GPT-5.6 wird Standard: Microsoft bevorzugt OpenAI für Office
Veröffentlicht: 13.07.2026 um 06:13 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Der Softwarekonzern reduziert seine Abhängigkeit von externen KI-Partnern und steuert Nutzerdaten aus Excel und Outlook nun an hauseigene Modelle.
Microsoft hat damit begonnen, Anfragen aus Kernanwendungen wie Excel und Outlook an seine proprietären MAI-Modelle weiterzuleiten. Der strategische Schritt zielt darauf ab, die finanziellen Belastungen durch externe KI-Anbieter zu senken. Seit dem Start der MAI-Serie im Juni 2026 will der Konzern vor allem die Margen des Microsoft 365 Copilot-Dienstes verbessern, der derzeit 28 Euro pro Nutzer kostet.
Weniger Abhängigkeit von OpenAI und Anthropic
Der Einsatz eigener Modelle ist ein massiver Versuch, die hohen Lizenzkosten für Technologien von Partnern wie OpenAI und Anthropic zu drücken. Microsofts KI-Chef Mustafa Suleyman machte deutlich, dass ein zentrales Ziel die Reduzierung – und letztlich die vollständige Abschaffung – der erheblichen Zahlungen an Anthropic sei. Zwar besteht mit OpenAI ein langfristiger Vertrag bis 2032, doch der Konzern baut seine Modellarchitektur zunehmend breiter auf.
Interne Tests zeigen, dass das eigene Modell MAI-Thinking-1 in bestimmten Bereichen wie der Programmierung die Leistungsfähigkeit von Anthropics Claude Opus 4.6 erreicht. Trotz dieser Eigenentwicklung setzt Microsoft weiterhin auf Partnertechnologie für anspruchsvolle Funktionen. Am 12. Juli 2026 erklärte der Konzern OpenAIs neue GPT-5.6-Familie – mit den Modellen Sol, Terra und Luna – zum bevorzugten Standard für mehrere Copilot-Funktionen in Word, Excel und PowerPoint.
Das umgekehrte Informationsparadoxon
Mitten in diesem Wandel zu vielfältigeren KI-Modellen präsentierte Microsoft-CEO Satya Nadella am heutigen Montag ein Konzept, das er als „umgekehrtes Informationsparadoxon" bezeichnet. Nadella warnte, dass Unternehmen Gefahr laufen, für KI zweimal zu zahlen: einmal durch Abonnementgebühren und ein zweites Mal, indem sie unbeabsichtigt proprietäre Arbeitsabläufe und geistiges Eigentum in externe Lernschleifen einspeisen.
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Um diese Risiken zu minimieren, forderte Nadella Unternehmen auf, klare Vertrauensgrenzen zu ziehen und die Kontrolle über ihre eigenen Lernumgebungen zu behalten. Er plädierte für eine Entkopplung der KI-Orchestrierung von einzelnen Modellanbietern und schlug vor, dass Unternehmen private Bewertungsrahmen entwickeln sollten, um ihre Wettbewerbsvorteile zu schützen.
Infrastruktur und Unternehmensskalierung
Seit Januar 2026 hat Microsoft seine Maia 200 KI-Chips in der Azure-Cloud-Plattform eingesetzt, um die Betriebskosten von Copilot weiter zu senken. Berichten zufolge hat Anthropic bereits Gespräche über die Anmietung von Servern aufgenommen, die mit diesen kundenspezifischen Microsoft-Chips betrieben werden.
Anfang Juli startete Microsoft zudem das Projekt „Frontier Company" mit einer Investition von 2,3 Milliarden Euro. Die neue Einheit mit 6.000 Ingenieuren soll Unternehmenskunden dabei helfen, KI-Pilotprojekte in die Serienproduktion zu überführen. Kunden können dabei zwischen Modellen von OpenAI, Anthropic oder Open-Source-Alternativen sowie der eigenen Microsoft-Technologie wählen.
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Marktreaktion und Wettbewerbsverschiebungen
Der Fokus auf interne Effizienz kommt in einer volatilen Phase für die Microsoft-Aktie. Nach einem 52-Wochen-Tief Ende Juni 2026 haben sich die Papiere um zehn Prozent erholt, liegen aber immer noch rund 20 Prozent unter dem Jahresanfang. Analysten bleiben mehrheitlich optimistisch: 41 von 48 Experten raten zum Kauf, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 515 Euro.
Wals Microsoft sein eigenes KI-Angebot ausbaut, suchen einige Großkunden nach mehr Unabhängigkeit. Starbucks kündigte kürzlich an, eigene KI-Software zu entwickeln, um Microsoft-basierte Bestandsverwaltungssysteme zu ersetzen. Der Kaffeekonzern, der ein Softwarebudget von rund 370 Millionen Euro unterhält, will die ersten eigenen KI-Anwendungen bis Ende 2027 auf den Markt bringen. Als Übergangslösung testet Starbucks derzeit einen Chatbot auf Basis von Azure OpenAI.
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