Google investiert 15 Milliarden Dollar in Finnland-Rechenzentren
Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 22:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Technologiekonzern Google plant seine bislang größte Investition auf europäischem Boden. Das Unternehmen beabsichtigt, 15 Milliarden US-Dollar (mindestens 13 Milliarden Euro) in den Ausbau seiner Infrastruktur in Finnland zu investieren. Das Großprojekt sieht den Bau von drei neuen Rechenzentren in Kajaani, Muhos und Vaala sowie die Erweiterung des bestehenden Standorts in Hamina vor.
Die Mittel von mindestens 13 Milliarden Euro sind für die Jahre 2027 und 2028 veranschlagt, wobei der Baubeginn für 2027 vorgesehen ist. Das Areal in Hamina befindet sich bereits seit 2009 im Besitz des Konzerns, der dort damals eine ehemalige Papierfabrik übernommen hatte.
Langfristige Strompartnerschaft mit Fortum und erneuerbare Energien
Um die Energieversorgung der energieintensiven Rechenzentren abzusichern, hat Google mit dem finnischen Versorger Fortum einen Stromabnahmevertrag (PPA) mit einer Laufzeit von 22 Jahren für das Kernkraftwerk Loviisa geschlossen. Es handelt sich um Googles erste Strompartnerschaft für Kernenergie außerhalb der Vereinigten Staaten.
Die Vereinbarung sieht ab 2028 zunächst die Abnahme geringerer Kapazitäten vor; zwischen 2030 und 2049 soll das Unternehmen dann bis zu 50 Prozent des in Loviisa erzeugten Stroms beziehen. Fortum plant für das Kraftwerk eine Kapazitätserweiterung um 38 Megawatt im Jahr 2028 mit einer möglichen Aufstockung um weitere 10 Megawatt.
Zudem investiert der Energiekonzern rund eine Milliarde Euro in die Laufzeitverlängerung des Meilers bis 2050, wovon rund 700 Millionen Euro noch offen sind. Das Kernkraftwerk deckt derzeit rund zehn Prozent des finnischen Strombedarfs und beschäftigt circa 580 Mitarbeiter. Nach Bekanntgabe des Kontrakts stieg der Börsenkurs von Fortum um acht Prozent.
Ergänzend zur Kernkraft setzt Google auf Windenergie und sicherte sich über entsprechende Abnahmeverträge 629 Megawatt Leistung aus neuen Onshore-Windprojekten von Valorem und Suomen Hyötytuuli.
Google veranschlagt mindestens 13 Milliarden Euro für vier finnische Rechenzentren und sichert sich den Strom über einen 22-Jahres-Vertrag mit Fortum — bis zu 50 Prozent der Loviisa-Erzeugung zwischen 2030 und 2049. Wer eigene KI-Kapazitäten plant, muss dieselben Fragen beantworten: Standort, Netzanschluss, Bezugsvertrag. Kostenlosen Infrastruktur-Report anfordern
Zur Netzstützung ist bei Kajaani die Errichtung eines Batteriespeichers mit 94 Megawatt Kapazität geplant, der Ende 2027 in Betrieb gehen soll. Für lokale Community-Partnerschaften stellte Google 31 Millionen Euro über einen Zeitraum von vier Jahren in Aussicht.
Beschäftigungseffekte und politische Diskussionen
Google rechnet während der Bauphase mit der Entstehung von über 37.000 Arbeitsplätzen, darunter 16.000 im direkten Baugewerbe. Langfristig werden rund 7.000 Jobs pro Jahr erwartet. Zudem beziffert das Unternehmen den prognostizierten Beitrag zum finnischen Bruttoinlandsprodukt auf 3,6 Milliarden Euro jährlich.
Gleichzeitig wirft der enorme Stromverbrauch der Anlagen Fragen auf. Da die Rechenzentren für Künstliche Intelligenz künftig bis zur Hälfte der Stromproduktion von Loviisa beanspruchen könnten, gibt es Befürchtungen bezüglich möglicher Preissteigerungen für Verbraucher in Finnland und Estland.
Eine finnische Branchenvereinigung der Industrie teilte hingegen mit, dass keine strukturellen Hürden für eine Verdreifachung der heimischen Stromerzeugung bestünden und trotz des Ausbaus von Rechenzentren keine Engpässe zu erwarten seien.
Der Strombedarf der geplanten KI-Rechenzentren könnte bis zur Hälfte der Loviisa-Produktion binden — in Finnland und Estland wächst deshalb die Sorge um künftige Strompreise. Wer jetzt Kapazität einkauft, sollte Laufzeiten, Abnahmeprofile und Preisrisiken vertraglich absichern, bevor die Nachfrage weiter steigt. PPA-Leitfaden jetzt sichern
Auf internationaler Ebene rief das Projekt politische Reaktionen hervor. Am 14. September 2026 forderte Donald Trump auf der Plattform Truth Social den Konzern auf, die Investitionsentscheidung in Finnland zu überdenken. Er führte an, Google wähle den europäischen Standort wegen schwieriger Genehmigungsprozesse in den USA.
Finnlands Premierminister Petteri Orpo wies die geäußerten Bedenken im finnischen Parlament zurück und verwies auf das Vorliegen verbindlicher Verträge und Verpflichtungen. Auch Technologieprofessor Kangasharju von der Universität Helsinki hielt ein Scheitern des Vorhabens für unwahrscheinlich, da das Projekt bereits seit Jahren vorbereitet worden sei.
