Google DSGVO-Strafe: Irische Datenschützer verhängen über 400 Millionen Euro wegen Standortdaten
Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 14:44 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Google muss wegen Verstößen gegen die europäische Datenschutz-Grundverordnung beim Umgang mit Standortdaten seiner Nutzer mehr als 400 Millionen Euro Strafe zahlen.
Irische Datenschutzbehörde verhängt hohe Geldbuße
Die irische Datenschutzkommission DPC teilte mit, dass sich das Verfahren auf die Verarbeitung von Standortdaten in den Bereichen Web- und App-Aktivitäten, Standortverlauf und Standortgenauigkeit zwischen 2018 und 2020 bezieht. Beanstandet wurde insbesondere, dass betroffene Personen sich möglicherweise nicht darüber im Klaren waren, dass ihre Standortdaten etwa zur Beeinflussung mit Werbung oder zur Ableitung ihrer Interessen genutzt wurden und sie dadurch die Kontrolle über ihre persönlichen Daten verlieren konnten.
Lange Speicherung als zusätzlicher Problemfaktor
Nach Darstellung der Behörde wurde der Kontrollverlust dadurch verstärkt, dass Standortdaten länger gespeichert wurden, als für die zugrunde liegenden Zwecke erforderlich war. Die Untersuchung war 2020 eingeleitet worden, nachdem mehrere europäische Verbraucherschutzorganisationen Beschwerden gegen Google eingereicht hatten. Zuständig ist die irische Behörde, weil Google seinen europäischen Sitz in Dublin hat.
Google verweist auf geänderte Praktiken
Ein Sprecher des Unternehmens erklärte, das Verfahren betreffe frühere Praktiken, die inzwischen aktualisiert worden seien. Seit 2019 habe Google seine Verfahren umfassend weiterentwickelt und Werkzeuge eingeführt, mit denen sich Standortdaten einfacher verwalten lassen. Nutzer können demnach einstellen, dass Daten automatisch in Abständen von 3, 18 oder 36 Monaten gelöscht werden.
Mehr Kontrolle über Standort und Werbung
Nach Unternehmensangaben werden Zeitachsendaten inzwischen direkt auf dem Gerät gespeichert. Personalisierte Werbung könne vollständig abgeschaltet werden, der Standort werde nur noch ungefähr gesichert. Außerdem seien alle Informationen zum Umgang mit Standortdaten und zu den Kontoeinstellungen nun an einer zentralen Stelle gebündelt, um die Verwaltung für Nutzer zu erleichtern.
Hohe Strafe als Signal im europäischen Datenschutz
Die Geldbuße von mehr als 400 Millionen Euro gegen Google markiert einen weiteren Meilenstein in der Durchsetzung der europäischen Datenschutz-Grundverordnung. Sie reiht sich ein in eine Serie hoher Strafen gegen große Digitalkonzerne, mit denen Aufsichtsbehörden die Bedeutung von Transparenz und Kontrolle über persönliche Daten unterstreichen. Besonders sensibel gelten Standortdaten, weil sie Bewegungsprofile ermöglichen und Rückschlüsse auf Gewohnheiten, Interessen und mitunter auch Gesundheitszustand zulassen.
Standortdaten als wirtschaftlicher Faktor
Für Unternehmen wie Google sind präzise Standortinformationen ein zentraler Baustein ihres Geschäftsmodells. Sie erlauben zielgenaue Werbung, lokale Dienste und die Verknüpfung mit zahlreichen App-Funktionen. Die irische Entscheidung legt den Schwerpunkt darauf, dass Nutzerinnen und Nutzer klar verstehen müssen, wofür diese Daten eingesetzt werden und wie sie die Verarbeitung steuern können. Der Hinweis der Behörde auf mögliche Unklarheit und Kontrollverlust macht deutlich, dass bloß formale Einwilligungen nicht ausreichen, wenn Nutzeroberflächen komplex oder irreführend gestaltet sind.
Konsequenzen für Nutzer und andere Unternehmen
Für Google-Nutzerinnen und -Nutzer bedeutet der Fall, dass sie ihre Kontoeinstellungen und Standortfreigaben regelmäßig prüfen sollten. Die von Google eingeführten automatischen Löschfristen und Bündelungen der Informationen in einer zentralen Übersicht erleichtern zwar die Verwaltung, ersetzen aber nicht die aktive Entscheidung, welche Daten langfristig vorgehalten werden. Zugleich dürfte das Verfahren Auswirkungen auf andere digitale Dienste haben, die Standortdaten verarbeiten: Sie müssen ihre Gestaltung von Einwilligungen und Datenschutzeinstellungen noch stärker an Verständlichkeit und effektive Kontrolle ausrichten, um ähnliche Verfahren und Geldbußen zu vermeiden.
