GLP-1-Wirkstoffe, Roche

GLP-1-Wirkstoffe: Roche und Konkurrenten drängen mit neuen Kombinationen

Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 23:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Zealand Pharma prüft Petrelintid in drei Studien mit rund 7.000 Teilnehmenden, während orale Adipositasmittel und neue Wettbewerber vorankommen.

Zealand Pharma startet Phase-3a-Programm für Petrelintid
Ein steriles, helles klinisches Labor mit wissenschaftlichen Analysegeräten in einer professionellen Forschungsumgebung. Illustration mit AI erstellt.

Im Bereich der medikamentösen Adipositas-Behandlung zeichnet sich eine Erweiterung der therapeutischen Optionen ab. Das dänische Unternehmen Zealand Pharma hat die Einleitung seines registrierenden Phase-3a-Programms namens ZUPREME bekannt gegeben. Im Zentrum steht der Wirkstoff Petrelintid, ein wöchentlich subkutan zu verabreichendes Präparat, das in mehreren großangelegten Studien gegen Placebo-Behandlungen getestet wird.

Das ZUPREME-Programm und die klinische Erprobung

Das ZUPREME-Programm ist auf eine breite Patientenbasis ausgelegt und umfasst insgesamt rund 7.000 Teilnehmer. Es gliedert sich in drei zentrale klinische Studien. Die Studie ZUPREME-3 richtet sich an etwa 3.900 Personen mit einem Body-Mass-Index (BMI) zwischen 27 und 30 bei Vorliegen mindestens einer gewichtsbezogenen Komorbidität oder einem BMI ab 30 ohne Typ-2-Diabetes.

ZUPREME-4 umfasst rund 600 Teilnehmer, bei denen zusätzlich ein Typ-2-Diabetes vorliegt. Die dritte Säule, ZUPREME-5, schließt etwa 2.500 Personen ein, die eine etablierte kardiovaskuläre Erkrankung aufweisen, unabhängig von einer Diabetes-Diagnose.

Als primärer Endpunkt des Programms wurde die prozentuale Änderung des Körpergewichts von der Baseline bis zur Woche 64 definiert. In den Studien ZUPREME-3 und ZUPREME-4 ist eine zwölfwöchige Phase der Dosissteigerung vorgesehen, gefolgt von einer Erhaltungsphase bis zur 64. Woche und einer Nachbeobachtung bis Woche 77. Die Studie ZUPREME-5 ist auf einen Zeitraum von bis zu drei Jahren angelegt.

Frühere Daten aus der Phase-2-Erprobung deuteten laut Unternehmensangaben auf eine zweistellige Gewichtsabnahme hin, wobei die Verträglichkeit des Wirkstoffs weitgehend mit der einer Placebo-Gabe vergleichbar gewesen sei.

Kooperationen und Wettbewerb im Bereich der GLP-1-Inhibitoren

Zealand Pharma führt das Programm in Partnerschaft mit Roche durch. Für die zweite Jahreshälfte 2026 ist zudem eine Kombinationsstudie von Petrelintid mit dem Wirkstoff Enicepatid geplant.

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Roche selbst verfolgt ambitionierte Ziele im Markt für Gewichtshemmer und strebt an, die dritte Position hinter den Marktführern Eli Lilly und Novo Nordisk einzunehmen. Der von Roche entwickelte duale GLP-1/GIP-Rezeptoragonist Enicepatid erreichte in einer Phase-II-Studie seine vorrangigen Ziele.

Bei einer Dosierung von 24 mg sank der HbA1c-Wert nach 48 Wochen im Schnitt um 2,65 Prozentpunkte, während der durchschnittliche Gewichtsverlust bei 15,5 % lag. Ein Phase-III-Programm zur Blutzuckerkontrolle und zu kardiovaskulären Endpunkten plant Roche ab der ersten Jahreshälfte 2027.

Parallel dazu treibt Viking Therapeutics die Entwicklung des GLP-1/GIP-Agonisten VK2735 voran. In einer randomisierten Erhaltungsstudie mit rund 180 Erwachsenen wurde nach 21 Wochen ein dosisabhängiger Gewichtsverlust von 16 % bis 19 % beobachtet.

In der anschließenden Erhaltungsphase konnte bei einer Injektion alle zwei Wochen durchschnittlich 90 % des erreichten Gewichtsverlusts stabil gehalten werden. Die entsprechenden Phase-III-Studien des Unternehmens sind bereits vollständig rekrutiert.

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Fortschritte bei oralen Darreichungsformen

Ein signifikanter Trend in der Branche ist die Entwicklung oral verfügbarer Therapeutika. Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat mit Orforglipron den ersten oralen GLP-1-Rezeptoragonisten zugelassen. Das nicht-peptidische Medikament ist für Erwachsene mit Adipositas oder Übergewicht in Kombination mit mindestens einer Begleiterkrankung vorgesehen.

In der zugrunde liegenden Phase-III-Studie ATTAIN-1 führte eine tägliche Dosis von 36 mg über 72 Wochen zu einem mittleren Gewichtsverlust von 11,2 %. Ein entsprechender Zulassungsantrag wurde bereits bei der europäischen Arzneimittelbehörde EMA eingereicht.

In Deutschland ist seit dem 1. September 2026 die sogenannte Wegovy-Pill auf dem Markt erhältlich. Diese tägliche Tablette mit dem Wirkstoff Semaglutid weist laut Studien eine Wirksamkeit auf, die mit den injizierbaren Varianten vergleichbar ist, und führt zu einer Gewichtsreduktion von durchschnittlich 14 % bis 16 %. Die monatlichen Kosten für Patienten werden in der Anfangsdosierung mit rund 172 Euro angegeben.

Marktdynamik und strategische Neuausrichtung bei Novo Nordisk

Trotz neuer Studienerfolge steht der Branchenprimus Novo Nordisk unter Druck. Das Kombinationspräparat CagriSema zeigte in Spätphasenstudien zwar eine Überlegenheit gegenüber Konkurrenzprodukten wie Tirzepatid in niedriger Dosierung – mit einem Gewichtsverlust von 12,4 % gegenüber 9,1 % –, dennoch verzeichnete die Aktie des Unternehmens zuletzt deutliche Kursrückgänge.

Analysten verweisen auf den bevorstehenden Ablauf von Patenten Anfang der 2030er Jahre und fordern eine stärkere Diversifikation des Portfolios, etwa in den Bereich Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Eine Entscheidung der FDA über den Zulassungsantrag für CagriSema wird für das vierte Quartal 2026 erwartet, wobei Novo Nordisk eine Markteinführung Anfang 2027 anvisiert.

Ergänzend zu den pharmakologischen Entwicklungen liefert die Grundlagenforschung weitere Erkenntnisse. Forscher der Universität Basel untersuchten in einer im Sommer 2026 veröffentlichten Arbeit die Rolle des braunen Fettgewebes.

Während Abnehmmedikamente oft ein Plateau bei der Gewichtsreduktion erreichen, zeigte die Studie, dass eine Stimulation der Beta-2-Rezeptoren zwar den Energieverbrauch steigern kann, jedoch nicht zwangsläufig das braune Fettgewebe zur Glukoseaufnahme aktiviert.

Fachleute wie der Autor Richard Mackenzie weisen zudem in aktuellen Publikationen darauf hin, dass auch bei proteinreicher Ernährung Sättigungseffekte bei dauerhaft hoher Zufuhr nachlassen können, was die Komplexität der Langzeitbehandlung von Adipositas unterstreicht.

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