GridCraft: Open-Source-Excel-Klon läuft nativ auf Linux und Windows
Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 06:02 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer Entwickler Brandon Thomas hat unter dem Dach von ArtCraft mit GridCraft einen quelloffenen Klon von Microsoft Excel vorgestellt. Die Tabellenkalkulation wurde in der Programmiersprache Rust geschrieben und läuft ohne zusätzliche Laufzeitumgebungen nativ auf Linux, FreeBSD, macOS sowie Windows. Das Programm zielt darauf ab, eine performante und plattformübergreifende Alternative zu etablierten Büroanwendungen bereitzustellen.
Native Tabellenkalkulation mit nativer Dateikompatibilität
GridCraft bietet nach Angaben von ArtCraft mehr als 500 Funktionen und unterstützt Pivot-Tabellen. Die Software ist in der Lage, Dateien im Standardformat .xlsx sowohl einzulesen als auch abzuspeichern.
In einem Praxistest von ZDNET zeigte sich die Anwendung bei einer Tabelle mit 1000 Zeilen stabil und arbeitete ohne spürbare Verlangsamung. Zwar stuft ArtCraft die hauseigenen Programme als vollwertigen 1:1-Ersatz für bestehende Lösungen ein, Tester Jack Wallen merkte jedoch an, dass dieses Versprechen in der Praxis noch nicht zu 100 % zutreffe.
Das Programm befindet sich wie andere Teile der Reihe gegenwärtig in einem frühen Alpha-Stadium und wird derzeit nicht für den regulären Produktiveinsatz empfohlen.
Breites Paket an Software-Klonen
Die Veröffentlichung von GridCraft ist Teil eines größeren Portfolios. Thomas stellte die Tabellenkalkulation parallel zu WordCraft, einem Programm zur Textverarbeitung mit Unterstützung für .docx-Dateien, und DeckCraft für Präsentationen bereit.
DeckCraft bringt unter anderem Animationen, Folienübergänge sowie eine Referentenansicht mit. Sämtliche Programme werden als kostenlose Open-Source-Software unter den Lizenzen MIT und Apache 2.0 vertrieben.
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Insgesamt umfasst das Angebot von ArtCraft inzwischen 13 eigenständige Anwendungen. Neben den Büro-Tools zählen dazu unter anderem PhotoCraft, LightCraft, VectorCraft, FilmCraft, PDFCraft, EffectCraft, DesignCraft, FigCraft, SoundCraft und CadCraft. Sie wurden ebenfalls in Rust entwickelt und sind teils für den Einsatz mit WebAssembly vorbereitet.
Bei der Realisierung des Projekts setzte Thomas in großem Umfang auf künstliche Intelligenz: Bei den sieben zuerst veröffentlichten Kreativ-Klonen steuerte Claude Opus 5.5 Anfang Oktober 2026 als Co-Autor rund 4.300 von etwa 5.700 Commits bei, was einem Anteil von 75 % entspricht.
Auf der Entwicklerplattform GitHub verzeichneten die Werkzeuge mit Stand vom 31. Oktober 2026 zusammengenommen rund 194.000 Sterne. PhotoCraft führte die Liste mit 75.355 Sternen an, gefolgt von PDFCraft mit 18.853 und FilmCraft mit 17.004 Sternen. WordCraft lag bei 16.782 Sternen, während GridCraft auf 6.908 Sterne kam.
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Reifegrad und offene Fragen vor dem Praxiseinsatz
Hinsichtlich des tatsächlichen Funktionsumfangs gibt ArtCraft für die Office-Klone derzeit eine Arbeitsreife von 50 bis 60 % an. Für PhotoCraft wird die Reife auf 45 % beziffert, wobei das Tool 76 % der Photoshop-Kernfunktionen abdecke und 134 von 135 echten PSD-Testdateien byte-genau verarbeite.
VectorCraft liegt demnach bei 62 %, LightCraft bei 59 % und FilmCraft bei 56 %. Das Ziel des Projekts lautet, bei PhotoCraft innerhalb weniger Monate eine Parität von 99 % zu erreichen.
In der Fachwelt stoßen die Veröffentlichungen auf geteilte Reaktionen. Zwar erregen sie Aufmerksamkeit im Umfeld des Marktes – so schloss die Adobe-Aktie zuletzt bei 250,23 US-Dollar, was einem Minus von 28,5 % gegenüber dem Jahresende 2025 mit 349,99 US-Dollar entspricht –, doch Experten mahnen zur Vorsicht.
André Kramer von der Fachzeitschrift c’t analysierte die Photoshop- und Lightroom-Klone und hielt fest, dass Menüs, Paletten und Werkzeugsymbole zwar vorhanden seien, die dahinterliegende Funktionstiefe jedoch fraglich bleibe. Als Konzeptstudie sei das Projekt sehr interessant, als produktives Arbeitswerkzeug dagegen zurückhaltend zu bewerten.
Zudem fehlen Anwendungen wie WordCraft automatische Cloud-Backups, weshalb Anwender vorerst bei proprietären Abonnements bleiben. Neben potenziellen Sicherheitslücken und Detailfragen bei der Dateikompatibilität gilt trotz des angestrebten Clean-Room-Designs auch das Risiko möglicher Urheberrechtsstreitigkeiten als Herausforderung für die Zukunft der Projekte.
