Glow Coffee: Dermatologen widersprechen Kollagen-Versprechen
Veröffentlicht am: 01.07.2026 um 20:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die mit Kollagen angereicherten Kaffeegetränke erobern den Massenmarkt. Während die Umsätze explodieren, warnen Mediziner vor überzogenen Versprechen.
Ehrmann und Glow25 starten Partnerschaft
Die Ehrmann SE und das Startup Glow25 bringen gemeinsam einen trinkfertigen Kollagen-Kaffee in den Handel. Ab Anfang August 2026 soll „Glow To Go Coffee“ in den Sorten Caramel und Caffé Latte in den Regalen stehen.
Jede 250-Milliliter-Flasche enthält 15 Gramm Rinderkollagen. Der Preis liegt bei 2,99 Euro. Der Vertrieb läuft über REWE, Edeka, Kaufland, Budni, Müller und Online-Plattformen.
Glow25 gilt bereits als umsatzstärkste Marke bei Haut-, Haar- und Nagelpräparaten. Eine Marktanalyse bestätigte die Position Ende April 2026.
Milliardenmarkt mit rasantem Wachstum
Die Zahlen sprechen für sich. Glow25 steigerte den Umsatz von 35 Millionen Euro (2022) auf geschätzte 130 Millionen Euro (2025). Auch Ehrmann legte zu: 1,2 Milliarden Euro Gesamtumsatz im Jahr 2025.
Global soll der Kollagenmarkt von 11,7 Milliarden US-Dollar (2025) auf 30 Milliarden US-Dollar (2034) wachsen. Das prognostiziert Fortune Business Insights. Der Zulieferer Gelita stellt bereits vermehrt auf Kollagenlösungen um.
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Doch der allgemeine Kaffeemarkt steht unter Druck. Discounter senkten zum 1. Juli 2026 die Preise für Eigenmarken dauerhaft.
Mediziner zweifeln an der Wirkung
Trotz des Erfolgs: Die Wissenschaft ist skeptisch. Anfang Juli 2026 äußerten Dermatologen und Ernährungsmediziner deutliche Kritik. Ein direkter Zusammenhang zwischen Kollagen-Einnahme und besserer Haut sei nicht belegt.
Eine Studienübersicht von 2025 zeigt: Kollagen-Präparate können Hautalterung weder vorbeugen noch behandeln.
Die Kritikpunkte im Überblick:
- Kollagenpeptide verteilen sich im ganzen Körper – nicht gezielt in der Haut.
- Der Körper zerlegt Kollagen bei der Verdauung in Aminosäuren. Ein Transport in die Hautzellen ist nicht garantiert.
- Ärzte empfehlen stattdessen ausgewogene Ernährung und Sonnenschutz.
- Auch gegen Arthrose oder Knorpelschäden hilft Kollagen nicht – Orthopäden sehen keine Belege.
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Einige Mediziner räumen ein: Kollagen könnte indirekt über das Darmmikrobiom wirken. Den beworbenen „Glow-Effekt“ bestätigt das nicht.
Grundlagenforschung entdeckt neue Kollagen-Struktur
Während der Markt boomt, liefert die Forschung neue Erkenntnisse. Eine Studie im Journal of Cell Biology zeigt: Intrazelluläres Kollagen liegt in flüssiger Kondensform vor – nicht als starre Faser, wie lange angenommen.
Das Protein TANGO1 verankert die Tröpfchen an den Exportstellen der Zelle. Die sogenannte Flüssigextrusions-Hypothese beschreibt, wie Kollagen die Zelle durch Kapillarkräfte verlässt.
Die Entdeckung könnte künftig bei der Therapie von Fibrosen oder Tumoren helfen. Für den aktuellen Konsumtrend hat sie jedoch keine direkte Bedeutung.
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