GitHub Copilot: Microsoft führt AI Credits ein – Kosten steigen bis zu 50-fach
02.06.2026 - 14:55:56 | boerse-global.de
Seit dem 1. Juni 2026 berechnet Microsoft die Nutzung seines KI-Assistenten GitHub Copilot nach einem völlig neuen Modell – mit drastischen Folgen für Vielnutzer.
Das bisherige request-basierte System wurde durch sogenannte „AI Credits" ersetzt. Ein Credit kostet einen Cent. Während einfache Code-Vervollständigungen weiterhin kostenlos bleiben, greifen komplexe Anfragen und agentische Workflows nun tief in das monatliche Guthaben. Das neue Preismodell hat bei Entwicklern sofort Empörung ausgelöst.
Neue Stufen, neue Kosten
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Der bisherige Pro-Tarif für zehn Euro monatlich enthält nun 1.500 Credits – nominal ein Gegenwert von 15 Euro. Der Pro+-Tarif für 39 Euro bietet 7.000 Credits. Neu ist die Spitzenstufe „Copilot Max": 20.000 Credits für 100 Euro pro Monat.
Geschäftskunden erhalten bis August 2026 vorübergehend zusätzliche Credits im Wert von 30 beziehungsweise 70 Euro, um den Umstieg abzufedern. GitHub hat zudem neue Budget-Tools eingeführt, mit denen Unternehmen individuelle Ausgabelimits pro Nutzer festlegen können. Wer sein monatliches Kontingent aufgebraucht hat, kann nicht mehr auf günstigere Modelle ausweichen – es sei denn, er genehmigt zusätzliche Ausgaben.
Während der Umstellung hat GitHub zudem vorübergehend die Neuanmeldungen für alle kostenpflichtigen Tarife gestoppt.
Kostensteigerung um das Zehn- bis Fünfzigfache
Die Umstellung trifft vor allem Power-User hart. Berichten zufolge steigen die Kosten für Vielnutzer um das Zehn- bis Fünfzigfache. Ein einziger komplexer Prompt verbrauchte in einem dokumentierten Fall 171 Credits. Ein anderer Entwickler berichtete, dass ein einzelner Commit 5.000 Credits kostete.
Selbst einfache Anfragen schlagen zu Buche: Die Bitte um ein Minesweeper-Spiel schlug mit 94 Credits zu Buche. Nutzer des Pro+-Tarifs stellten fest, dass eine einzige Anfrage 16 Prozent ihres monatlichen 7.000-Credit-Kontingents verbrauchte. Andere sahen innerhalb von zwei Stunden acht Prozent ihres Guthabens verschwinden.
Für einzelne Power-User steigen die monatlichen Kosten von bisherigen Pauschalbeträgen auf geschätzte 750 bis 3.000 Euro.
Entwickler suchen Alternativen
Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Viele Entwickler kündigen an, zu Alternativen zu wechseln. Plattformen wie OpenRouter, RooCode und LM Studio werden als Ersatz genannt. Einige Nutzer haben bereits Deepseek in VSCode integriert – mit deutlich niedrigeren Kosten von etwa sieben Cent pro 15 Millionen Tokens.
Der Zeitpunkt könnte für Microsoft kaum ungünstiger sein. Der Markt für KI-Coding-Tools soll laut Prognosen von Mordor Intelligence von 9,3 Milliarden Euro im Jahr 2026 auf 30 Milliarden Euro bis 2031 wachsen. Die Konkurrenz schläft nicht: Google hat kürzlich seine Modelle Antigravity 2.0 und Gemini 3.5 Flash vorgestellt. Und am 2. Juni 2026 veröffentlichte Anthropic sein Claude Opus 4.7, das aktuell die Benchmarks für agentisches Codieren anführt.
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Anthropic, das kürzlich einen vertraulichen Börsengang mit einer Bewertung von 965 Milliarden Euro beantragt hat, hält an seiner Preisstruktur fest: fünf Euro pro Million Input-Tokens, 25 Euro pro Million Output-Tokens.
Technische Pannen zum Start
Der Start des neuen Abrechnungssystems verlief alles andere als reibungslos. Am 1. Juni meldeten Nutzer auf Monitoring-Diensten technische Störungen. Microsoft verweist auf die aktualisierte Dokumentation und die neuen Budget-Kontrollen. Branchenbeobachter erwarten, dass der Konzern auf seiner bevorstehenden Build-Konferenz ein günstigeres Coding-Modell speziell für Copilot ankündigen wird – wohl auch, um die Wogen zu glätten.
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