Gicht, Ernährung

Gicht und Ernährung: Alkohol ist mit 81 Prozent höherem Risiko verbunden

Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 11:35 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Studien verbinden Alkohol und Süßgetränke mit höheren Gichtrisiken; Gemüse und fettarme Milchprodukte gelten als verträgliche Optionen.
Frisches Gemüse und ein Glas Wasser auf einem Holztisch bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Der Zusammenhang zwischen Ernährungsgewohnheiten, Harnsäurewerten und dem Auftreten akuter Gichtanfälle steht im Fokus medizinischer Fachbeiträge. Gicht gilt als entzündliche Arthritis, die durch die Ablagerung von Harnsäurekristallen in den Gelenken ausgelöst wird, wobei am häufigsten das Großzehengrundgelenk betroffen ist.

Die biologische Ursache bildet eine Hyperurikämie. Diese entsteht, wenn der Körper beim Abbau von Purinen zu viel Harnsäure produziert oder die Nieren zu wenig davon ausscheiden.

Symptome und Risikofaktoren der Hyperurikämie

Zu den typischen Symptomen eines Schubs zählen plötzlich einsetzende Gelenkschmerzen, Schwellungen, Rötungen sowie eine stark eingeschränkte Beweglichkeit. Die Anfälle treten häufig zur Nachtzeit auf und können über eine Dauer von einer bis drei Wochen anhalten. Von allen Personen mit erhöhten Harnsäurewerten entwickeln schätzungsweise 15 Prozent tatsächlich eine Gicht.

In den USA sind nach ärztlichen Angaben etwa 4 bis 5 Prozent der erwachsenen Bevölkerung betroffen. Neben einer erblichen Vorbelastung zählen Nierenerkrankungen, Adipositas, erhöhte Cholesterinwerte sowie Bluthochdruck zu den relevanten Risikofaktoren. Zudem können bestimmte Medikamente wie Diuretika, Aspirin und Immunsuppressiva Rückfälle begünstigen.

Lebensmittel auf dem Prüfstand

Beim Blick auf die Ernährungsgewohnheiten raten Fachleute zur Vorsicht bei bestimmten Purinquellen. Als bedenklich eingestuft werden Innereien wie Leber, Blutwurst, Niere und Bries, aber auch fettreiche Fische wie Hering, Makrele, Sardinen, Sardellen, Anchovis sowie Fischrogen, rotes Fleisch und Meeresfrüchte.

Ebenfalls zu meiden sind Fruchtsäfte und mit Fruktose gesüßte Getränke sowie Alkohol, wobei Bier besonders viele Purine enthält und auch alkoholfreie Varianten das Risiko erhöhen können.

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Eine Meta-Analyse von 52 Studien in der Fachzeitschrift Frontiers in Nutrition ergab, dass Alkoholkonsum statistisch mit einem um 81 Prozent höheren Gichtrisiko und einem um 52 Prozent höheren Hyperurikämie-Risiko assoziiert war.

Zuckerhaltige Getränke erhöhten die Risiken um 37 Prozent beziehungsweise 48 Prozent. Im Gegensatz dazu ging Kaffeekonsum mit einem um etwa 46 Prozent niedrigeren Gichtrisiko einher, mit einer Tendenz zu stärkeren Rückgängen bei höherem Konsum.

Bei Frauen zeigte sich beim Teekonsum eine Assoziation mit einem um etwa 29 Prozent erhöhten Hyperurikämie-Risiko, was laut den Forschern jedoch weiterer Bestätigung bedarf. Bei den Daten handelt es sich um statistische Assoziationen, nicht um Kausalitätsnachweise.

Schon eine Studie aus dem Jahr 2004 unter der Leitung von Choi, an der 47.150 Männer über zwölf Jahre teilnahmen, belegte, dass ein hoher verzehr von Fleisch und Meeresfrüchten mit einer höheren Gichterkrankungsrate einherging, während Milchprodukte mit einem geringeren Risiko verbunden waren.

Auch neuere Veröffentlichungen, unter anderem im European Journal of Rheumatology und in Annals of the Rheumatic Diseases, relativieren alte Verbote: Purinreiches Gemüse wie Spargel, Blumenkohl, Pilze, Spinat, Erbsen oder Bohnen beeinflusst die Harnsäure kaum und bleibt auch in größeren Portionen unproblematisch. Fettarme Milchprodukte können den Ausbruch verzögern, während Sauerkirschsaft allein als Maßnahme oft nicht ausreicht.

Empfehlungen zu Bewegung, Gewichtsverlust und Therapie

Fachleute raten zu einer ausgewogenen Kost mit reichlich Gemüse und moderaten Fleisch-, Geflügel- oder Fischportionen von 100 bis 125 Gramm. Da langes Sitzen den Grundumsatz verringert, eine Insulinresistenz begünstigt und die renale Harnsäureausscheidung hemmt, wird empfohlen, alle 40 bis 60 Minuten für 5 bis 10 Minuten aufzustehen und sich zu bewegen.

Bei Übergewicht sollte die Gewichtsreduktion behutsam erfolgen. Mediziner warnen davor, zu schnell abzunehmen: Eine zu radikale Kalorienrestriktion und extremes Fasten führen zur Bildung von Ketonkörpern, welche die Harnsäuresenkung über die Nieren hemmen und Gichtanfälle provozieren können.

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Angestrebt werden sollte ein Gewichtsverlust von 0,5 bis 1 Kilogramm pro Woche bei einer Flüssigkeitszufuhr von mindestens 3000 Millilitern täglich, sofern keine Herz- oder Nierenleiden eine Einschränkung erfordern.

Reichen Lebensstilmaßnahmen bei wiederkehrenden Anfällen nicht aus, kommen medikamentöse Therapien zum Einsatz. Bei akuten Schüben wird Colchicin viermal täglich angewendet.

Zur langfristigen Harnsäuresenkung dienen Präparate wie Allopurinol oder Febuxostat, wobei Allopurinol nicht im akuten Anfall, sondern frühestens zwei Tage nach dessen Abklingen begonnen wird. Als medizinisches Ziel gilt dauerhaft ein Harnsäurewert von unter 360 Mikromol pro Liter.

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