Gewürz-Kombinationen: Chili und Minze steigern Entzündungshemmung um ein Vielfaches
Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 12:46 Uhr | Redaktion boerse-global.dePflanzliche Wirkstoffe rücken in der ernährungswissenschaftlichen Forschung zunehmend in den Fokus, insbesondere im Hinblick auf chronisch entzündliche Prozesse.
Eine Forschungsarbeit der Tokyo University of Science unter der Leitung von Gen-ichiro Arimura, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Nutrients, zeigt dabei bemerkenswerte Synergieeffekte: Die kombinierte Gabe von Capsaicin aus Chili mit Menthol aus Minze oder Cineol aus Eukalyptus steigerte die entzündungshemmende Wirkung an Makrophagen um das mehrere Hundertfache gegenüber der Verabreichung einzelner Wirkstoffe.
Zelluläre Signalwege im Zusammenspiel
Bei der isolierten Betrachtung erzielte Capsaicin unter den untersuchten Stoffen die stärkste entzündungshemmende Wirkung. Neben Chili, Minze und Eukalyptus bezogen die Forschenden der Tokyo University of Science auch ?-Eudesmol aus Ingwer in ihre Versuchsreihe ein.
Die beobachtete Wirkungssteigerung bei den Kombinationen führten die Wissenschaftler auf die gleichzeitige Aktivierung verschiedener intrazellulärer Signalwege zurück, darunter TRP-Kanäle und Calcium-Signaling. Trotz der deutlichen Effekte im Laborexperiment ist die Übertragbarkeit auf den menschlichen Organismus noch nicht abschließend geklärt; klinische Studien an Menschen zur Bestätigung der Ergebnisse stehen bislang noch aus.
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Vielstoffgemische am Beispiel des Kretischen Diptams
Neben den Kombinationen bekannter Küchengewürze liefern auch traditionell genutzte Heilkräuter mit komplexen Inhaltsstoffen wichtige Anhaltspunkte für die Forschung. Ein Beispiel für eine solche Pflanze ist der Kretische Diptam (Origanum dictamnus).
Der Halbstrauch, der bis zu 40 cm hoch wächst, von April bis Juli blüht und in Höhenlagen von bis zu 1900 m vorkommt, ist auf Kreta endemisch. Während Wildbestände unter europäischem Schutz stehen, erfolgt der gezielte Anbau vor allem in der Region Embaros südlich von Iraklio.
Die Pflanze zeichnet sich durch ein wirkstoffreiches ätherisches Öl aus: Carvacrol erreicht darin Anteile von bis zu 80 %, während p-Cymen und Gamma-Terpinen jeweils bis zu 8 % ausmachen. In einigen Ölproben liegt der Anteil von Carvacrol bei über 70 %.
Dieser Stoff gilt über die Auslösung eines Kaliumionen-Ausstroms als hauptverantwortlich für die antibakterielle Wirkung. Daneben enthält Kretischer Diptam Flavonoide wie Catechine, Apigenin, Quercetin und Kämpferol sowie Labiatengerbsäuren, darunter Rosmarin- und Salvianolsäure.
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Präklinische Daten und traditionelle Nutzung
Für Kretischen Diptam sind präklinisch antimikrobielle, antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften dokumentiert. Eine Untersuchung von Amato aus dem Jahr 2025 wies zudem eine Hemmung der Enzyme Acetylcholinesterase und Butyrylcholinesterase sowie von ?-Amylase, ?-Glukosidase und Lipasen nach. Eine krebswidrige Wirkung wurde durch Mitropoulou im Jahr 2015 beschrieben, ist bislang jedoch ebenfalls nur präklinisch belegt.
Auf Kreta wird das Kraut traditionell unter anderem bei Verdauungsbeschwerden, Infekten, Diabetes und Übergewicht verwendet; zudem wird es als traditionelles Arzneimittel bei Atemwegserkrankungen geführt.
Auch außerhalb Griechenlands findet die Pflanze Verwendung: In Polen wird sie unter der Bezeichnung herbata z dyptamu vertrieben, wo die günstigsten Packungen für rund 20 z? pro 30 g erhältlich sind. Sowohl die Analysen einzelner Gewürzsynergien als auch die Erforschung traditioneller Kräuter verdeutlichen das pharmakologische Potenzial pflanzlicher Mehrstoffsysteme.
