GLP-1-Fehlgebrauch: In 90 Prozent der Fälle war die Dosis zu hoch
Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 23:11 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle Medienberichte thematisieren vermehrt gesundheitliche Zwischenfälle sowie die fortgesetzte Anwendung von GLP-1-Medikamenten zur Gewichtsreduktion, selbst wenn Komplikationen wie schwere Magen-Darm-Probleme auftreten.
Während die Nachfrage nach den wirkstoffbasierten Therapien weltweit hoch bleibt, rücken pharmakologische Überwachungsdaten und juristische Auseinandersetzungen das Nebenwirkungsprofil der Substanzklasse verstärkt in den Fokus.
Behördliche Erkenntnisse zu Nebenwirkungen und Fehlgebrauch
Ein am 7. Oktober 2026 vorgelegter Pharmakovigilanz-Bericht der französischen Arzneimittelbehörde ANSM für den Zeitraum von Februar 2025 bis Januar 2026 dokumentiert die Sicherheitslage bei über 840.000 GLP-1-Patienten in Frankreich. In dieser Spanne wurden 2.801 unerwünschte Wirkungen erfasst, von denen 515 als schwer eingestuft wurden; zudem gab es 13 Todesfälle.
Die Behörde stellte einen möglichen Zusammenhang mit zwei tödlich verlaufenen akuten Pankreatitiden sowie einem Fall von Bauchspeicheldrüsenkrebs fest. Bei Patienten unter Metformin wurden zwei Todesfälle registriert, die möglicherweise auf Dehydratation oder Laktatazidose zurückzuführen waren.
Besondere Aufmerksamkeit widmet der Bericht dem fehlerhaften Gebrauch. Bei 36 registrierten Fällen von Mésusage – darunter 17 schwere Verläufe und fünf Fälle akuter Pankreatitis – handelte es sich überwiegend um junge Frauen.
Zwei Drittel der Betroffenen bezogen die Präparate außerhalb offizieller Versorgungswege. In 90 Prozent dieser Fälle war die Dosierung zu hoch angesetzt oder wurde zu schnell gesteigert.
Als weitere Risikofaktoren nennt die ANSM Augenschäden, Erkrankungen von Gallenblase und Leber, zerebrovaskuläre Ereignisse, Erektionsstörungen sowie Wechselwirkungen mit Antikoagulanzien und eine potenzielle Wirkungsabschwächung von Kontrazeptiva. Bei bestimmungsgemäßer Einnahme stuft die Behörde das Nutzen-Risiko-Verhältnis der Medikamente jedoch weiterhin als günstig ein.
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Juristische Verfahren und Meldungen in den USA
In den Vereinigten Staaten beschäftigen die gesundheitlichen Folgen zunehmend die Gerichte. Nach der Einnahme von Ozempic erblindete der US-Bürger Todd Engel in den Jahren 2023 und 2024 an der nicht-arteriitischen anterioren ischämischen Optikusneuropathie (NAION) und reichte Klage gegen Novo Nordisk ein.
Auf Bundesebene bestehen zwei große Sammelklagen: 247 Kläger führen Augenschäden durch NAION an, während über 4.000 Kläger schwere Magen-Darm-Erkrankungen wie Pankreatitis oder Gallensteine geltend machen.
Die Datenbank der US-Arzneimittelbehörde FDA verzeichnet seit 2024 rund 2.000 Fälle von Pankreatitis und etwa 1.000 Berichte über Optikusneuropathie im Rahmen von fast 190.000 freiwillig gemeldeten, ungeprüften Ereignissen.
Der Hersteller Novo Nordisk hob hervor, dass NAION in klinischen Studien extrem selten aufgetreten sei und die FDA keine Ergänzung der Warnhinweise verlangt habe. Einer Umfrage des Instituts Gallup zufolge nimmt mehr als jeder zehnte US-Bürger GLP-1-Medikamente zur Gewichtsreduktion ein.
Klinische Studien und Vorbehalte in der Bevölkerung
Auch in klinischen Untersuchungen zeigen sich gastrointestinale Begleiterscheinungen. In der STEP-UP-Studie zu Wegovy mit 1.407 Teilnehmern über 72 Wochen betrug die Inzidenz unerwünschter Ereignisse unter einer Dosis von 7,2 mg 87,5 Prozent, verglichen mit 84,1 Prozent bei 2,4 mg und 77,6 Prozent in der Placebogruppe.
Die Abbruchrate infolge von Magen-Darm-Beschwerden lag bei Adipositas-Patienten unter dreifacher Standarddosis Semaglutid bei 3 Prozent, bei Patienten mit Typ-2-Diabetes bei 6 Prozent.
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In der Bevölkerung treffen die Präparate trotz der Popularität auf Skepsis. Eine Umfrage von ANTENNE BAYERN, durchgeführt vom 27. Juli bis zum 22. August 2026 unter 1.000 Personen ab 14 Jahren, ergab, dass 85 Prozent der Befragten eine kostenlose Nutzung ablehnen und lediglich 12 Prozent dazu bereit wären. 26 Prozent begründeten ihre Ablehnung mit medizinischen Bedenken, während 59 Prozent keinen Bedarf sahen. Bei Frauen lag der Anteil mit gesundheitlichen Bedenken bei 31 Prozent, bei Männern bei 22 Prozent.
