Glucosamin bei MCI: Studie findet 25 Prozent höheres Demenzrisiko
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 11:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Rolle der Ernährung bei der Entstehung und Vorbeugung von Demenzerkrankungen steht zunehmend im Fokus der medizinischen Forschung. In der Fachzeitschrift Nutrients erschien dazu die Übersichtsarbeit „Dietary Patterns, Micronutrient Adequacy, and Metabolic Vulnerability in Alzheimer's Disease: A Critical Narrative Review“.
Zu den Mitautorinnen der wissenschaftlichen Publikation gehören Isidora Sierralta und María Ignacia Pinilla, zwei Studierende der Universidad de O'Higgins (UOH). Die Arbeit analysiert den aktuellen Wissensstand zu Ernährungsmustern, Mikronährstoffen und stoffwechselbedingten Faktoren im Zusammenhang mit der Alzheimer-Krankheit.
Diäten und Mikronährstoffe auf dem Prüfstand
Die Untersuchung widmet sich gezielt den Mechanismen von Insulinresistenz, Entzündungsprozessen und oxidativem Stress sowie der Versorgung mit spezifischen Mikronährstoffen wie den Vitaminen B12, B6, D und Folat.
Den Ergebnissen der Übersichtsarbeit zufolge verfügen insbesondere die mediterrane Ernährung sowie die MIND-Diät über die stärkste Evidenzbasis hinsichtlich eines verringerten Risikos für kognitiven Abbau. Diese Daten stammen jedoch überwiegend aus Beobachtungsstudien. Klinische Studien liefern bislang keinen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass diese Ernährungsformen Alzheimer verhindern können.
Das zentrale Fazit der Autorinnen und Autoren fällt entsprechend nüchtern aus: Weder eine spezifische Diät noch einzelne Nahrungsmittel oder Nahrungsergänzungsmittel können nachweislich für sich allein einer Alzheimer-Demenz vorbeugen.
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Dass Nahrungsergänzungsmittel unter Umständen unerwartete Risiken bergen können, legt parallel eine US-Studie der University of Florida nahe, die im Fachjournal Nature Metabolism erschien.
Eine retrospektive Auswertung von Patientendaten der UF Health-Datenbank aus den Jahren 2012 bis 2024 ergab, dass die Einnahme von Glucosamin bei Personen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung (MCI) mit einem um 25 Prozent höheren Risiko für die Entwicklung einer Demenz einherging.
Bei Patienten, die bereits mit Alzheimer oder einer verwandten Demenz (ADRD) diagnostiziert waren, stieg das Sterberisiko im Untersuchungszeitraum bei Glucosamin-Nutzern ebenfalls um 25 Prozent.
Laborversuche an menschlichem Hirngewebe und gentechnisch veränderten Mäusen zeigten eine toxische, sogenannte Zucker-Tagging-Reaktion im Gehirn. Die Forschungsgruppe betonte jedoch, dass es sich um Beobachtungsdaten handelt und klinische Studien für den Nachweis einer Kausalität erforderlich sind.
Kardiometabolische Einflüsse und Lebensstil
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Der Stellenwert von Stoffwechselfaktoren spiegelt sich auch in internationalen Richtlinien wider. Nach Leitlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom Juli 2026 sind bis zu 45 Prozent des Demenzrisikos mit modifizierbaren Einflussfaktoren verbunden. Dazu zählen neben Bewegungsmangel, Rauchen und schädlichem Alkoholkonsum insbesondere kardiometabolische Erkrankungen wie Bluthochdruck und Diabetes.
Weltweit leben nach Angaben der WHO mehr als 57 Millionen Menschen mit einer Demenz, wobei Alzheimer 60 bis 70 Prozent dieser Fälle ausmacht. Allein in Brasilien schätzt der Nationale Demenzbericht des dortigen Gesundheitsministeriums die Zahl der Betroffenen auf über 1,8 Millionen.
Vor diesem Hintergrund zählt die gezielte Kontrolle von Blutdruck, Cholesterinwerten und Blutzucker zu den zentralen Risikominderungsstrategien der Weltgesundheitsorganisation.
Der Experte Alexandre Duarte hob in diesem Zusammenhang hervor, dass Insulinresistenz oder Typ-2-Diabetes nicht zwangsläufig zu Alzheimer führen, präventive Maßnahmen jedoch bereits lange vor dem 70. Lebensjahr ansetzen müssen.
