfolgen. Der volle Schutz baut sich nach Angaben der Kommission innerhalb von 10 bis 14 Tagen auf.

Auch das Gesundheitsamt Münster, die Ärztekammer Westfalen-Lippe und die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) nennen diesen Zeitraum und geben an, dass sich der volle Schutz nach rund zwei Wochen einstellt. Sie empfehlen die Impfung außerdem bei Praxen, Betriebsärzten und Apotheken; gesetzlich Versicherte zahlen bei bestehender STIKO-Empfehlung nichts. Eine gemeinsame Verabreichung mit der COVID-19-Impfung sei bei medizinischer Eignung möglich.

Die STIKO-Empfehlung richtet sich neben Menschen ab 60 Jahren an Personen mit bestimmten Vorerkrankungen, an Schwangere ab dem zweiten Trimester (bei Vorerkrankung bereits ab dem ersten), an Bewohner von Pflegeheimen, enge Kontaktpersonen von Risikogruppen sowie an Personen mit erhöhtem beruflichem Risiko, etwa bei regelmäßigem Kontakt zu Schweinen, Geflügel, Wildvögeln oder Robben.

Gesetzlich Versicherte erhalten die Impfung bei entsprechender Indikation erstattet, viele private Versicherer übernehmen sie ebenfalls bei medizinischem Grund.

Warum die jährliche Impfung nötig bleibt

Die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt weist darauf hin, dass eine jährliche Auffrischung notwendig ist, weil sich Influenzaviren verändern und der Impfstoff entsprechend angepasst wird. Die Impfung erfolgt dort in Arztpraxen.

Zahlen aus Sachsen: Steigende Todesfälle trotz sinkender Fallzahlen

Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping rief zum Beginn der Influenzasaison ebenfalls zur Impfung auf. Laut Ministeriumsangaben wurden in der Grippesaison 2025/2026 in Sachsen 264 influenzabedingte Todesfälle erfasst, gegenüber 202 Todesfällen in der Vorsaison – ein Anstieg, obwohl die Zahl der gemeldeten Grippefälle zurückging: 28.557 Fälle in der Saison 2025/2026 standen 44.432 Fällen im Vorjahreszeitraum gegenüber.

Bemerkenswert ist, dass knapp 91 Prozent der Verstorbenen mindestens 70 Jahre alt waren. Die sächsische Impfquote lag zuletzt bei lediglich 20,6 Prozent. Als günstiger Impfzeitraum gilt laut Ministerium Anfang November bis Mitte Dezember.

Aktuelle Infektionslage: Noch keine Grippewelle

Die AOK Niedersachsen meldete für die Vorwoche rund 22.700 Neuerkrankungen wegen Atemwegsinfekten; etwa 25 Prozent aller ärztlichen Erstbescheinigungen in Niedersachsen entfielen zu diesem Zeitpunkt auf akute Atemwegserkrankungen, eine Entwicklung auf Vorjahresniveau. Die eigentliche Grippewelle 2026/27 habe demnach noch nicht begonnen, erste Fälle würden aber bereits registriert.

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COVID-19 spiele bei Krankschreibungen derzeit keine Rolle. Auch das Robert Koch-Institut (RKI) geht davon aus, dass Grippeviren ab Anfang Oktober verstärkt zirkulieren; in den vergangenen Jahren begannen die eigentlichen Grippewellen jeweils um den Jahreswechsel und dauerten drei bis vier Monate. Für 2025 verzeichnete das RKI fast 400.000 Influenza-Erkrankungen in Deutschland.

Impflücke bei chronisch kranken Kindern und Jugendlichen

Eine RKI-Auswertung vertragsärztlicher Abrechnungsdaten über elf Influenza-Saisons (2014/15 bis 2024/25) zeigt, dass nur etwa 10 Prozent der unter 18-Jährigen mit impfrelevanter Grunderkrankung pro Saison geimpft waren. Je nach Saison hatten 7 bis 9 Prozent der Kinder und Jugendlichen eine solche Erkrankung, hochgerechnet rund 1,2 Millionen Menschen.

Bliebe die Impfquote unverändert, hätten in der Saison 2026/27 etwa 1,1 Millionen betroffene Kinder und Jugendliche keinen Impfschutz. In der Saison 2024/25 lag die Impfquote bei 9 Prozent bei den 15- bis 17-Jährigen und bei 11 Prozent in den übrigen Altersgruppen, regional zwischen 8 und 16 Prozent.

RKI-Daten aus dem Zeitraum 2015 bis 2025 zeigen zudem, dass 35 Prozent der wegen Grippe hospitalisierten Personen unter 18 Jahre alt waren, wovon 17 Prozent mindestens einen Risikofaktor aufwiesen.

Zum Vergleich lag die Impfquote 2024/25 bei Erwachsenen mit Grunderkrankung im Alter von 18 bis 59 Jahren bei 12 Prozent, ab 60 Jahren bei 35 Prozent. Die EU strebt für Senioren bis 2030 eine Impfquote von 75 Prozent an.

Auch die Pronova BKK verweist darauf, dass bislang nur jedes zehnte chronisch vorerkrankte Kind geimpft wurde, obwohl rund ein Drittel der Krankenhausaufenthalte aufgrund von Influenza auf Kinder entfällt. Die gesetzliche Krankenversicherung übernehme die Kosten vollständig; die Impfung sei bei Arztpraxen, einigen Apotheken und teils am Arbeitsplatz möglich.

Modellprojekt auf dem Oktoberfest

Einen ungewöhnlichen Weg zur Steigerung der Impfbereitschaft ging die Stadt München: In der Sanitätswache auf dem Oktoberfest wurden 2026 erstmals Grippe- und Corona-Impfungen angeboten.

In den ersten sechs Festtagen ließen sich 322 Menschen impfen, der Impfstoff war nach wenigen Tagen aufgebraucht und musste nachbestellt werden. Da der Schutz erst nach rund zwei Wochen einsetzt, dient das Angebot laut Stadt primär der Information und nicht dem Schutz während der Wiesn selbst.

Gesundheitsreferentin Beatrix Zurek verwies darauf, dass in Deutschland etwa ein Drittel der von der STIKO Empfohlenen gegen Grippe und weniger als ein Fünftel gegen Corona geimpft sei, während in Skandinavien mehr als zwei Drittel der entsprechenden Gruppen geimpft seien.

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Das Impfangebot auf dem Oktoberfest lief ohne Terminvereinbarung, montags bis freitags von 10 bis 14 Uhr und am Wochenende von 10 bis 12 Uhr, bis zum 4. Oktober 2026.

Die vorliegenden Zahlen aus Sachsen, Niedersachsen und den bundesweiten RKI-Auswertungen verdeutlichen insgesamt, dass gerade bei älteren Menschen und chronisch Kranken trotz bestehender Empfehlungen weiterhin deutliche Impflücken bestehen.

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