GPU aus 8.192 Billig-Chips: Deutscher Tüftler baut Grafikprozessor für 13 Cent
Veröffentlicht: 10.07.2026 um 03:24 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die explodierenden Preise für Grafikkarten haben einen deutschen Tüftler auf eine ungewöhnliche Idee gebracht: Statt teurer High-End-Hardware setzt er auf Massenparallelisierung mit Billigst-Chips.
Matthias Balwierz, in der Szene als Bitluni bekannt, hat einen funktionsfähigen Grafikprozessor aus tausenden winzigen Mikrocontrollern zusammengesteckt. Das Besondere: Jeder einzelne Chip kostet gerade einmal 13 Cent. Die Antwort auf steigende Grafikkartenpreise könnte also in der Masse liegen – zumindest als Proof of Concept.
8.192 Kerne für 320x200 Pixel
Das Herzstück des Prototyps bilden 8.192 QingKe CH570-Mikrocontroller. Die RISC-V-basierten Chips takten mit 100 MHz und verfügen über je 12 Kilobyte SRAM. Balwierz organisierte die Prozessorfamilie auf sechslagigen Leiterplatten in modularen „Blades". Jeder einzelne Chip ist dabei für einen bestimmten Pixel oder Bildschirmabschnitt zuständig.
Die aktuelle Version liefert eine Auflösung von 320x200 Pixeln. Doch die Hardware kann mehr als nur einfache Videoausgabe: Sie meistert verteiltes Ray Marching und Hashing-Aufgaben. Bei letzteren übertrifft das Konstrukt sogar einen handelsüblichen Achtkern-Prozessor – bei einer lokalen Leistungsaufnahme von nur vier Watt für diese speziellen Berechnungen.
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Stromhungriges Experiment
So günstig die Einzelteile sind, so gewaltig sind die Infrastruktur-Anforderungen. Die 8.192 Chips ziehen insgesamt rund 2.161 Watt – bei einer Stromstärke von 655 Ampere und 3,3 Volt. Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Gaming-PC kommt mit 500 bis 800 Watt aus. Balwierz setzte daher auf Hochleistungsnetzteile, darunter ein Corsair WS3000 und weitere 3-kW-Einheiten.
Die Programmierung der tausenden Mikrocontroller war eine logistische Herausforderung für sich. Der Entwickler baute kurzerhand einen 3D-Drucker zur Programmiermaschine um. Mit Pogo-Pins fährt die Drucker-Einheit über die Platinen und flasht die Firmware auf jeden Chip einzeln. Probleme mit der Taktverteilung zwangen das Team schließlich dazu, jeden Chip mit einem eigenen Quarz zu bestücken.
Nächste Stufe: 64.000 Chips
Doch das ist erst der Anfang. Balwierz plant bereits die nächste Ausbaustufe: 64.000 Mikrocontroller sollen in der nächsten Version zum Einsatz kommen. Die reinen Chipkosten dafür werden auf umgerechnet rund 7.500 Euro geschätzt. Ziel bleibt die Verbesserung der 320x200-Auflösung und die weitere Erforschung extrem verteilter Rechenarchitekturen.
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Das Projekt entstand in Zusammenarbeit mit dem PCB-Design-Unternehmen Altium. Balwierz kündigte an, die Design-Dateien und den Quellcode zu veröffentlichen – eine Einladung an die Hardware-Community, die Architektur zu studieren und weiterzuentwickeln.
Mit kommerziellen High-End-Grafikkarten für Gaming oder professionelles Rendering kann die Bastelei zwar nicht mithalten. Aber als Machbarkeitsstudie für alternative Hardware-Designs auf Basis der offenen RISC-V-Architektur ist sie ein eindrucksvolles Statement.
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