Glioblastom, Immuntherapie

Glioblastom: Immuntherapie vor OP wirkt deutlich besser

Veröffentlicht am: 03.09.2026 um 02:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Genfer Forschung zeigt bei Mäusen stärkere Tumorkontrolle durch CAR-T-Zellen vor der Operation; eine Phase-1-Studie ist für 2027 vorgesehen.

UNIGE und HUG: CAR-T-Zellen wirken vor Glioblastom-OP besser
Ein hochmoderner steriler Operationssaal mit einem chirurgischen Mikroskop vor einem Operationstisch. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Forschungsergebnisse der Universität Genf (UNIGE) und der Genfer Universitätsspitäler (HUG) liefern neue Erkenntnisse zur Behandlung von Glioblastomen. Eine Untersuchung an Mausmodellen, deren Ergebnisse Anfang September 2026 bekannt wurden, deutet darauf hin, dass der Zeitpunkt einer Immuntherapie mit CAR-T-Zellen entscheidend für den Heilungserfolg sein könnte.

Demnach erweist sich eine Verabreichung der modifizierten Immunzellen vor einem chirurgischen Eingriff als signifikant wirksamer im Vergleich zu einer postoperativen Anwendung.

Einfluss des Operationszeitpunkts auf den Therapieerfolg

Die in der Fachzeitschrift Nature Communications publizierte Studie untersuchte die Effektivität von GD2-CAR-T-Zellen bei der Bekämpfung von Hirntumoren. In den Versuchen erzielte die präoperative Gabe dieser Zellen eine beispiellose Tumorkontrolle. Im Gegensatz dazu zeigte sich bei der herkömmlichen Vorgehensweise, bei der die Immuntherapie erst nach der operativen Entfernung des Tumorgewebes erfolgt, eine deutlich geringere Wirkung.

Die Forscher führen dieses Phänomen auf die biologischen Reaktionen des Körpers unmittelbar nach einer Operation zurück. Der chirurgische Eingriff löse einen spezifischen Reparaturprozess im Gehirngewebe aus.

Dieser Prozess führt laut den Studienergebnissen zu einer Erhöhung des sogenannten TREM2-Proteins. Dieses Protein wiederum bewirkt, dass der im Gehirn verbleibende Tumor eine höhere Widerstandsfähigkeit gegen die körpereigene Immunabwehr sowie gegen die therapeutisch zugeführten CAR-T-Zellen entwickelt.

Mechanismen der Tumorresistenz durch das TREM2-Protein

Die Identifizierung von TREM2 als Schlüsselfaktor für die postoperative Resistenzbildung markiert einen wesentlichen Fortschritt im Verständnis der Tumorbiologie. Da die Operation das Mikromilieu des Tumors verändert, erschweren die dadurch ausgelösten zellulären Mechanismen den Erfolg einer nachgelagerten Immuntherapie.

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Um diese Barriere zu überwinden, testeten die Wissenschaftler der UNIGE und des HUG eine kombinierte Strategie. Durch die zusätzliche Gabe von TREM2-CAR-T-Zellen in Verbindung mit den ursprünglichen GD2-CAR-T-Zellen konnte das Überleben der Versuchstiere weiter verlängert werden. Dieser kombinierte Ansatz zielt darauf ab, sowohl die Tumorzellen direkt anzugreifen als auch die durch den Heilungsprozess induzierten Schutzmechanismen des Tumors zu neutralisieren.

Validierung und klinische Perspektiven

Die an Mausmodellen gewonnenen Daten wurden von den Forschungsteams bereits in menschlichem Tumorgewebe bestätigt. Dies unterstreicht die potenzielle Relevanz der Ergebnisse für die klinische Praxis beim Menschen. Das Glioblastom gilt als eine der aggressivsten Formen von Hirntumoren, bei der herkömmliche Behandlungsmethoden oft an Grenzen stoßen.

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Basierend auf diesen Erkenntnissen ist für das Jahr 2027 eine klinische Phase-1-Studie geplant. In diesem Rahmen soll untersucht werden, inwieweit sich die präoperative Immuntherapie sicher und effektiv auf menschliche Patienten übertragen lässt.

Experten sehen in der Neugestaltung der Behandlungssequenz – also der Immuntherapie als erstem Schritt vor der Resektion – einen möglichen Paradigmenwechsel in der Neuroonkologie. Die Analyse der Genfer Forscher legt nahe, dass die Nutzung des intakten Tumormilieus vor einem Eingriff die Schlagkraft genetisch veränderter T-Zellen erheblich steigern kann.

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