Google AI Overviews: Publisher verlieren 40,2 Prozent ihres Suchtraffics
Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 15:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Google hat damit begonnen, interaktive Werkzeuge direkt in seine KI-gestützten Suchzusammenfassungen, die sogenannten AI Overviews, zu integrieren. Diese Entwicklung verstärkt in der Branche die Sorgen über einen anhaltenden Rückgang des Datenverkehrs für externe Webseiten, insbesondere für sogenannte Utility-Websites und Informationsportale.
Während Google die funktionale Tiefe seiner Suchergebnisse ausbaut, zeigen aktuelle Marktdaten und Studien erhebliche Auswirkungen auf die Klickraten der Publisher.
Sprunghafter Anstieg von Verlinkungen bei sinkendem Gesamttraffic
Analysen von Peec AI belegen eine deutliche Veränderung in der Struktur der AI Overviews. Nachdem der Anteil der Zusammenfassungen mit externen Links zwischen Ende August und dem 10. September 2026 noch nahezu bei 0 % gelegen hatte, stieg dieser Wert nach einem sprunghaften Anstieg um den 11. September auf 26,2 %.
Google selbst hat diese Änderung bei der Einbindung externer Links bisher nicht offiziell bestätigt. Berichten zufolge soll ein Teil dieser Verweise Nutzer direkt in den speziellen AI Mode führen.
Trotz der häufigeren Einblendung von Links zeichnet sich für Publisher ein negativer Trend ab. Laut Daten von Chartbeat sanken die Verweise von Google Search auf Publisher-Seiten im Jahresvergleich um rund 40 %, während der Traffic aus Google Discover um rund 34 % zurückging.
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Eine detaillierte Betrachtung für den Zeitraum von Juli 2025 bis Juli 2026 weist einen Rückgang des Publisher-Traffics aus der Google-Suche um 40,2 % aus, verglichen mit einem Minus von 21,9 % im Vorjahreszeitraum. Auch bei Discover beschleunigte sich der Abwärtstrend von zuvor minus 6,6 % auf 34,3 %.
Studien belegen Rückgang der Klickbereitschaft im AI Mode
Unabhängige Untersuchungen untermauern die Befürchtungen der Seitenbetreiber. In einer Feldstudie mit 1.100 Teilnehmern in den USA wurde die Nutzung des sogenannten AI Mode untersucht.
Bei einer erzwungenen Nutzung dieses Modus verzeichneten Webseiten 18,8 Prozentpunkte weniger Klicks als bei der herkömmlichen Google-Suche. In einer begleitenden Studie aus dem August 2026 sank der Anteil der Nutzer, die Nachrichtenseiten anklickten, bei der Verwendung des AI Mode um 12,5 Prozentpunkte.
Besonders betroffen zeigten sich große Plattformen: Die Klicks auf Reddit sanken im Rahmen des Experiments um 21,2 Prozentpunkte, während Wikipedia einen Rückgang um 9,9 Prozentpunkte verzeichnete. Branchenanalysen auf Basis von Clickstream-Daten verdeutlichen die langfristige Entwicklung.
Demnach enden inzwischen bis zu 73 % der Google-Suchen ohne Klick auf eine externe Website. Zum Vergleich lag dieser sogenannte Zero-Click-Anteil im Jahr 2024 noch bei 58,5 % in den USA und 59,7 % in der Europäischen Union. Marktforscher von Gartner hatten bereits im Jahr 2024 prognostiziert, dass das traditionelle Suchvolumen bis 2026 um bis zu 25 % sinken könnte.
Rechtliche Auseinandersetzungen und regulatorischer Druck
Die zunehmende direkte Beantwortung von Suchanfragen durch KI-Zusammenfassungen führt zu rechtlichen Konsequenzen. Das Unternehmen Chegg hat Klage gegen Google eingereicht und wirft dem Suchmaschinenbetreiber vor, Inhalte direkt in den AI Overviews zu verwerten. Dies führe dazu, dass notwendige Klicks auf Chegg und andere Webseiten ausbleiben.
Gleichzeitig stehen Googles Praktiken unter Beobachtung der Wettbewerbsbehörden. Die EU-Kartellbehörden haben im September 2026 Verlage um Stellungnahmen zu einem Vorschlag von Google gebeten. Dabei geht es um die Möglichkeit, die KI-Suche abzuwählen (Opt-out), ohne dass dadurch das Ranking in der herkömmlichen Suche beeinträchtigt wird.
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Diese Untersuchung könnte bei ungelösten Wettbewerbsbedenken zu weiteren Geldbußen führen. In den vergangenen zwei Jahrzehnten summierten sich die EU-Kartellstrafen gegen Google bereits auf mehr als 10 Mrd. Euro.
In Großbritannien hat die Wettbewerbsbehörde CMA (Competition and Markets Authority) Pflichten für Publisher festgelegt, die ab dem 3. Dezember 2026 greifen sollen. Weitere technische Kontrollen auf Seitenebene sind für März 2027 angekündigt.
Neue Kontrollmöglichkeiten und technische Updates
Google bietet Webseitenbetreibern verschiedene technische Mechanismen an, um die Nutzung ihrer Inhalte für KI zu steuern. Berichten zufolge wird ein „noai“-Metatag vorgeschlagen, mit dem die Verwendung von Inhalten für KI-Training und Zusammenfassungen abgelehnt werden kann, ohne das Ranking zu beeinflussen.
Zudem ermöglicht das „nosnippet“-Attribut, Textvorschauen und die direkte Nutzung in AI Overviews zu unterbinden. Daten des HTTP Archive zeigten jedoch, dass im Jahr 2025 lediglich 0,1 % der untersuchten Websites dieses Attribut nutzten.
Flankierend zu den strukturellen Änderungen in der Suche startete Google am 24. September 2026 um 9:15 Uhr PDT das vierte globale Spam-Update des laufenden Jahres. Der Rollout soll laut Unternehmensangaben bis zu zwei Wochen dauern. Zudem führt die Google Search Console weltweit einen neuen Filter für bildbasierte Suchen ein, der unter anderem Zugriffe über Google Lens und Circle to Search erfasst.
