GKV-Reform, Zuzahlungen

GKV-Reform: Zuzahlungen steigen auf 15 Euro, Homöopathie fällt weg

16.06.2026 - 11:23:54 | boerse-global.de

Die Bundesregierung plant ein milliardenschweres Sparpaket für die gesetzliche Krankenversicherung. Ab 2027 drohen höhere Beiträge und geringere Leistungen.

GKV-Sparpaket: Milliardenentlastung und höhere Beiträge ab 2027
GKV-Reform - Eine verwitterte Bauernhand hält ein kleines Modell eines Bauernhauses. Im Hintergrund sind unscharfe Finanzdokumente zu sehen. 16.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Ab 2027 sollen die Kassen um mindestens 16,3 Milliarden Euro entlastet werden. Grund ist ein drohendes Defizit von bis zu 19 Milliarden Euro im Jahr 2027 – und bis zu 40 Milliarden Euro im Jahr 2030.

Beitragsfreie Mitversicherung fällt weg – das sind die Kosten

Ein Kernpunkt der Reform: Die beitragsfreie Mitversicherung für nicht erwerbstätige Ehepartner soll ab Januar 2028 abgeschafft werden. Stattdessen wird ein Beitragszuschlag von 2,5 Prozent des Bruttoeinkommens fällig. Das bringt den Kassen jährlich rund 2,8 Milliarden Euro.

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Was bedeutet das konkret? Bei 3.000 Euro Bruttoeinkommen kommen monatlich 75 Euro dazu, bei 4.000 Euro sind es 100 Euro, bei 6.000 Euro rund 150 Euro. Kinder bleiben beitragsfrei versichert. Ausnahmen gibt es für Partner, die Kinder unter sieben Jahren erziehen, behinderte Kinder betreuen, Angehörige pflegen oder bereits im Rentenalter sind.

Der Bundesrat fordert Mitte Juni 2026 Nachbesserungen. Besonders für Partner ab 55 Jahren und mitarbeitende Ehepartner in landwirtschaftlichen Familienbetrieben sollen Sonderregelungen her. Sonst drohen soziale Härten und eine Gefährdung der Betriebsstrukturen.

Landwirtschaft trifft es besonders hart

Die Landwirtschaftliche Krankenkasse (LKK) und die gesamte Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) stehen vor großen Herausforderungen. Der Bundesrat warnt vor steigenden Beiträgen – angetrieben durch die geplante Anhebung des Zusatzbeitrags und der Beitragsbemessungsgrenze.

Kritik gibt es auch an der geplanten Deckelung der Verwaltungskosten in der LKK. Experten befürchten, dass Präventionsmaßnahmen und Unterstützungsangebote auf der Strecke bleiben. Besonders problematisch: Die Änderungen bei der Familienversicherung treffen den Agrarsektor überproportional. Frauen in familiengeführten Betrieben sind oft über die beitragsfreie Mitversicherung abgesichert.

Höhere Beiträge, weniger Leistungen ab 2027

Die Reform bringt ab 2027 eine Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze um 300 Euro. Spitzenverdiener zahlen dann bis zu 1.383 Euro pro Monat – 122 Euro mehr als bisher. Gleichzeitig sinkt der Bundeszuschuss auf 12,5 Milliarden Euro.

Auch bei den Leistungen wird gespart:

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  • Medikamente: Zuzahlungen steigen auf 7,50 Euro beziehungsweise 15 Euro.
  • Physiotherapie: Eine Pauschale von 15 Euro wird fällig.
  • Zahnersatz: Der Kassenanteil sinkt um zehn Prozent.
  • Homöopathie und Cannabis: Die Erstattung wird gestrichen.
  • Krankengeld: Wer eine Teilrente von mindestens zwei Dritteln der Vollrente bezieht, hat ab 2027 keinen Anspruch mehr. Das spart jährlich 30 bis 36 Millionen Euro.

Abstimmung Ende Juni – Nachbesserungen gefordert

Der Bundestag stimmt am 26. Juni 2026 über das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz ab. Bis dahin fordern Politiker aus Nordrhein-Westfalen und Bayern weitere Änderungen. Sie verlangen etwa die Einbeziehung von Beamten-Ehepartnern in die Beitragspflicht oder einen stärkeren Ausgleich des Bundes für die Gesundheitskosten von Bürgergeldempfängern. Ob die Reform in dieser Form durchkommt, ist noch offen.

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