Google Earth: KI-Tool nach 48 Stunden wegen Fake-Satellitenbilder entfernt
Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 15:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Google hat sein neues KI-gestütztes Visualisierungstool für Google Earth nach nur 48 Stunden wieder vom Markt genommen. Forscher hatten damit täuschend echte, aber völlig erfundene Satellitenbilder von Konfliktgebieten erzeugt.
Der US-Konzern entfernte die Funktion am 31. Juli 2026, weniger als zwei Tage nach dem weltweiten Start. Das Tool basierte auf dem Bildmodell Nano Banana 2 und sollte eigentlich historische Stätten oder Bauprojekte visualisieren. Doch schon kurz nach der Veröffentlichung am 30. Juli zeigten Sicherheitsexperten und Journalisten, wie sich damit manipulierte Satellitenaufnahmen von Krisenregionen und Wahrzeichen erstellen ließen.
Sicherheitslücken statt Schutzmechanismen
Die Recherchen deckten gravierende Schwachstellen auf. Forscher wie Henk van Ess und Eliot Higgins erzeugten Bilder, die die internen Sicherheitsfilter umgingen. Darunter: eine erfundene Atomanlage im Iran, Flüchtlingslager an der US-mexikanischen Grenze und ein bombardiertes Krankenhaus in Gaza. Weitere Tests produzierten Aufnahmen von russischen Panzern in Kiew, einem eingestürzten Eiffelturm und einem Flugzeugabsturz in Manhattan.
In Singapur generierten lokale Tester problemlos Fake-Szenen am Changi Airport und im Marina Bay Sands – ohne auf irgendwelche Einschränkungen zu stoßen.
Wasserzeichen ließen sich leicht umgehen
Google verteidigte die Technologie zunächst mit dem Hinweis auf SynthID-Wasserzeichen und Filter gegen schädliche Inhalte. Doch mehrere Untersuchungen widerlegten diesen Schutz. Reporter von BBC Verify und der Washington Post zeigten, dass ein einfaches Abfotografieren des Bildschirms oder Screenshots ausreichten, um die Wasserzeichen zu umgehen.
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Auch KI-Erkennungstools versagten. Branchenbeobachter stellten fest, dass selbst Plattformen wie Hive die KI-generierten Satellitenbilder nicht als Fälschungen erkannten. Van Ess berichtete zudem, dass Videoaufnahmen der erzeugten Bilder bestehende KI-Detektoren täuschten – ein weiterer Schlag für die Verifizierbarkeit von Satellitendaten.
Vertrauensverlust mit Folgen
Der Rückzug folgte auf Warnungen des Centre for Information Resilience und weiterer Menschenrechtsorganisationen. Ross Burley, Geschäftsführer des Zentrums, betonte: Jahrzehntelange Arbeit, um Satellitenbilder als verlässliche Wahrheitsquelle zu etablieren, könne durch solche leicht zugänglichen Werkzeuge irreparabel beschädigt werden.
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Google nennt Richtlinienverstöße als Hauptgrund für die Entfernung. Das Unternehmen arbeite an strengeren Schutzmechanismen, bevor ein möglicher Neustart erfolge. Experten wie Nathaniel Raymond und Aravind Ravichandran warnen derweil: Die einfache Bedienbarkeit des Tools biete eine ideale Plattform für die schnelle Verbreitung von Desinformation – ein erhebliches Risiko für internationale Sicherheit und humanitäre Berichterstattung.
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