GLP-1-Spritze, Antikörper

GLP-1-Spritze: Antikörper schützt Muskelmasse bei Gewichtsverlust

12.06.2026 - 06:33:16 | boerse-global.de

Studie zeigt Antikörper gegen Muskelverlust bei GLP-1-Therapie. Genetik und neue Wirkstoffe beeinflussen Behandlungserfolg.

Abnehmspritzen: Neue Forschung zu Muskelschutz und Wirkung
GLP-1-Spritze - Nahaufnahme einer Spritze in einem Labor, die medizinische Forschung und Behandlung von Adipositas symbolisiert. 12.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Rund 550.000 Menschen in Deutschland nutzen GLP-1-Präparate zur Gewichtsreduktion. Die Forschung konzentriert sich zunehmend auf Nebenwirkungen und individuelle Therapieerfolge.

Antikörper schützt Muskelmasse

Ein zentraler Kritikpunkt an Abnehmspritzen ist der Verlust von Muskelmasse. Eine Phase-2-Studie in „Nature Medicine“ zeigt nun einen möglichen Ausweg. Der Antikörper Apitegromab blockiert das Protein Myostatin und bremst den Muskelschwund.

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Die 24-wöchige Untersuchung mit 102 Teilnehmern testete den Wirkstoff in Kombination mit Tirzepatid. Ergebnis: Die Placebogruppe verlor 3,5 Kilogramm Magermasse, die Apitegromab-Gruppe nur 1,6 Kilogramm. Der Anteil der Magermasse am Gesamtgewichtsverlust sank von über 30 auf knapp 15 Prozent. Der gesamte Gewichtsverlust blieb mit 11 bis 12 Kilogramm vergleichbar.

Allerdings fehlt bislang der Nachweis gesteigerter Muskelkraft oder Leistungsfähigkeit. Hier besteht weiterer Forschungsbedarf.

Warum die Spritze bei manchen nicht wirkt

Nicht jeder Patient spricht auf die Behandlung an. Zwischen 10 und 30 Prozent gelten als Non-Responder. Eine Analyse der NYU Langone Health mit über 38.000 Patienten ergab einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von nur 5,7 Prozent – weit unter den Höchstwerten klinischer Studien.

Forscher der Stanford University fanden eine mögliche Ursache. Jeder zehnte Mensch trägt Genvarianten des Enzyms PAM, die die Wirkung von GLP-1-Präparaten abschwächen. Nach sechs Monaten erreichten 25 Prozent der Patienten ohne diese Variante ihre Blutzuckerziele – bei Trägern der Genvariante waren es nur 12 Prozent.

Auch Unterschiede im Mikrobiom und Anwendungsfehler spielen eine Rolle.

Neue Wirkstoffe auf dem Vormarsch

Auf der ADA-Jahrestagung 2026 in New Orleans präsentierten Forscher vielversprechende Kandidaten. Boehringer Ingelheim und Zealand Pharma stellten Phase-3-Ergebnisse zu Survodutid vor. Der Wirkstoff erzielte nach 76 Wochen einen Gewichtsverlust von bis zu 16,6 Prozent und senkte das Leberfett um über 63 Prozent. Allerdings brachen 19 Prozent der Patienten wegen Magen-Darm-Nebenwirkungen ab.

Roche treibt derweil Enicepatid voran. In vorangegangenen Studien zeigte die Substanz eine Gewichtsreduktion von bis zu 22,7 Prozent über 48 Wochen. Phase-3-Studien wurden eingeleitet.

Eli Lillys Triple-Agonist Retatrutid ermöglichte Gewichtsverluste von bis zu 20 Prozent innerhalb von 48 Wochen. Zealand Pharma plant zudem für das zweite Halbjahr 2026 Phase-3-Studien für Petrelintid. Dieses Amylin-Analogon fiel in frühen Phasen durch eine geringe Abbruchrate von nur 1,5 Prozent auf.

Schnell abnehmen – aber nachhaltig?

Eine norwegische Studie mit 284 Erwachsenen stellte die gängige Lehrmeinung infrage. Schneller Gewichtsverlust durch sehr kalorienarme Ernährung führte nach einem Jahr zu einem Rückgang von 14,4 Prozent – moderate Diät erreichte nur 10,5 Prozent.

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Die langfristige Gewichtshaltung bleibt jedoch eine Herausforderung. Viele Patienten kehren nach dem Absetzen der Medikation zum Ausgangsgewicht zurück. Langzeitstudien über fünf Jahre zeigen zudem eine Abbruchquote von etwa 17 Prozent aufgrund von Unverträglichkeiten.

Branchenexperten rechnen trotzdem mit einem Marktvolumen von über 100 Milliarden US-Dollar bis 2030.

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