Glucosamin, Demenz

Glucosamin und Demenz: Studie findet 25 Prozent höheres Risiko

Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 04:07 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Beobachtungsstudie verknüpft Glucosamin bei kognitiven Beeinträchtigungen mit höherem Demenzrisiko; ein ursächlicher Zusammenhang ist nicht belegt.

Glucosamin und Demenz: Studie findet mögliche Risiken bei Vorerkrankungen
Mikroskopische Aufnahme von neuronalem Gewebe mit Fokus auf synaptische Verbindungen. Illustration mit AI erstellt.

Nahrungsergänzungsmittel wie Glucosamin werden häufig zur Linderung von Gelenkbeschwerden eingenommen. Eine im Fachjournal Nature Metabolism veröffentlichte Forschungsarbeit der University of Florida deutet nun jedoch darauf hin, dass die Substanz bei bestimmten Vorerkrankungen unerwünschte Folgen für das Gehirn haben könnte.

Die Wissenschaftler stellten eine Verbindung zwischen der Einnahme von Glucosamin und einem beschleunigten Fortschreiten von kognitiven Beeinträchtigungen hin zu Demenzerkrankungen fest.

Auffällige Muster in großen Patientendatensätzen

Grundlage der Untersuchung bildete eine computergestützte Auswertung von Patientenakten des Gesundheitssystems UF Health aus den Jahren 2012 bis 2024. Das Team analysierte die Daten von 24.481 Personen mit Alzheimer oder Demenz sowie von 41.884 Betroffenen mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen. In beiden Gruppen nahmen rund 8 Prozent der Patienten Glucosamin ein, was 1.896 beziehungsweise 2.750 Personen entsprach.

Bei den Personen mit bereits vorhandenen leichten kognitiven Beeinträchtigungen zeigte sich eine deutliche statistische Auffälligkeit: Glucosamin-Nutzer wiesen eine um 25 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit auf, eine vollwertige Demenz zu entwickeln.

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Bei Patienten, die bereits an einer Alzheimer-Demenz litten und das Präparat nachweislich über einen Zeitraum von mindestens einem Jahr einnahmen, war die Einnahme zudem mit einem um etwa 25 Prozent höheren Sterberisiko über den zehnjährigen Analysezeitraum verbunden. Bei Personen mit lediglich leichten kognitiven Beeinträchtigungen unterschied sich die Überlebensrate hingegen nicht signifikant.

Biologische Mechanismen im Gehirn

Neben den klinischen Daten analysierte die Forschungsgruppe menschliches Hirngewebe sowie Tiermodelle, um den zugrunde liegenden Prozessen nachzugehen. Glucosamin ist in der Lage, die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden. Im Gehirn verstärkt der Stoff die sogenannte Glykosylierung, bei der Zuckerketten – insbesondere N-Glykane – an Proteine gebunden werden.

In Gehirnen von Alzheimer-Patienten ist dieser Prozess ohnehin überaktiv. Diese Hyperglykosylierung tritt verstärkt in der grauen Substanz bei fortgeschrittenen Krankheitsstadien auf und beeinträchtigt die neuronale Kommunikation.

In Versuchen mit Mäusen führte die Gabe von Glucosamin zu einer Zunahme der Zuckerketten und verschlechterte die Gedächtnisleistung bei Tieren mit einer Alzheimer-ähnlichen Erkrankung. Bei gesunden Tieren blieb dieser Effekt aus.

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Die Bildung von Amyloid-Plaques wurde durch Glucosamin nicht verändert. Wurde die Produktion der Glykane in den Mäusemodellen hingegen gezielt gedrosselt – etwa durch das Ausschalten des Enzyms PGM3 oder den Einsatz des Hemmstoffs NGI-1 –, verbesserte sich das soziale Gedächtnis der Tiere.

Grenzen der Daten und offene Fragen

Die Studienautoren betonen, dass es sich bei den Patientenauswertungen um eine Beobachtungsstudie handelt. Ein kausaler Zusammenhang lasse sich aus den Daten nicht ableiten, da unbekannte Begleitfaktoren das Ergebnis beeinflusst haben könnten.

Um die Effekte abschließend zu bewerten, fordern die Wissenschaftler als nächsten Schritt prospektive, doppelblinde klinische Studien. Zudem raten sie betroffenen Patienten zu einer vorherigen ärztlichen Rücksprache, bevor eigenständig Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden.

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