GLP-1-Kombination: Myostatin-Blocker reduziert Muskelverlust um 55%
11.06.2026 - 15:32:50 | boerse-global.de
Doch herkömmliche GLP-1-Präparate haben einen Haken: Bis zu 40 Prozent des verlorenen Gewichts stammen aus Muskulatur. Eine aktuelle Studie zeigt jetzt einen vielversprechenden Ausweg.
Myostatin-Blocker reduziert Muskelverlust um 55 Prozent
Die im Juni im Fachjournal Nature Medicine veröffentlichte EMBRAZE-Studie untersuchte eine Kombination aus dem Myostatin-Inhibitor Apitegromab und dem Wirkstoff Tirzepatid. 102 Erwachsene mit Adipositas nahmen teil, das Durchschnittsalter lag bei 43 Jahren.
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Über 24 Wochen erhielt eine Gruppe Apitegromab plus Tirzepatid, die andere ein Placebo plus Tirzepatid. Der Gewichtsverlust war mit rund 11 bis 12 Kilogramm in beiden Gruppen nahezu identisch. Der entscheidende Unterschied: Die Apitegromab-Gruppe verlor durchschnittlich 1,6 Kilogramm Magermasse, die Placebo-Gruppe dagegen 3,5 Kilogramm. Das entspricht einer Reduktion des Muskelverlusts um 55 Prozent.
Fettabbau statt Muskelschwund
Die Zusammensetzung des Gewichtsverlusts verschob sich deutlich. In der behandelten Gruppe bestand der Verlust zu 85 Prozent aus Fettgewebe, in der Kontrollgruppe nur zu 70 Prozent. Trotz des besseren Muskelerhalts ließen sich nach 24 Wochen keine signifikanten Vorteile bei Muskelkraft oder körperlicher Leistungsfähigkeit nachweisen.
Fachleute der Charité betonen, dass unklar sei, ob die erhaltene Magermasse langfristig in besserer Muskelfunktion resultiert. Die Studie gilt als Proof-of-Concept – die Probandenzahl war gering, der Zeitraum kurz. Die Verträglichkeit war gut: Schwerwiegende Nebenwirkungen traten in beiden Gruppen bei etwa zwei Prozent der Teilnehmer auf.
Genetik beeinflusst Wirkung von Abnehm-Spritzen
Neben Kombinationstherapien rückt auch die individuelle Wirksamkeit von GLP-1-Präparaten in den Fokus. Eine im Frühjahr 2026 in Genome Medicine veröffentlichte Studie der Stanford University zeigt: Genetische Varianten können die Reaktion auf Semaglutid beeinflussen.
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Konkret geht es um das Enzym PAM. Bei etwa zehn Prozent der Bevölkerung finden sich Varianten, die die Wirkung abschwächen. Träger dieser Merkmale erreichten nach sechs Monaten seltener ihre Blutzuckerziele als die Vergleichsgruppe (12 gegenüber 25 Prozent). Die Forscher diskutieren eine mögliche genetisch bedingte Resistenz – ein starkes Argument für personalisierte Behandlungsansätze.
Klassische Methoden bleiben Goldstandard
Trotz aller Fortschritte bei medikamentösen Kombinationen betonen Fachleute: Gezielte Proteinzufuhr und regelmäßiges Krafttraining sind beim medikamentös unterstützten Abnehmen weiterhin essenziell. Zudem warnt die FDA vor ungeprüften Nachahmerprodukten – sie sind kein Ersatz für zugelassene Therapeutika und bergen erhebliche Sicherheitsrisiken.
