Grippeimpfung bei Immunerkrankungen: 95 Prozent ohne Krankheitsschub
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 02:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deMenschen mit entzündlichen Immunerkrankungen stehen vor Beginn der Erkältungszeit oft vor der Frage, wie ihr geschwächtes oder medikamentös beeinflusstes Abwehrsystem auf eine Immunisierung reagiert. Die Rheumatologin Priv.-Doz. Rebecca Hasseli-Fräbel vom Universitätsklinikum Münster (UKM) spricht sich ausdrücklich für die Grippeschutzimpfung bei Personen mit entzündlichen Immunerkrankungen aus.
Da die herkömmliche Grippeimpfung auf einem Totimpfstoff basiert, besteht für die Betroffenen kein Risiko durch vermehrungsfähige Erreger. Lediglich bei Lebendimpfstoffen müssen die zugrunde liegende Erkrankung und eine immundämpfende Therapie gesondert berücksichtigt werden.
Studiendaten belegen geringes Risiko für Schübe
Die Sicherheit und Verträglichkeit der Vakzine bei bestehenden Grunderkrankungen wird durch wissenschaftliche Untersuchungen gestützt. Eine bundesweite Studie mit 633 Erwachsenen zur Saison 2023/24 ergab, dass rund 95 Prozent der Teilnehmer nach der Verabreichung der Grippeimpfung keinen Krankheitsschub erlitten.
Lediglich etwa 5 Prozent der Geimpften berichteten über einen solchen Schub, und nur bei rund 1 Prozent war eine medikamentöse Therapieanpassung erforderlich. Zudem gaben rund 9 Prozent der Teilnehmenden an, trotz Impfung an einer Influenza erkrankt zu sein, wobei in diesen Fällen keine schweren Krankheitsverläufe auftraten.
Empfehlungen der STIKO und Schutz vor Folgeerkrankungen
Die Ständige Impfkommission (STIKO) rät Risikogruppen generell zur jährlichen Grippeimpfung. Dazu zählen Personen ab einem Alter von 60 Jahren, Heimbewohner, Personal mit regem Publikumsverkehr sowie Kinder ab sechs Monaten und Erwachsene mit Vorerkrankungen. Zu diesen Indikationen gehören chronische Leiden an Herz, Leber und Nieren, Diabetes, neurologische Erkrankungen sowie Immunschwächen.
Schwangeren wird die Immunisierung ab dem zweiten Trimester angeraten, bei Vorerkrankungen bereits ab dem ersten Trimester. Nach Angaben der STIKO kommen Totimpfstoffe ohne vermehrungsfähige Viren zum Einsatz; über die Plazenta übertragene Antikörper können zudem dem Neugeborenen einen zeitlich begrenzten Schutz vermitteln.
Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für alle von der STIKO empfohlenen Impfungen vollständig, während dies für sonstige Personengruppen meist eine freiwillige Satzungsleistung darstellt.
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Weitere Fachverbände heben den präventiven Nutzen hervor. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) belegt eine Studie, dass die Grippeimpfung auch das Risiko für erneute Herzinfarkte und Todesfälle deutlich verringert, wenngleich das primäre Ziel die Verhinderung von Influenza-Infektionen und schwerwiegenden Verläufen bleibt.
Professor Dr. Konrad Reinhart von der Sepsis-Stiftung verwies anlässlich der Grippesaison 2026/2027 darauf, dass schwere Influenza-Verläufe über Viren im Blutkreislauf zu viraler Sepsis und Multiorganversagen führen können.
Niedrige Impfraten gegen Influenza und Pneumokokken trügen zu einer gesteigerten Sepsissterblichkeit bei. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann unterstrich zur Saison 2026/2027 ebenfalls die Bedeutung des Schutzes für Menschen ab 60 Jahren, Schwangere, Immungeschwächte und chronisch Kranke.
Niedrige Impfquoten und der optimale Zeitpunkt
Trotz der medizinischen Notwendigkeit bleiben die Impfraten hinter den Empfehlungen zurück. Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) zur Saison 2024/2025 zeigen, dass die Impfquote bei Kindern und Jugendlichen mit Grunderkrankung bei 10 Prozent und bei Erwachsenen mit Vorerkrankung bei 12 Prozent lag. Unter den Menschen ab 60 Jahren waren 34 Prozent geimpft.
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Für den vollen Schutzbedarf verweist das RKI darauf, dass der Körper rund 10 bis 14 Tage benötigt, um die Immunität aufzubauen. Als idealer Zeitraum für die Verabreichung gelten die Wochen von Anfang Oktober bis Mitte Dezember, wobei eine Nachholung zu Beginn einer Grippewelle weiterhin sinnvoll ist.
Die Kassenärztlichen Vereinigungen Westfalen-Lippe und Nordrhein empfehlen ebenfalls die Monate Oktober und November als geeigneten Zeitpunkt für den Piks.
