Glukose-Methode: Experten warnen vor Muskelverlust und Mängeln
Veröffentlicht am: 03.08.2026 um 17:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Tabletten gegen Fettleibigkeit boomen, die Glukose-Methode verspricht Abnehmen ohne Verzicht. Doch der Schein trügt: Experten warnen vor Muskelverlust und Mangelerscheinungen.
Blutzucker-Trick: Reihenfolge statt Kalorienzählen
Die sogenannte Glukose-Methode der Biochemikerin Jessie Inchauspé setzt auf die Reihenfolge der Lebensmittel. Erst Ballaststoffe, dann Fette und Proteine, zuletzt Kohlenhydrate und Zucker. So soll die Glukose langsamer ins Blut gelangen und Spitzen vermeiden.
Kritiker wie Ernährungswissenschaftler Uwe Knop bemängeln die dünne Studienlage. Eine israelische Untersuchung aus dem Jahr 2016 zeigte: Identische Lebensmittel lassen den Blutzucker bei verschiedenen Menschen höchst unterschiedlich ansteigen. Standardisierte Empfehlungen greifen daher nicht für alle.
Der Jo-Jo-Effekt: Wenn der Körper zurückschlägt
Das Abnehmen selbst ist meist der einfachere Teil. Die Stabilisierung des Gewichts scheitert oft am Jo-Jo-Effekt. Professor Jörg Bojunga vom Universitätsklinikum Frankfurt erklärt: Nach einer Reduktionsphase versucht der Körper, das Ausgangsgewicht wiederherzustellen. Der Grundumsatz sinkt.
Eine Studie der University of California untersuchte 1.433 Teilnehmer über vier Jahre. Personen mit instabilem Gewicht verloren 3,7 Prozent Oberschenkelmuskulatur, bei stabil Gewichtigen waren es nur 1 Prozent. Jedes Kilo Muskelmasse erhöht den Grundumsatz um 10 bis 20 Kilokalorien – der Verlust macht das Halten des Gewichts schwer.
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Abnehm-Spritzen: Segen mit Nebenwirkungen
Seit Mitte Juli 2026 ist Semaglutid als Tablette von der EU-Kommission zugelassen. Die Markteinführung in Deutschland folgt im zweiten Halbjahr. Verschrieben wird das Medikament bei einem BMI über 30 – oder ab 27 mit Begleiterkrankungen. In den USA kostet die Therapie 149 bis 299 Dollar monatlich.
Der wirtschaftliche Erfolg der Wirkstoffklasse ist enorm: Mounjaro setzte 2025 über 20 Milliarden Euro um, Wegovy rund 10 Milliarden. Doch Forscher beobachten eine oft extrem niedrige Kalorienaufnahme von durchschnittlich 753 Kilokalorien täglich. Das Risiko für Protein- und Mikronährstoffmangel steigt.
Proteine: Mehr ist nicht immer besser
Proteine sättigen dank ihrer hohen thermischen Wirkung von 20 bis 30 Prozent. Doch die Universität Wisconsin-Madison fand in Übersichtsarbeiten Widersprüchliches: Bei Tieren verlängerte eiweißarme Kost das Leben, beim Menschen verbesserte sich teils der Blutzuckerspiegel. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt 0,8 Gramm Protein pro Kilo Körpergewicht für Erwachsene bis 65 Jahre, danach 1,0 Gramm.
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Soziale Medien feiern derweil Gelatine als natürlichen Appetitzügler. Die Universität Maastricht konnte keinen Beleg für Gewichtsverlust finden. Anders als hormonell wirkende Medikamente bietet Gelatine nur einen kurzen Sättigungseffekt.
Die Fachwelt ist sich einig: Weder Tricks noch Crash-Diäten führen zu nachhaltigem Erfolg. Entscheidend sind individuelle Ansätze, sieben bis neun Stunden Schlaf, Stressabbau und Krafttraining zum Muskelerhalt. Das gilt besonders gegen viszerales Bauchfett – ab 88 Zentimetern Bauchumfang bei Frauen und 102 bei Männern gilt es als gesundheitsgefährdend.
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