Grauer Star: Bis zu 85 Prozent der über 65-Jährigen brauchen eine OP
Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 06:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Grauer Star, medizinisch Katarakt genannt, zählt zu den häufigsten altersbedingten Augenerkrankungen und gewinnt mit der weltweit steigenden Lebenserwartung zunehmend an Bedeutung. Was früher vor allem ältere Menschen in fortgeschrittenem Alter betraf, wird angesichts demografischer Entwicklungen zu einer Erkrankung, mit der immer mehr Menschen im Laufe ihres Lebens konfrontiert sind.
Hohe Fallzahlen in Österreich
Laut der Österreichischen Ophthalmologischen Gesellschaft (ÖOG) werden in Österreich jährlich 120.000 Katarakt-Operationen durchgeführt. Die Prognose der Fachgesellschaft fällt deutlich aus: Bis zu 85 Prozent der Menschen über 65 Jahre benötigen demnach im Laufe ihres Lebens eine Operation am Grauen Star. Das Durchschnittsalter bei einem solchen Eingriff liegt bei 73 Jahren.
Der Eingriff selbst gilt mittlerweile als vergleichsweise unkompliziert und dauert laut ÖOG rund 15 Minuten. Dennoch ist er nicht ohne Folgewirkungen: Bei rund einem Drittel der Patienten tritt Jahre nach der Operation ein sogenannter Nachstar auf, der eine erneute Behandlung erforderlich machen kann.
Als Risikofaktoren für die Entstehung von Grauem Star nennt die ÖOG unter anderem UV-Licht, Rauchen, Alkoholkonsum, Verletzungen sowie Netzhautablösungen.
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Lebenserwartung nähert sich wieder dem Vor-Corona-Niveau
Die Zunahme altersbedingter Erkrankungen wie Katarakt steht im Zusammenhang mit einer globalen Entwicklung, die die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in aktuellen Erhebungen dokumentiert. Demnach nähert sich die durchschnittliche Lebenserwartung der Weltbevölkerung wieder dem Niveau vor der Coronapandemie an. Während der Pandemie waren die Werte in vielen Ländern vorübergehend um ein bis zwei Jahre gesunken.
Laut am Freitag veröffentlichten WHO-Zahlen lag die weltweite Lebenserwartung 2023 bei 73,3 Jahren – nahe an den 73,4 Jahren von 2019. Im Jahr 2021, auf dem Höhepunkt der Pandemie, war sie auf 71,5 Jahre gesunken.
WHO-Direktor Alain Labrique bezeichnete die gestiegene Lebenserwartung als einen der großen Erfolge der öffentlichen Gesundheitsversorgung. Die nächste Herausforderung bestehe darin, diese zusätzlichen Lebensjahre auch bei guter Gesundheit zu verbringen. Die Gesundheitssysteme müssten sich entsprechend an veränderte Bedürfnisse anpassen.
Lücke zwischen Lebensjahren und gesunden Lebensjahren
Die WHO mahnt zugleich, dass die Zahl der in Gesundheit verbrachten Lebensjahre – die sogenannte Health-Adjusted Life Expectancy – nicht im gleichen Tempo wächst wie die reine Lebenserwartung. Laut den WHO-Zahlen erreichte die Zahl der „bei guter Gesundheit“ verbrachten Lebensjahre 2023 weltweit 62,8 Jahre, was 0,4 Jahre unter dem Vor-Corona-Niveau von 2019 liegt.
Zu den häufigsten gesundheitlichen Belastungen im Alter zählen laut WHO Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes, neurodegenerative Erkrankungen wie Demenz, degenerative Gelenk- und Knochenleiden sowie chronische Atemwegserkrankungen.
Auffällig ist die Entwicklung bei Alzheimer und Demenz: Diese Erkrankungen stiegen von der 19. Todesursache im Jahr 2000 auf die 5. Position im Jahr 2023, die Todesfälle haben sich im vergangenen Vierteljahrhundert verdreifacht.
Nichtübertragbare Krankheiten machen inzwischen 74 Prozent aller Todesfälle weltweit aus, zu Beginn des Jahrhunderts waren es noch 58 Prozent. 2023 gab es demnach erstmals auch in Ländern mit niedrigem Einkommen mehr Todesfälle durch nichtübertragbare als durch ansteckende Krankheiten.
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Herz-Kreislauf-Erkrankungen bleiben mit jährlich etwa 9,5 Millionen Todesfällen weltweit die häufigste Todesursache, gefolgt von Schlaganfällen mit 7 Millionen, chronischen Lungenerkrankungen mit 4 Millionen und unteren Atemwegsinfektionen mit 3 Millionen Todesfällen. COVID-19 ist dagegen aus der Liste der zehn globalen Haupttodesursachen verschwunden, ebenso wie Tuberkulose.
Konsequenzen für Prävention und Versorgung
Angesichts dieser Entwicklungen fordern Fachleute mehr Prävention, eine Stärkung der Frührehabilitation sowie den Ausbau der Pflegeinfrastruktur. Für Erkrankungen wie den Grauen Star bedeutet die steigende Lebenserwartung konkret: Mit mehr Menschen, die ein höheres Alter erreichen, wächst auch die Zahl derjenigen, die im Laufe ihres Lebens eine Katarakt-Operation benötigen.
Die vergleichsweise kurze und risikoarme Natur des Eingriffs erleichtert zwar die Versorgung einer wachsenden Patientengruppe, stellt Gesundheitssysteme aber dennoch vor die Aufgabe, entsprechende Kapazitäten langfristig bereitzustellen.
