Griechenland schützt 251 Strände: Liegen und Schirme verboten
18.06.2026 - 15:39:36 | boerse-global.de
Immer mehr Destinationen setzen auf Nachhaltigkeit, begrenzen Besucherströme und verschärfen Umweltschutzmaßnahmen. Besonders beliebte Urlaubsziele reagieren auf die Klimakrise und Übertourismus mit konkreten Plänen.
Österreich will Touristenströme entzerren
Mitte Juni 2026 haben mehrere Regionen detaillierte Transformationspläne vorgelegt. Österreichs Strategie „Vision T“ sieht vor, die Akzeptanz des Tourismus in der Bevölkerung bis 2035 deutlich zu steigern. Kernziel: Der Anteil der Übernachtungen außerhalb der Hauptsaison soll von 53 auf über 60 Prozent klettern. Die Strategie setzt auf Werterhalt und höhere Wertschöpfung statt auf reines Besucherwachstum.
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Auch international wird ambitioniert geplant. Die vietnamesische Provinz Ninh Binh verabschiedete eine Resolution für die Tourismusentwicklung bis 2030 – nach einem Besucheransturm von über 19 Millionen Menschen im Jahr 2025. Der Fokus liegt auf digitaler Transformation und dem Schutz ökologisch wertvoller Gebiete wie dem Trang An-Landschaftskomplex.
In Deutschland treiben Bundesländer den Wandel voran. Die Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH trat Mitte Juni einer Exzellenzinitiative für nachhaltige Reiseziele bei. Ziel ist der Austausch in einem Expertennetzwerk zur Entwicklung nachhaltiger Tourismuskonzepte.
Griechenland schützt „unberührte Strände“
Beliebte Urlaubsziele reagieren mit harten Maßnahmen gegen Übertourismus. Griechenland hat die Liste der rechtlich geschützten „unberührten Strände“ auf 251 Küstenabschnitte erweitert. An diesen Standorten – darunter Gebiete auf Kreta und Korfu – sind Liegen und Sonnenschirme verboten. Hintergrund: Mit 38 Millionen Besuchern im Vorjahr war die Infrastruktur vieler Inseln wie Santorini am Limit.
Auch die Klimaanpassung rückt in den Fokus. Im Westerwald fand im Frühjahr 2026 ein Workshop statt, um Anpassungsstrategien an die Klimafolgen zu entwickeln. Die Ergebnisse sollen bis Jahresende in einen Leitfaden für Tourismusbetriebe münden.
Zertifikate und CO2-Bilanzen gewinnen an Bedeutung
Für Reisende und Betriebe werden transparente Nachhaltigkeitsnachweise immer wichtiger. Das Schweizer Programm „Swisstainable“ bietet ein dreistufiges System zur Anerkennung entsprechender Zertifikate, geprüft von der Hochschule Luzern. International etablierte Siegel wie Green Globe oder EarthCheck werden integriert.
Vermittlungsplattformen wie Ecobnb setzen auf konkrete Kriterien: 100 Prozent Ökostrom, Bio-Lebensmittel oder hohe Abfalltrennungsquote. Laut Plattform lassen sich damit pro Reisendem und Tag erhebliche Mengen Wasser und CO2 einsparen.
Klima-Kommunikator David Nelles betont: Neben Verzicht seien technologische Lösungen wie klimaneutrales Kerosin entscheidend. Doch die Wahl des Reiseziels bleibe der größte Hebel. Ein Flug nach Südostasien verursache siebenmal höhere Emissionen als eine Reise nach Süditalien. Laut WWF belasten Flüge auf die Kanaren die Bilanz bereits mit bis zu 1,6 Tonnen Treibhausgasen.
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Wirtschaftsfaktor Tourismus: Milliarden für ländliche Räume
Die wirtschaftliche Bedeutung des Sektors bleibt enorm. Eine Studie für Sachsen-Anhalt weist für 2025 einen Gesamtumsatz von rund 3,6 Milliarden Euro durch Touristen aus. Tagesreisen machten dabei etwa drei Viertel des Aufkommens aus. Der Umsatz stieg im Vergleich zu den Vorjahren deutlich und sicherte erhebliche Steuereinnahmen.
Neue Förderprogramme sollen den ländlichen Tourismus stärken. Ein gemeinsamer Projektwettbewerb von Airbnb und dem Deutschen Tourismusverband stellt eine Million Euro bereit. Unterstützt werden Projekte in Naturschutz, Landwirtschaft und Kultur. Die Ergebnisse werden im November 2026 auf dem Deutschen Tourismustag in Leipzig präsentiert. Dort steht auch die Rolle der Künstlichen Intelligenz auf der Agenda – die Branche bleibt trotz Automatisierung auf menschliche Arbeit angewiesen.
