GLP-1-Medikamente, Tirzepatid

GLP-1-Medikamente: Tirzepatid senkt Krebsrisiko um 69 Prozent

11.06.2026 - 08:26:04 | boerse-global.de

Studie zeigt 41 Prozent geringeres Krebsrisiko durch GLP-1-Medikamente. Tirzepatid übertrifft Semaglutid mit 69 Prozent Risikoreduktion.

GLP-1-Agonisten senken Krebsrisiko: Neue ASCO-Daten überraschen
GLP-1-Medikamente - Wissenschaftler in einem Labor untersuchen medizinische Daten und Reagenzgläser, umgeben von modernster Forschungsausrüstung. 11.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Auf der aktuellen ASCO-Tagung in Chicago präsentierten Forscher am 9. Juni Daten einer Untersuchung mit rund 230.000 adipösen Erwachsenen ohne Diabetes. Das Ergebnis: Das allgemeine Krebsrisiko sank unter GLP-1-Agonisten um 41 Prozent – im Vergleich zu Diäten oder Bewegung.

Doch die Wirkung unterscheidet sich je nach Wirkstoff erheblich. Während Semaglutid eine Risikoreduktion von 20 Prozent erzielte, lag Tirzepatid bei beeindruckenden 69 Prozent. Besonders stark fiel der Rückgang beim Multiplen Myelom sowie bei Bauchspeicheldrüsen- und Gebärmutterkrebs aus – hier jeweils rund 60 Prozent.

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Krebsschutz bei sechs von sieben Tumorarten

Weitere Daten von über 10.000 Patienten untermauern den Trend. Bei sechs von sieben untersuchten Krebsarten sank das Risiko signifikant – darunter Brust-, Leber-, Darm- und Lungenkrebs. Ein besonders markantes Beispiel: Bei Lungenkrebspatienten unter GLP-1-Therapie erreichten nur 10 Prozent das Stadium IV. In der Vergleichsgruppe ohne das Medikament waren es 22,3 Prozent.

Auch Frauen profitieren deutlich. Bei Patientinnen zwischen 45 und 80 Jahren reduzierte sich das Brustkrebsrisiko um 30 Prozent. Die Fachleute warnen jedoch: Es handelt sich um Beobachtungsdaten. Sie zeigen eine Korrelation, aber noch keinen direkten Beweis für Kausalität.

Orale Wirkstoffe erobern den Markt

Die pharmazeutische Industrie treibt parallel die Entwicklung neuer Darreichungsformen voran. AstraZeneca präsentierte Anfang Juni Ergebnisse zu Elecoglipron – einem oralen GLP-1-Rezeptoragonisten. In einer Phase-IIb-Studie erreichten Probanden innerhalb von 26 Wochen einen Gewichtsverlust von 10,5 Prozent. Bei Typ-2-Diabetikern sank der HbA1c-Wert um 1,9 Prozentpunkte.

Der Markt für solche oralen Präparate boomt. Laut Branchenprognosen wächst er von 3,2 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 auf voraussichtlich 34,3 Milliarden US-Dollar bis 2031.

Neue Hoffnung bei Bauchspeicheldrüsenkrebs

Neben den Antidiabetika gab es Fortschritte in der direkten Krebstherapie. Die RASolute-302-Studie zum Pan-RAS-Inhibitor Daraxonrasib verdoppelte bei fortgeschrittenem Bauchspeicheldrüsenkrebs die progressionsfreie Überlebenszeit im Vergleich zur Standard-Chemotherapie.

Ein weiterer vielversprechender Ansatz: Das Medikament GRWD5769 hemmt das Enzym ERAP1. Dadurch sollen Tumore für das Immunsystem wieder erkennbar werden. In einer Phase-1-Studie mit 83 Patienten führte dies bei einem Teil zu Tumorschrumpfung oder Krankheitsstabilisierung.

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Muskelerhalt: Entwarnung bei GLP-1-Therapie

Ein häufiger Kritikpunkt bei GLP-1-Agonisten ist der mögliche Verlust von Muskelmasse. Eine am 9. Juni in Cell Reports Medicine veröffentlichte Studie gibt hierzu Entwarnung. Der Gewichtsverlust geht demnach primär zulasten von Fett- und Lebermasse – die Muskelkraft bleibt erhalten. Daten aus Wien bestätigen: Bei über 70 Prozent der Teilnehmer blieb die relative Skelettmuskelmasse stabil oder stieg sogar an.

DiGA in der Kritik

Im Bereich der digitalen Gesundheitsversorgung hagelt es hingegen Kritik. Der aktuelle Bericht des GKV-Spitzenverbandes zu Digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) moniert Defizite bei der Preisregulierung und der wissenschaftlichen Evidenz. Experten fordern striktere Regeln für Zulassung und Vergütung.

Passend dazu wies das Landessozialgericht Potsdam am 10. Juni die Klage eines Herstellers gegen einen Schiedsspruch zur Vergütung ab. Die Richter betonten den weiten Spielraum der zuständigen Schiedsstelle.

Zwei aktuelle Metaanalysen fassen die Debatte zusammen. Sie untersuchen detailliert, in welchen Fällen Antidiabetika karzinogene oder protektive Eigenschaften aufweisen. Klar ist: Die Mechanismen hinter der beobachteten Risikoreduktion – etwa durch Entzündungshemmung oder Einflüsse auf das Immunsystem – sind noch nicht vollständig verstanden. Weitere Forschung bleibt notwendig.

de | wissenschaft | 69518987 |