Gewürze und Tee: Foodwatch-Test zeigt massive Pestizid-Belastung
19.06.2026 - 06:30:48 | boerse-global.de
Das zeigt ein aktueller Test der Organisation Foodwatch vom 18. Juni.
Die Umweltschützer untersuchten 64 Produkte aus Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Österreich. Ergebnis: 45 Proben – rund zwei Drittel – enthielten Pestizide, die in der EU gar nicht zugelassen sind.
Chili-Mix mit 22 verschiedenen Pestiziden
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Besonders krass fiel die Belastung bei Paprika, Chili und Kreuzkümmel aus. Ein Chili-Mix der Eigenmarke Rewe wies Rückstände von 22 verschiedenen Pestiziden auf – sieben davon sind in der EU verboten. Allein der Wirkstoff Chlorfenapyr überschritt den Grenzwert um das 61-Fache.
Noch extremer: Bei Kreuzkümmel-Produkten von Lidl Kania, Fuchs (Edeka) und Albert Heijn fanden die Tester massive Überschreitungen. Das Mittel Flamprop lag in einer Probe des niederländischen Händlers Albert Heijn 387-fach über dem Grenzwert.
Auch Tees sind stark betroffen: 13 von 14 untersuchten Grün- und Weißtees waren belastet. Fast die Hälfte der Reisprodukte fiel ebenfalls durch.
Warnsystem schlägt Alarm
Das europäische Schnellwarnsystem RASFF meldete im Mai 2026 problematische Importe aus Ägypten. In Obst- und Gemüseerzeugnissen fanden Kontrolleure fünf verbotene Wirkstoffe – darunter Dimethoat, Chlorpyrifos und Imidacloprid.
Neben Pestiziden bleiben auch natürliche Toxine ein Thema. Mitte Juni rief die barefood way GmbH verschiedene Hafer- und Proteinriegel der Marke bae zurück. Grund: Aflatoxin-Nachweis in einem Rohstoff. Betroffen sind Chargen mit Haltbarkeitsdaten bis Herbst 2026.
Österreich: Pestizid-Verkauf steigt rasant
Eine parlamentarische Anfrage an das österreichische Landwirtschaftsministerium belegt den Trend: Der Absatz von PFAS-Pestiziden stieg 2025 um 31 Prozent auf 136,1 Tonnen. Seit 2015 entspricht das einem Plus von 54 Prozent.
Auch Glyphosat legte zu: 368,6 Tonnen wurden verkauft – ein deutlicher Anstieg gegenüber rund 289,7 Tonnen im Jahr 2024.
Die Umweltschutzorganisation Global 2000 reagierte am 18. Juni mit einer Klage gegen die Industriegruppe Pflanzenschutz (IGP) am Handelsgericht Wien. Streitpunkt: die Darstellung von Wirkstoffeigenschaften und deren Auswirkungen.
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Neue Regeln für Gewässer und Gentechnik
In der Schweiz stimmte der Nationalrat am 18. Juni einer Motion zu, die Grenzwerte für Pestizide in Oberflächengewässern lockert. Künftig gilt ein Grenzwert erst dann als wiederholt überschritten, wenn dies in mindestens 20 Prozent der untersuchten Gewässer innerhalb von zwei aus fünf Jahren der Fall ist. Kritiker sehen den Gewässerschutz geschwächt.
Das EU-Parlament verabschiedete am 17. Juni neue Regeln für Pflanzen aus neuen genomischen Techniken (NGT). Für NGT1-Pflanzen mit weniger als 20 genetischen Eingriffen soll ab Mitte 2028 die Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel entfallen. Strengere Regeln gelten weiterhin für NGT2-Pflanzen mit artfremden Genen. Patente auf solches Saatgut sind künftig zulässig, im Öko-Landbau bleibt der Einsatz verboten.
