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GLP-1-Medikamente: Hunderte Patienten verklagen Novo Nordisk und Eli Lilly

Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 16:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Novo Nordisk und Eli Lilly weisen Vorwürfe zurück, während US-Behörden den möglichen Zusammenhang zwischen GLP-1 und NAION prüfen.

GLP-1-Klagen in den USA: Streit um Warnungen vor Sehverlust
Ein steriler Untersuchungsraum in einer Augenarztpraxis mit medizinischen Diagnosegeräten ohne Personen. Illustration mit AI erstellt.

Die pharmazeutische Industrie sieht sich in den USA einer wachsenden Zahl von Klagen gegenüber, die einen Zusammenhang zwischen der Anwendung von GLP-1-Rezeptoragonisten und schwerwiegenden Augenerkrankungen nahelegen.

Im Zentrum der juristischen Auseinandersetzungen stehen die Konzerne Novo Nordisk und Eli Lilly. Patienten werfen den Herstellern vor, nicht ausreichend vor dem Risiko eines dauerhaften Sehverlusts durch die Anwendung von Präparaten wie Ozempic, Wegovy, Mounjaro und Zepbound gewarnt zu haben.

Vorwurf unzureichender Warnhinweise bei Sehnervschädigung

Die in verschiedenen US-Bundesstaaten sowie vor Bundesgerichten anhängigen Klagen konzentrieren sich auf die nicht-arteriitische anteriore ischämische Optikusneuropathie (NAION). Dabei handelt es sich um eine Erkrankung, bei der der Blutfluss zum Sehnerv verringert wird, was zu plötzlicher und meist permanenter Blindheit führen kann. Eine spezifische Behandlung für diesen Zustand existiert bislang nicht.

In Boston wurden bereits Tausende Klagen gegen die Hersteller eingereicht. Die Kläger behaupten, Novo Nordisk und Eli Lilly hätten um die Gefahr dieser Nebenwirkung gewusst, diese jedoch nicht in die Warnhinweise für ihre Diabetes- und Abnehmmedikamente aufgenommen. Ein prominenter Fall wird aus Charlotte berichtet, wo ein Patient nach fast einjähriger Anwendung einer GLP-1-Injektion zur Regulierung seines Blutzuckerwertes das Augenlicht verlor.

Die Kanzlei Weitz & Luxenberg hat laut Berichten seit 2025 mehr als 90 Klagen im Namen von Betroffenen gegen Novo Nordisk vor einem Gericht in New Jersey eingereicht. Weitere Verfahren gegen Eli Lilly im Zusammenhang mit dem Medikament Zepbound sind in Philadelphia anhängig.

Position der Hersteller und aktuelle Forschungslage

Die betroffenen Pharmaunternehmen weisen die Vorwürfe zurück. Novo Nordisk betonte in Stellungnahmen, dass die eigene Forschung sowie eine Analyse von Daten aus randomisierten kontrollierten Studien kein erhöhtes Risiko für NAION ergeben hätten.

Das Unternehmen halte die Klagen für unbegründet und werde sich energisch verteidigen. Eli Lilly erklärte, dass die Patientensicherheit oberste Priorität habe und man die Daten zu möglichen Augenproblemen fortlaufend prüfe. Beide Konzerne verweisen darauf, dass ein kausaler Zusammenhang bisher nicht wissenschaftlich bewiesen sei.

Ein erstes mögliches Sicherheitssignal wurde im Jahr 2024 durch ein Gesundheitszentrum in Boston gemeldet. Beobachtungsstudien deuten zwar auf ein potenziell erhöhtes Risiko bei Nutzern von Semaglutid hin, die Beweislage gilt jedoch als nicht schlüssig.

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In den USA verklagen Hunderte Patienten die Hersteller von Ozempic, Wegovy, Mounjaro und Zepbound — der Vorwurf: unzureichende Warnungen vor einer seltenen Sehnerv-Erkrankung, die zu plötzlichem, meist dauerhaftem Sehverlust führen kann. In Europa, Großbritannien, Japan und Australien gibt es bereits entsprechende Warnhinweise, in den USA prüft die FDA noch. Unser kostenloser Leitfaden zeigt Ihnen, welche Symptome Sie ernst nehmen sollten und welche Augenuntersuchung Fachgesellschaften vor dem Therapiebeginn empfehlen. Kostenlosen GLP-1-Augen-Leitfaden jetzt anfordern

Eine Untersuchung mit über 159.000 Teilnehmern, die an Typ-2-Diabetes erkrankt sind, verzeichnete 35 NAION-Fälle in der GLP-1-Gruppe gegenüber 19 Fällen in der Vergleichsgruppe. Zudem wurde bei 93 Patienten ein erhöhtes Risiko für andere Sehnervenerkrankungen festgestellt.

Die American Optometric Association empfahl bereits im vergangenen Jahr eine Augenuntersuchung vor Beginn einer GLP-1-Therapie, da NAION oft sechs bis 18 Monate nach Behandlungsstart auftrete.

Diskrepanzen in der internationalen Zulassungspraxis

Während die US-Arzneimittelbehörde FDA NAION derzeit nicht als verpflichtendes Risiko auf den Etiketten vorschreibt, ist die regulatorische Lage in anderen Regionen bereits weiter fortgeschritten.

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) stellte im Juni letzten Jahres fest, dass NAION eine sehr seltene Nebenwirkung von Semaglutid sei, und empfahl entsprechende Warnhinweise. Laut EMA-Schätzungen könnte möglicherweise einer von 10.000 GLP-1-Nutzern mit Diabetes betroffen sein.

Länder wie Großbritannien, Japan, Australien, Kanada und Neuseeland haben sich dieser Einschätzung angeschlossen und führen Warnungen auf den Beipackzetteln. In den USA läuft derzeit ein Review der Sentinel-Initiative der FDA. Die Behörde untersucht den Zusammenhang seit Ende 2024, hat jedoch noch keine abschließende Entscheidung über eine Kennzeichnungspflicht getroffen.

Wirtschaftliche Dimension und Entschädigungen

Trotz der rechtlichen Risiken bleibt die wirtschaftliche Bedeutung der Medikamentenklasse enorm. Analysten prognostizieren, dass der globale GLP-1-Markt in den nächsten zehn Jahren jährlich 100 Mrd. US-Dollar überschreiten könnte. Für das erste Halbjahr des laufenden Jahres meldete Eli Lilly für die Präparate Mounjaro und Zepbound einen gemeinsamen Umsatz von 27,693 Mrd. US-Dollar. Allein Mounjaro erzielte im zweiten Quartal 9,943 Mrd. US-Dollar.

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Eine seltene Sehnerv-Erkrankung kann laut Fachgesellschaften oft erst sechs bis 18 Monate nach dem Start einer GLP-1-Therapie auftreten — viele Betroffene erfahren erst dann von diesem Risiko. Die Europäische Arzneimittel-Agentur stufte sie als sehr seltene Nebenwirkung ein und empfahl Warnhinweise; in den USA ist das bislang nicht verpflichtend. Unser Leitfaden fasst die wichtigsten Warnzeichen zusammen und erklärt, welche Fragen Sie Ihrem Arzt vor dem nächsten Rezept stellen sollten. Leitfaden zu NAION-Warnzeichen jetzt sichern

In Dänemark wurden unterdessen bereits Entschädigungen gezahlt. Die Danish Patient Compensation Association zahlte über 1,5 Mio. USD an 27 Patienten nach der Anwendung von Ozempic oder Wegovy aus. Weitere 38 Fälle befinden sich dort derzeit in der Prüfung.

Fachärzte raten Patienten trotz der laufenden Verfahren davon ab, verordnete GLP-1-Medikamente ohne Rücksprache abzusetzen, da der Nutzen bei Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und schwerer Adipositas medizinisch belegt sei.

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