GLP-1-Wirkstoffe senken Krebsrisiko adipöser Menschen um 41 Prozent
09.06.2026 - 06:42:27 | boerse-global.de
Aktuelle Studien zeigen vielversprechende Effekte bei chronischen Hauterkrankungen.
Entzündungshemmung unabhängig vom Gewichtsverlust
Inkretinmimetika wie Liraglutid und Semaglutid besitzen offenbar immunmodulatorische Eigenschaften. Eine Übersichtsarbeit von 2026 fasst zusammen: Die Daten zur Psoriasis-Behandlung sind ermutigend, für Psoriasis-Arthritis ist die Evidenz noch begrenzt.
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In einer Studie mit 25 Patienten, die an Psoriasis und Typ-2-Diabetes litten, führten 1,8 mg Liraglutid täglich zu einer deutlichen Reduktion des Psoriasis-Schweregrads. Die Forscher beobachteten zudem eine geringere Expression von Entzündungsmarkern wie IL-17, IL-23 und TNF-?.
Eine weitere Untersuchung mit 31 Patienten unter wöchentlichem Semaglutid zeigte ähnliche Ergebnisse. Neben einem gesunkenen BMI fanden die Ärzte reduzierte Werte für IL-6, CRP und LDL-Cholesterin. Entscheidend: Die klinischen Verbesserungen traten teilweise unabhängig von der Gewichtsabnahme ein.
Der fatale Zusammenhang zwischen Übergewicht und Haut
Der therapeutische Nutzen dieser Medikamentenklasse wird besonders bei Patienten mit Adipositas als hoch eingeschätzt. Eine Studie der Northwestern University in Chicago belegt den Zusammenhang bereits im Kindesalter: Von 409 Probanden zwischen 5 und 17 Jahren wiesen 38 Prozent der Kinder mit Psoriasis eine exzessive Adipositas auf. In der Kontrollgruppe waren es nur 20,5 Prozent.
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Psoriasis-Patienten tragen zudem ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko. Daten des SID Annual Meeting 2026 zeigen: Fast die Hälfte von 585 untersuchten Patienten hatte modifizierbare Risikofaktoren wie Bluthochdruck, erhöhtes Cholesterin oder auffällige HbA1c-Werte. Bei fast 20 Prozent wurden diese Risiken erst durch die Untersuchung entdeckt.
Prävention und neue Wirkstoffkombinationen
Die Effekte gehen über die Haut hinaus. Eine Analyse von 113 Millionen Patientendaten in den „Annals of Oncology“ ergab: GLP-1-Rezeptoragonisten senken bei adipösen Personen ohne Diabetes das Risiko für adipositasbedingte Krebserkrankungen um 41 Prozent. Dabei zeigten sich Unterschiede: Semaglutid reduzierte die Häufigkeit um 20 Prozent, Tirzepatid um 69 Prozent.
Doch es gibt Hürden. Forscher der Stanford University identifizierten genetische Varianten des Enzyms PAM, die bei etwa jedem zehnten Menschen die Wirkung abschwächen können. Gleichzeitig wird an der Minimierung von Nebenwirkungen gearbeitet. Eine Phase-2-Studie testete den Antikörper Apitegromab in Kombination mit Tirzepatid, um den Muskelmasseverlust während der Gewichtsreduktion zu begrenzen.
Die Zukunft gehört Wirkstoffen mit mehrfachen Mechanismen. Retatrutid, das drei Wirkprinzipien vereint, und Zenagamtide (Amycretin) befinden sich bereits in der klinischen Prüfung. Laufende Studien wie TOGETHER-PsA evaluieren zudem die Kombination des IL-17A-Inhibitors Ixekizumab mit Tirzepatid – ein Ansatz, der Hautzustand und Stoffwechsel gleichzeitig verbessern könnte.
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