GitHub-Angriff: Hacker-Gruppe TeamPCP infiltriert 3.800 Repositories
Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 04:44 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Cybersicherheitslage im Bereich der Software-Lieferketten hat sich massiv verschärft. Nach aktuellen Erkenntnissen vom 9. September 2026 hat die Hacking-Gruppe TeamPCP rund 3.800 GitHub-Repositories kompromittiert. Damit erreicht die Gruppe nahezu die von ihr selbst behauptete Zahl von 4.000 infiltrierten Speichern.
In den vergangenen Monaten wurden im Zuge dieser Kampagne 20 gezielte Supply-Chain-Angriffe identifiziert. Dabei verseuchten die Akteure über 500 Software-Titel mit Malware und manipulierten mehr als 1.000 verschiedene Code-Versionen innerhalb des Open-Source-Ökosystems.
Autonome Angriffe und KI-gestützte Werkzeuge
Sicherheitsanalysten von Google Threat Intelligence beobachten, dass KI-Codierungswerkzeuge zunehmend in das Visier von Angreifern geraten. Die auch unter der Bezeichnung UNC6780 operierende Gruppe TeamPCP hat demnach nicht nur GitHub, sondern auch zentrale Plattformen wie PyPI, npm und Docker Hub kompromittiert.
Ein besonderes Merkmal dieser Angriffswelle ist der Einsatz autonomer Multi-Agenten-Frameworks. Diese ermöglichen es, komplexe Angriffe zum massenhaften Diebstahl von Zugangsdaten in weniger als sechs Stunden vollautomatisch durchzuführen.
Ein von den Angreifern genutztes Framework namens „Recon“ verwaltete dabei nach Angaben von IT-Sicherheitsexperten über 23.800 sogenannte Secrets. Während vollautonome Angriffe in der Breite noch nicht weit verbreitet sind, zeigt dieser Fall die wachsende Effizienz finanziell motivierter Akteure.
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Branchenbeobachter von Mandiant melden zudem einen Anstieg von Erpressungsversuchen, bei denen durch KI gewonnene Daten wie Quellcodes und Forschungsmodelle als Druckmittel eingesetzt werden. Besonders betroffen sind Unternehmen aus den Bereichen Technologie, Gesundheit, Pharma und Medien in Nordamerika und Europa.
Rückkehr bekannter Schadsoftware in Paket-Registries
Parallel zu den Aktivitäten von TeamPCP verzeichnete die Branche Anfang September die Rückkehr des sogenannten Shai-Hulud-Wurms. Am 7. September 2026 wurden vier bösartige Pakete innerhalb einer Stunde auf der Plattform npm veröffentlicht.
Bemerkenswert ist dabei, dass die Malware byte-identisch mit einer Version aus dem Mai 2026 war. Trotz der seit Juli 2026 implementierten Scan-Verfahren bei der Veröffentlichung erkannte das System den bekannten Hash-Wert nicht.
Die Schadsoftware war zuvor 111 Tage inaktiv. In früheren Kampagnen wurden über 600 bösartige Versionen im Ökosystem verbreitet. Die aktuelle Variante zielt darauf ab, Daten über eine externe Domain zu exfiltrieren und sich dauerhaft in den Konfigurationsdateien von Entwicklungsumgebungen wie Visual Studio Code festzusetzen.
Steigende Risiken durch Schwachstellen im Code
Die Untersuchung kompromittierter Repositories durch Sicherheitsteams offenbart das Ausmaß der Gefährdung. Innerhalb von nur zwei Tagen wurden über 100 kritische Schwachstellen in gestohlenen Codes identifiziert, was zur Zuweisung von 12 neuen CVE-Kennungen führte. Experten warnen, dass das Zeitfenster zum Patchen bekannter Lücken auf wenige Stunden zusammengeschrumpft ist.
Zusätzlich zu den Angriffen auf Repositories kam es Ende August zu einem Hijack der Coder-Registry. Angreifer schleusten dabei eigene Server in den Pool eines Cloud-Dienstleisters ein und verbreiteten manipulierte Terraform-Module, um Zugangsdaten zu entwenden.
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Auch spezialisierte Netzwerkkomponenten sind betroffen: Anfang September wurde ein Linux-Rootkit namens „PoisonedRefresh“ bekannt, das eine kritische Sicherheitslücke mit einem CVSS-Wert von 9.8 ausnutzt. Diese Malware agiert ausschließlich im Arbeitsspeicher und umgeht damit klassische forensische Methoden, die auf Festplattenanalysen basieren.
Angesichts der zunehmenden Professionalisierung der Angreifer weisen Juristen auf die kommenden Meldepflichten im Rahmen des EU Cyber Resilience Act hin, die ab Mitte September 2026 greifen. Zudem bereiten staatliche Stellen wie das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) bereits Ausschreibungen für Software-Stücklisten im Bereich der Künstlichen Intelligenz (SBOM4AI) vor, um die Transparenz in der Lieferkette zu erhöhen.
