GLP-1-Wirkstoffe: Herzinfarkt-Risiko sinkt um 20 Prozent
16.06.2026 - 23:26:38 | boerse-global.de
Der Ausschuss der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) sprach Ende Mai 2026 eine Empfehlung für eine hochdosierte Semaglutid-Tablette zur Gewichtsreduktion aus. In den Zulassungsstudien erreichten die Teilnehmer eine durchschnittliche Gewichtsreduktion von rund 16 Prozent. Damit rücken orale Alternativen zu den bisher üblichen Spritzen in den Fokus.
Wettbewerb um die Pille wird international
Der Hersteller Novo Nordisk strebt zeitnah eine Zulassung für eine orale Version von Wegovy in China an. Das Patent für Semaglutid war dort im März 2026 ausgelaufen. Parallel prüft die Schweizer Heilmittelbehörde Swissmedic derzeit zwei Zulassungsgesuche für entsprechende GLP-1-Präparate.
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Auf einer Fachtagung in New Orleans wurden im Juni 2026 Ergebnisse zu neuen Wirkstoffen präsentiert. Elecoglipron zeigte in einer Studie mit über 400 Erwachsenen: Rund 90 Prozent der Probanden erreichten in der höchsten Dosierung ihre Blutzuckerziele. 72 Prozent verloren mindestens fünf Prozent ihres Körpergewichts.
Mehr als nur Gewichtsverlust: Herz und Brust profitieren
Die klinische Relevanz von GLP-1-Präparaten geht weit über die Gewichtsreduktion hinaus. Eine Untersuchung mit mehr als 17.000 Herzkranken belegte: Das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle sank um etwa 20 Prozent. Eine Beobachtungsstudie der University of Pennsylvania an über 111.000 Frauen deutet zudem auf ein um rund 30 Prozent niedrigeres Brustkrebsrisiko hin. Eine kausale Schutzwirkung muss allerdings noch durch klinische Studien bestätigt werden.
Auch in der Pädiatrie gewinnen die Wirkstoffe an Bedeutung. Die aktualisierte S3-Leitlinie vom Juni 2026 empfiehlt GLP-1-Rezeptoragonisten nun für Jugendliche ab 12 Jahren mit schwerem Übergewicht. Voraussetzung: Nach sechs Monaten Lebensstilintervention wurde keine ausreichende BMI-Senkung erzielt.
Schattenseiten: Muskelabbau und Jojo-Effekt
Trotz der Erfolge weisen Experten auf erhebliche Risiken hin. 25 bis 40 Prozent des verlorenen Gewichts entfallen auf fettfreie Körpermasse – also Muskeln. Gefordert wird daher die Koppelung der Medikation an Krafttraining und proteinreiche Ernährung. Der Antikörper Apitegromab wird derzeit in einer Phase-2-Studie getestet: Er soll den durch Inkretinmimetika induzierten Muskelabbau begrenzen.
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Nach dem Absetzen der Medikamente kehrt das verlorene Gewicht häufig zurück. Eine Langzeitstudie der Ben-Gurion-Universität und der Universität Leipzig zeigte jedoch: Selbst bei späterer Gewichtszunahme senkt eine dauerhafte Reduktion des viszeralen Fetts das Risiko für Typ-2-Diabetes langfristig.
Kostenexplosion: Krankenkassen ziehen die Bremse
Die Präparate belasten die Gesundheitssysteme zunehmend. In der Schweiz beliefen sich die Kosten für Semaglutid-Präparate im Jahr 2025 auf rund 200 Millionen Franken. Der Branchenverband Prioswiss kritisiert eine teilweise zu rasche Verschreibungspraxis.
Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat die Vergütung daher an strikte Bedingungen geknüpft: einen BMI von mindestens 35 oder einen BMI von 28 bei gleichzeitigen Begleiterkrankungen. Eine Erfolgskontrolle ist vorgeschrieben. Für 2027 wird in der Schweiz ein prämienrelevanter Anstieg der Gesundheitskosten prognostiziert – teilweise zurückzuführen auf diese neue Medikamentenklasse.
