Glucosamin, Alzheimer

Glucosamin bei Alzheimer: Studie findet 25 Prozent höheres Sterberisiko

Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 16:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Patientendaten zeigen statistische Verbindungen zwischen Glucosamin-Einnahme und Demenzverlauf; ein ursächlicher Zusammenhang ist nicht belegt.

Glucosamin und Demenz: Studie findet auffällige Zusammenhänge
Mikroskopische Aufnahme von biologischem Gewebe mit komplexen, lichtdurchlässigen Nervenstrukturen in einem Labor. Illustration mit AI erstellt.

Eine wissenschaftliche Untersuchung der University of Florida liefert neue Einblicke in molekulare Mechanismen neurodegenerativer Erkrankungen. Die im Fachjournal Nature Metabolism veröffentlichte Studie identifizierte in Gehirnen von Alzheimer-Patienten eine erhöhte Konzentration sogenannter N-Glykane.

Diese Hyperglykosylierung zeigte sich in späteren Krankheitsstadien besonders stark ausgeprägt und ließ sich zudem in zwei verschiedenen Mausmodellen nachweisen. Zugleich werfen experimentelle Daten und epidemiologische Analysen Fragen zum weit verbreiteten Nahrungsergänzungsmittel Glucosamin auf.

Molekulare Mechanismen und Beobachtungen im Tiermodell

Im Rahmen der tierexperimentellen Versuche untersuchte das Forschungsteam die Auswirkungen von Glucosamin auf die Gehirnfunktion. Bei Mäusen mit einer Alzheimer-ähnlichen Erkrankung führte die Gabe von Glucosamin zu einer Zunahme der Glykane und verschlechterte das Gedächtnis. Bei gesunden Mäusen trat dieser negative Effekt hingegen nicht auf.

Darüber hinaus testeten die Forscher gezielte Interventionen zur Beeinflussung des Glykan-Stoffwechsels. Eine Stilllegung des PGM3-Gens oder der Einsatz des Wirkstoffs NGI-1 verbesserten bei den Tieren die soziale Gedächtnisleistung. Auffallend war dabei, dass keine der untersuchten Maßnahmen Einfluss auf die für Alzheimer typischen Amyloid-Plaques nahm.

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Statistische Auffälligkeiten in Patientendaten

Parallel zu den Laboruntersuchungen wertete das Team reale Gesundheitsakten von Patienten der University of Florida Health aus den Jahren 2012 bis 2024 aus. Im Fokus standen dabei Personen mit Alzheimer oder verwandter Demenzerkrankungen sowie Patienten mit leichter kognitiver Beeinträchtigung.

In beiden untersuchten Patientengruppen waren laut Auswertung jeweils rund 8 % als Glucosamin-Nutzer erfasst. Konkret handelte es sich um 1.896 Personen mit Alzheimer oder verwandter Demenz sowie 2.750 Personen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung.

Die statistische Auswertung ergab für Demenzpatienten mit einer mindestens einjährigen dokumentierten Einnahme von Glucosamin ein etwa 25 % höheres Sterberisiko. Im zehnjährigen Analysezeitraum lag die Sterblichkeit bei Patienten mit Alzheimer und verwandten Demenzen ebenfalls 25 % höher.

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Bei Personen mit bereits bestehender leichter kognitiver Beeinträchtigung war das Fortschreiten zu einer voll ausgeprägten Demenz unter Glucosamin-Nutzern um etwa 25 % wahrscheinlicher. Ein signifikanter Überlebensunterschied zeigte sich in dieser Gruppe mit leichter Beeinträchtigung hingegen nicht.

Einordnung der Ergebnisse und Grenzen der Daten

Die Autoren und Fachleute betonen die methodischen Grenzen der vorliegenden Erkenntnisse. Bei der Auswertung der Gesundheitsakten handelt es sich um eine retrospektive Beobachtungsstudie, die keine Kausalität beweist. Die analysierten Patientendaten erfassten entscheidende Parameter wie die genaue Dosierung, die genutzte Produktmarke oder die tatsächliche Einnahmetreue nicht zuverlässig.

Zudem wurden kognitiv gesunde Menschen in dieser Analyse nicht untersucht. Die gewonnenen Beobachtungsdaten seien daher als Sicherheitssignal und nicht als ursächlicher Nachweis zu verstehen. Um die tatsächlichen Zusammenhänge und potenziellen Risiken einer Glucosamin-Einnahme bei kognitiven Vorerkrankungen verlässlich zu bewerten, fordern die Forscher kontrollierte klinische Studien.

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