Grippeimpfung 2026/ 27: Alle drei Impfstoffstämme angepasst
Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 11:22 Uhr | dpa, AD HOC NEWSImpfempfehlungen und Atemwegslage
- Für die Saison 2026/2027 wurden alle drei Impfstoffstämme angepasst.
- Die Stiko empfiehlt die Impfung unter anderem Menschen ab 60 Jahren und Personen mit Vorerkrankungen.
- In der Saison 2024/25 waren 34,5 Prozent der Menschen ab 60 Jahren geimpft.
Grippeimpfstoff für 2026/2027 umfassend angepasst
Für die kommende Grippesaison sind die Impfstoffe gegen Influenza besonders umfassend verändert worden: Alle drei enthaltenen Stämme wurden angepasst. Daraus folgt nach Einschätzung des Charité-Infektiologen Leif-Erik Sander jedoch nicht automatisch eine außergewöhnlich schwere Grippewelle.
Die Anpassung reagiert auf deutliche Veränderungen der zirkulierenden Viren gegenüber den bisherigen Impfstoffreferenzviren. Das Paul-Ehrlich-Institut erklärt, dass die Zusammensetzung jedes Jahr auf Grundlage internationaler Empfehlungen an die erwarteten Virusvarianten angepasst wird.
WHO und EMA liefern die Grundlage
Die Weltgesundheitsorganisation und der Ausschuss für Humanarzneimittel bei der Europäischen Arzneimittelagentur bewerten weltweit zirkulierende Influenzavarianten. Meist wird bereits im Februar eine Prognose für die im folgenden Winter erwarteten Virusstämme erstellt.
Für die Saison 2026/2027 wurden alle drei Stämme verändert, weil sich ihre Antigenität deutlich gewandelt hat. Damit soll die Erkennbarkeit der Viren durch die nach der Impfung gebildeten Antikörper verbessert werden.
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Schwere der Welle bleibt offen
Wie stark die kommende Grippesaison ausfällt, lässt sich vor Beginn nicht zuverlässig vorhersagen. Sander verweist darauf, dass viele Menschen bereits mit der noch neuen Influenza-Variante A(H3N2) der Subklade K in Kontakt gekommen seien und der Impfstoff nun ebenfalls darauf angepasst worden sei.
Die vergangene Saison hatte viele Erkrankte und zeitweise volle Krankenhäuser, verlief insgesamt aber nicht außergewöhnlich schwer. Auch die auslaufende Grippesaison auf der Südhalbkugel sei kein Hinweis auf eine besonders dramatische Entwicklung in Deutschland.
Impfung für Risikogruppen empfohlen
Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Grippeimpfung unter anderem Menschen ab 60 Jahren, Personen mit Vorerkrankungen, Schwangeren sowie Bewohnerinnen und Bewohnern von Pflegeeinrichtungen. Auch Kinder und Jugendliche mit bestimmten chronischen Erkrankungen sollten sich impfen lassen.
Dazu zählen unter anderem chronische Erkrankungen der Atemwege, des Herz-Kreislauf-Systems sowie der Leber und Nieren. In der Saison 2024/25 waren nach Angaben des Robert Koch-Instituts 34,5 Prozent der Menschen ab 60 Jahren geimpft.
Atemwegsinfekte steigen leicht an
Die Zahl der akuten Atemwegsinfekte liegt derzeit auf moderatem Niveau. Vor allem Rhinoviren, Parainfluenzaviren und Enteroviren werden nachgewiesen.
Die im Abwasser gemessene SARS-CoV-2-Viruslast bleibt niedrig, ist aber seit einigen Wochen leicht gestiegen. Auch bei den Influenzaviren zeichnet sich ein leichter Anstieg ab.
Die Anpassung der Grippeimpfstoffe für die Saison 2026/2027 betrifft alle drei enthaltenen Virusstämme. Hintergrund sind nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts deutliche antigenetische Veränderungen der zirkulierenden Viren gegenüber den bisherigen Referenzviren. Die Impfstoffzusammensetzung folgt internationalen Empfehlungen und wird typischerweise Monate vor der jeweiligen Wintersaison festgelegt.
Die aktuelle Atemwegslage liefert zugleich keinen belastbaren Hinweis auf eine außergewöhnlich schwere Grippewelle. Akute Atemwegsinfekte liegen auf moderatem Niveau; bei Influenza und SARS-CoV-2 ist jedoch ein leichter Anstieg zu beobachten. Damit beginnt die saisonale Entwicklung, ohne dass sich daraus bereits eine verlässliche Prognose für die kommenden Monate ableiten lässt.
Impfquote bleibt entscheidend
Für den Schutz der Bevölkerung ist neben der Anpassung des Impfstoffs die Impfquote maßgeblich. In Deutschland waren in der Saison 2024/25 lediglich 34,5 Prozent der Menschen ab 60 Jahren gegen Grippe geimpft. Das liegt deutlich unter dem europäischen Zielwert von 75 Prozent. Besonders für ältere Menschen, Schwangere, Bewohner von Pflegeeinrichtungen und Personen mit Vorerkrankungen kann die Impfung schwere Verläufe und Folgeerkrankungen vermeiden helfen.
Auch ein nicht vollständig passender Impfstoff kann Krankheitsfälle verhindern und Erkrankungen abmildern. Der individuelle Schutz hängt zusätzlich vom Alter, früheren Infektionen und Impfungen sowie vom Zeitpunkt der Impfung und einer späteren Infektion ab. Für Leser bedeutet das: Die Impfentscheidung sollte sich vor allem an der persönlichen Risikogruppe und der Empfehlung der Ständigen Impfkommission orientieren, nicht an der bloßen Nachricht über die umfassende Anpassung.
