Glucosamin-Risiko: Beliebtes Gelenk-Mittel erhöht Demenzrisiko um 25%
29.06.2026 - 18:44:34 | boerse-global.de
Eine aktuelle Studie zeigt: Das beliebte Gelenk-Mittel Glucosamin könnte bei bestimmten Personengruppen das Demenzrisiko steigern – um satte 25 Prozent.
Die in „Nature Metabolism“ veröffentlichte Untersuchung wertete Daten von rund 24.000 Alzheimer-Patienten und 42.000 Personen mit leichten kognitiven Einschränkungen aus. Über fünf Jahre hinweg beobachteten die Forscher: Wer bereits unter kognitiven Beeinträchtigungen litt und Glucosamin einnahm, entwickelte deutlich häufiger eine Demenz.
Vorsicht bei bestehenden Problemen
Bei Alzheimer-Patienten, die das Supplement nutzten, lag die Sterblichkeitsrate sogar um 25 Prozent höher. Auch Mausmodelle untermauerten die Ergebnisse: Die Gabe von Glucosamin verschlechterte die Gedächtnisleistung der Tiere.
Als möglichen Mechanismus diskutieren Forscher die sogenannte Hyperglykosylierung. Doch Vorsicht: Es handelt sich um Beobachtungsdaten, nicht um einen direkten Kausalnachweis.
Der Experte Jacob Teitelbaum gibt zu bedenken: Nicht das Supplement selbst könnte schuld sein, sondern der chronische Arthritisschmerz, der die kognitive Leistung beeinträchtigt. Zudem zeigten frühere Studien an gesunden Probanden teilweise sogar ein niedrigeres Demenzrisiko bei Glucosamin-Einnahme.
Boomender Markt für Nahrungsergänzungsmittel
Die neuen Erkenntnisse kommen zu einer Zeit massiven Marktwachstums. 2025 erreichte der deutsche Supplement-Markt ein Volumen von 4,3 Milliarden Euro. 415 Millionen Packungen wurden abgesetzt – ein sprunghafter Anstieg gegenüber 2022 mit 241 Millionen Packungen.
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Allein Magnesium wurde zuletzt 75 Millionen Mal verkauft. Auch Kreatin boomt: Die US-Verkäufe stiegen um 60 Prozent. Allerdings stammen 84 Prozent der Kreatin-Produktion aus China.
Was das Demenzrisiko wirklich beeinflusst
Glucosamin ist nur ein Puzzleteil in der Demenz-Forschung. Deutlich stärkere Risikofaktoren sind andere Medikamente: Anticholinergika erhöhen das Demenzrisiko um 54 Prozent, Protonenpumpenhemmer um 44 Prozent.
Positiv sieht es dagegen bei bestimmten Diabetes-Medikamenten aus: SGLT2-Inhibitoren senken das Alzheimer-Risiko um 43 Prozent, GLP-1-Agonisten um 33 Prozent. Und eine Gürtelrose-Impfung reduziert es immerhin um 24 Prozent.
Soziale Faktoren und Lebensstil
Auch der Geldbeutel spielt eine Rolle: Eine US-Studie mit über 90.000 Teilnehmern zeigte, dass finanzielle Hürden beim Zahnarztbesuch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Demenz erhöhen können.
Gute Nachrichten für Vieltipper: Regelmäßige Computernutzung verlangsamt den kognitiven Abbau um 25 Prozent, so Meta-Analysen.
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Früherkennung wird immer besser
Parallel zur Risikoforschung machen Diagnostik und Therapie Fortschritte. KI-gestützte Netzhaut-Analysen erkennen ein Alzheimer-Risiko im Schnitt 8,55 Jahre vor den ersten Symptomen. Neue Bluttests (pTau217) erreichen eine Genauigkeit von über 90 Prozent – innerhalb von 17 Minuten.
Und ab Juni 2026 startet in Deutschland die Behandlung mit den Antikörpern Lecanemab und Donanemab. Sie richten sich gegen Amyloid-Plaques im Gehirn. Rund 120.000 Patienten könnten von den neuen Therapien profitieren.
