Google, Phishing-Netzwerk

Google verklagt chinesisches Phishing-Netzwerk: 1,9 Milliarden Euro Schaden

23.06.2026 - 13:09:05 | boerse-global.de

Globale Hacker-Offensive mit KI-Unterstützung verursacht Milliardenschäden. Google reicht Klage gegen chinesisches Phishing-Netzwerk ein.

KI-Phishing-Welle: Google verklagt Netzwerk und warnt Verbraucher
Google - A person in a hoodie typing on a laptop, with digital security icons and lines representing a network, illustrating cybercrime. 23.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Gleich mehrere Sicherheitsbehörden und Technologiekonzerne haben diese Woche Maßnahmen ergriffen, um eine neue Generation von KI-gestützten Phishing-Attacken und Identitätsdiebstählen zu bekämpfen. Die Angriffswelle fällt zeitlich mit großen Einzelhandelsereignissen zusammen und verzeichnet laut internationalen Ermittlern eine dramatisch gestiegene Erfolgsquote.

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Google verklagt chinesisches Phishing-Netzwerk

In einem wegweisenden juristischen Schritt hat Google am heutigen Dienstag Klage gegen ein in China ansässiges Phishing-Netzwerk namens „Outsider Enterprise" eingereicht. Der Tech-Riese wirft der Gruppe in Zusammenarbeit mit dem FBI und US-Telekommunikationsanbietern vor, rund 9.000 betrügerische Websites betrieben und über eine Million irreführende URLs genutzt zu haben.

Die Ermittlungen ergaben, dass die Organisation etwa 2,5 Millionen Nachrichten mit schädlichen Links versendete – darunter 55.000 Spam-SMS innerhalb von nur zwei Wochen. Branchenexperten beziffern den entstandenen Schaden auf rund 1,9 Milliarden Euro. Etwa 3,8 Millionen Kreditkartendatensätze sollen kompromittiert worden sein. Besonders beunruhigend: Das Netzwerk setzte künstliche Intelligenz ein, um seine Phishing-Kits zu generieren – ein klarer Hinweis auf die zunehmende Industrialisierung der Cyberkriminalität.

INTERPOL-Report: KI macht Betrug massiv effektiver

Ein aktueller Bericht von INTERPOL für den Zeitraum 2025/2026 zeichnet ein düsteres Bild der Bedrohungslage. Demnach machen Cyberdelikte inzwischen 30 Prozent aller gemeldeten Straftaten in mehr als der Hälfte der Länder der Asien-Pazifik-Region aus. Phishing bleibt die größte Gefahr: Die Klickrate liegt dort bei 5,5 pro 1.000 Nutzer – fast doppelt so hoch wie der globale Durchschnitt von 2,9.

Die Zahlen belegen eindrucksvoll, wie lukrativ KI-gestützte Betrugsmethoden geworden sind. In Untergrundforen stieg die Zahl der Diskussionen über Deepfakes zwischen Februar und Juni 2024 um 600 Prozent. Noch alarmierender: 86 Prozent aller in den letzten sechs Monaten registrierten Phishing-Angriffe nutzten eine Form von künstlicher Intelligenz. Die Erfolgsquote dieser KI-gesteuerten Methoden liegt bei erschreckenden 54 Prozent – im Vergleich zu lediglich 12 Prozent bei traditionellen Phishing-Versuchen.

Amazon Prime Day: Betrugswelle rollt über Online-Shopper

Pünktlich zum Start des Amazon Prime Day am 23. Juni haben die Verbraucherschutzorganisation Better Business Bureau (BBB) und die Sicherheitsfirma Check Point vor einer massiven Zunahme von Einzelhandelsbetrug gewarnt. Zwischen Dezember 2025 und Mai 2026 identifizierten Forscher 6.843 neue Amazon-bezogene Domains – etwa jede elfte davon war bösartig oder verdächtig.

Doch nicht nur Amazon-Kunden sind im Visier der Betrüger. Auch andere große Organisationen wurden in den letzten Tagen attackiert:

  • O2 UK: Der britische Telekommunikationsanbieter warnte am Montag seine 22,4 Millionen Kunden vor SMS-Betrug, der die Deaktivierung von SIM-Karten androht. Die Suchanfragen zu diesen Betrugsmaschen sind seit Mitte Juni um 300 Prozent gestiegen.
  • Alabama Department of Senior Services: Die Behörde warnte 1,3 Millionen Medicare-Leistungsempfänger vor gefälschten Plastik-„Aktivierungskarten", die per Post verschickt wurden. Echte Medicare-Karten bestehen aus Papier und erfordern keine Aktivierungsgebühren.
  • Meta/Facebook: Sicherheitsforscher von Hornetsecurity entdeckten eine Kampagne, die Seiteninhaber mit gefälschten Verifizierungsangeboten ködert. Der Betrug nutzt ein ausgeklügeltes Phishing-Kit, das zwölf Sprachen unterstützt und Anmeldedaten sowie Zwei-Faktor-Authentifizierungscodes abgreift.

WhatsApp-Malware: Deutsche Nutzer im Visier

Forscher von Kaspersky haben Details zu einer weit verbreiteten Malware-Kampagne veröffentlicht, die sich über WhatsApp verbreitet. Die Angreifer nutzen kompromittierte Konten, um VBScript-Dateien zu versenden, die als Rechnungen oder Geschäftsdokumente getarnt sind – in mehreren Sprachen, darunter Deutsch, Englisch, Französisch und Portugiesisch.

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Die Infektionskette ist darauf ausgelegt, die Benutzerkontensteuerung zu deaktivieren und legitime Fernwartungssoftware wie ManageEngine Endpoint Central zu installieren. So verschaffen sich die Angreifer unbefugten Zugriff auf die Rechner ihrer Opfer. Während sich 80 Prozent der identifizierten Infektionen derzeit auf Malaysia konzentrieren, wurden Fälle auch in Deutschland, Indien, Brasilien und Großbritannien bestätigt.

Google bringt KI-Schutz gegen Telefonbetrug

Als Reaktion auf die zunehmende Vielfalt telefonischer Betrugsmethoden rollt Google eine neue Funktion für Android-Geräte aus. Das Tool erkennt betrügerische Sprachmuster während Telefonaten und warnt Nutzer vor möglichen Bankbetrugsversuchen. Allein in Deutschland erlitt kürzlich ein einzelnes Opfer einen Schaden von 70.000 Euro durch eine solche Masche.

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