Google, DeepMind

Google DeepMind verliert Nobelpreisträger an Anthropic und OpenAI

21.06.2026 - 12:17:28 | boerse-global.de

Google DeepMind verliert mit John Jumper und Noam Shazeer zwei Schlüsselfiguren an die Rivalen Anthropic und OpenAI.

DeepMind-Exodus: Nobelpreisträger Jumper wechselt zu Anthropic
Google - Ein Wissenschaftler steht an einem Scheideweg, der zu zwei leuchtenden, futuristischen Stadtlandschaften führt, die KI-Unternehmen repräsentieren. 21.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Google DeepMind verliert einen Nobelpreisträger und weitere Spitzenforscher an die Rivalen Anthropic und OpenAI. Der Wettbewerb um die klügsten Köpfe der Branche eskaliert.

Der Exodus bei Googles KI-Sparte nimmt dramatische Züge an. Nobelpreisträger John Jumper gab am 19. Juni 2026 seinen Abschied bekannt – nach fast neun Jahren verlässt er DeepMind in Richtung Anthropic. Nur zwei Tage zuvor war bereits Noam Shazeer, Co-Leiter der Gemini-Modelle, zu OpenAI gewechselt. Die Abgänge reißen tiefe Lücken in die Führungsriege des Tech-Giganten.

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Jumper wechselt nach AlphaFold-Triumph

John Jumper war als Vizepräsident bei Google DeepMind maßgeblich für das AlphaFold-Projekt verantwortlich. Das KI-System sagte mehr als 200 Millionen Proteinstrukturen vorher und wird von über zwei Millionen Forschern weltweit genutzt. Für diese bahnbrechende Leistung erhielt Jumper 2024 den Nobelpreis für Chemie.

Bei Anthropic trifft er auf ein Team, das massiv aufrüstet. Erst Anfang des Jahres verpflichtete das Unternehmen den KI-Experten Andrej Karpathy und übernahm die Biotech-Firma Coefficient Bio für umgerechnet rund 370 Millionen Euro in Aktien. Am 30. Juni plant Anthropic eine große Wissenschaftsveranstaltung – Jumper dürfte dort eine zentrale Rolle spielen.

Milliardenschwere Abwerbung

Der Fall Noam Shazeer zeigt, wie verbissen der Kampf um Talente tobt. Shazeer war Mitautor des bahnbrechenden Transformer-Forschungspapiers und führte die Entwicklung der Gemini-KI-Modelle an. Google hatte im August 2024 rund 2,5 Milliarden Euro für die Übernahme von Character AI ausgegeben – vor allem, um Shazeer zurückzuholen. Vergeblich. Nun geht er zu OpenAI.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Ingenieure verlassen Google DeepMind im Verhältnis 11:1 zugunsten von Anthropic. Die Bindungskraft der Unternehmen unterscheidet sich erheblich: Anthropic hält 80 Prozent seiner Mitarbeiter über zwei Jahre, DeepMind kommt auf 78 Prozent, OpenAI auf nur 67 Prozent. Auch David Silver, der Kopf hinter AlphaGo, verließ Google kürzlich, um ein eigenes Startup zu gründen.

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Milliardenbewertung und rasantes Wachstum

Während Google Führungskräfte verliert, legen die Konkurrenten kommerziell zu. Anthropic reichte am 1. Juni vertrauliche IPO-Unterlagen ein und strebt eine Bewertung von umgerechnet rund 890 Milliarden Euro an. Die Finanzzahlen sind beeindruckend: Der annualisierte Umsatz stieg von etwa 8,3 Milliarden Euro Ende 2025 auf über 43 Milliarden Euro im Mai 2026.

Auch OpenAI macht Boden gut. Die Codex-Plattform erreichte im Frühjahr 2026 vier Millionen wöchentliche Nutzer. Anthropics Claude Code steuert auf einen Jahresumsatz von knapp zwei Milliarden Euro zu. Google hingegen tut sich schwer, KI-Programmierwerkzeuge an Firmenkunden zu verkaufen.

Bange Blicke auf Gemini 3.5

Intern bereitet man sich bei Google auf die Markteinführung von Gemini 3.5 Pro Ende Juni vor. Insiderberichten zufolge könnte das Modell gegen die aktuellen Angebote der Konkurrenz ins Hintertreffen geraten. Analysten sehen die Ursache in der Größe des Konzerns: Kleinere KI-Entwickler locken mit spezialisierten Rollen und weniger Bürokratie.

Einen Lichtblick gibt es dennoch: Am 1. Juni 2026 offenbarte Berkshire Hathaway eine Milliardeninvestition von umgerechnet rund 9,2 Milliarden Euro in Alphabet. Ein Vertrauensbeweis – doch ob er die abwandernden Spitzenforscher ersetzt, bleibt fraglich.

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