Google-Strafe, Millionen

Google-Strafe 890 Millionen: EU ahndet DMA-Verstöße in Suche und Play Store

Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 16:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die EU-Kommission belegt Alphabet mit einer Rekordstrafe wegen Verstößen gegen den Digital Markets Act. Die Sanktionen betreffen Googles Suchmaschine und den Play Store.

EU verhängt Rekordstrafe von 890 Mio. Euro gegen Alphabet
Konzeptionelle Darstellung rechtlicher Prüfung mit digitalen Datenvisualisierungen und Waage der Gerechtigkeit. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Europäische Kommission hat Alphabet mit einer Rekordstrafe von 890 Millionen Euro belegt. Der Vorwurf: gleich mehrere Verstöße gegen den Digital Markets Act (DMA). Die Entscheidung betrifft Googles Suchmaschine und den Play Store – und könnte weitreichende Folgen für den digitalen Markt haben.

Doppelte Strafe für Suchmaschine und App-Store

Die Strafe teilt sich in zwei klare Verstöße auf. Rund 460 Millionen Euro veranschlagt die Kommission für die Eigenbevorzugung in der Google-Suche. Konkret geht es um die Darstellung von Diensten für Shopping, Hotels, Flüge und Transport. Weitere 430 Millionen Euro fallen für Anti-Steering-Praktiken im Play Store an. Die EU wirft Google vor, App-Entwickler daran gehindert zu haben, Nutzer auf günstigere Alternativen außerhalb der Plattform hinzuweisen.

Google hat nun 60 Tage Zeit, die Auflagen umzusetzen. Dritt-Anbieter müssen fair behandelt werden, Entwickler sollen eigene Angebote bewerben dürfen. Verstreicht die Frist ungenutzt, drohen täliche Strafen von bis zu fünf Prozent des globalen Tagesumsatzes.

Die EU-Kommission stellte klar: Markterfolg müsse sich über Produktqualität definieren – nicht über die Macht der Torwächter. Ein Beispiel gefällig? Googles eigenes Hotel-Preisvergleich-Tool wuchs von 37 Prozent Nutzung im Jahr 2013 auf 80 Prozent im Jahr 2023. Die Verweise auf das Reiseportal Trivago brachen im ersten Quartal 2026 im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2023 um 34 Prozent ein.

Google zeigte sich uneinsichtig und erwägt laut eigenen Angaben Berufung. Das Unternehmen argumentiert, die geforderten Änderungen würden die Nutzererfahrung verschlechtern – etwa durch den Wegfall von Echtzeit-Preisen für Flüge und Restaurants. Die Kommission bezeichnete die jüngsten Gespräche mit dem Konzern dennoch als konstruktiv.

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Spannungen mit Verlagen verschärfen sich

Die Geldstrafe fällt in eine Zeit wachsender Konflikte zwischen Google und der Verlagswelt. Aktuelle Daten zeigen einen drastischen Rückgang des Empfehlungsverkehrs. Im zweiten Quartal 2026 sank die Werbefläche von Verlagen um 32 bis 41 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bei großen Mediengruppen wie Reach plc brachen die Verweise sogar um bis zu 55 Prozent ein.

Mehrere namhafte Medienhäuser – darunter USA Today, Politico und Reuters – prüfen offenbar rechtliche Schritte oder die Blockade von Googles Suchrobotern. Die Verleger kritisieren, dass neue KI-Funktionen in den Suchergebnissen die Aufmerksamkeit der Nutzer binden, ohne sie auf die Originalquellen weiterzuleiten. Bei einigen großen Anbietern soll der Traffic im vergangenen Jahr um rund 50 Prozent eingebrochen sein.

In der Branche hat sich dafür der Begriff „Google Zero“ etabliert. Die Beschreibung: Suchergebnisse, die Nutzeranfragen vollständig innerhalb des Google-Ökosystems beantworten – kein externer Klick mehr nötig.

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Wirtschaftliche und politische Folgen

Mit der aktuellen Strafe summiert sich die Gesamtbelastung für Google durch EU-Bußgelder auf rund 10,38 Milliarden Euro. Die Börse reagierte prompt: Alphabet-Aktien fielen im vorbörslichen Handel um etwa vier Prozent.

Die Entscheidung belastet auch die transatlantischen Handelsbeziehungen. Der US-Handelsbeauftragte warnte, die Strafe könne die Stabilität des internationalen Handels gefährden. Eine Gruppe von 25 republikanischen Abgeordneten im US-Kongress soll bereits eine Vergeltungs-Handelsuntersuchung gefordert haben. Der regulatorische Druck aus Europa könnte damit politische Sprengkraft entfalten.

Google muss nun die 60-Tage-Frist zur Umsetzung der Auflagen bewältigen. Die EU-Kommission setzt nach eigenen Angaben auf einen fortgesetzten technischen Dialog – die täglichen Umsatzstrafen sollen möglichst vermieden werden.

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