Gewichtsverlust, Herzfunktion

Gewichtsverlust: Schon 12 Prozent weniger verbessern Herzfunktion um 22 Prozent

11.06.2026 - 19:33:49 | boerse-global.de

Aktuelle Forschung zeigt: Schon moderate Gewichtsabnahme verbessert Herzfunktion und senkt Risiken für Herzinsuffizienz und Infarkte deutlich.

Gewichtsverlust stärkt das Herz: Neue Studien belegen positive Effekte
Gewichtsverlust - Ein stilisiertes, subtil leuchtendes menschliches Herz, umgeben von sich auflösenden Fettzellen, die Gewichtsverlust symbolisieren. 11.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Aktuelle Studien belegen: Wer abnimmt, senkt nicht nur sein Gewicht – sondern auch das Risiko für Herzinsuffizienz und Herzinfarkte massiv.

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Weniger Fett, bessere Herzfunktion

Forscher der Johns Hopkins Medicine haben den Zusammenhang zwischen Adipositas und einer bestimmten Form der Herzschwäche (HFpEF) untersucht. Allein in den USA sind rund 6,6 Millionen Menschen betroffen. Die Einjahres-Sterblichkeitsrate liegt bei 20 bis 29 Prozent.

Eine Studie im Fachmagazin Circulation analysierte die Daten von 312 Erwachsenen mit einem BMI von mindestens 40. Das Ergebnis: Wer innerhalb von sechs Monaten zwölf Prozent seines Gewichts verlor, verbesserte die Füllungsfähigkeit des Herzmuskels um 22 Prozent. Bei Probanden mit mindestens zehn Prozent Gewichtsverlust erreichten die Muskelzellen nahezu normale Kontraktionswerte.

Das zeigt: Der Herzmuskel ist plastischer als gedacht. Unter reduzierter metabolischer Last kann er sich regenerieren.

GLP-1-Präparate auf dem Vormarsch

Immer mehr Kardiologen setzen auf GLP-1-Rezeptor-Agonisten. Das britische Gesundheitssystem NHS verschreibt Wegovy inzwischen rund 1,2 Millionen Patienten mit einem BMI ab 27 und bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Klinische Daten deuten auf eine Senkung des Herzinfarktrisikos um 20 Prozent hin – oft schon vor einem massiven Gewichtsverlust.

Boehringer Ingelheim präsentierte im Juni 2026 Daten zu Survodutid. In einer Phase-III-Studie erreichten Probanden nach 76 Wochen einen Gewichtsverlust von bis zu 16,6 Prozent. Die Kontrollgruppe verlor nur 3,2 Prozent. Besonders beeindruckend: Das viszerale Fett schrumpfte um 34 Prozent, das Leberfett sogar um 63,1 Prozent. Allerdings brach jeder fünfte Teilnehmer die Studie wegen gastrointestinaler Nebenwirkungen ab.

Genetik entscheidet über den Erfolg

Doch nicht jeder profitiert gleichermaßen von den neuen Präparaten. Forscher der Stanford University identifizierten genetische Varianten des Enzyms PAM, die die Wirkung von GLP-1-Medikamenten abschwächen können. Rund jeder zehnte Mensch trägt diese Variante.

In einer Analyse von über 1.100 Patienten erreichten nur zwölf Prozent der Träger ihre Blutzuckerziele – verglichen mit 25 Prozent in der Kontrollgruppe. Zwischen zehn und 30 Prozent der Patienten gelten als sogenannte Non-Responder. Neben der Genetik diskutieren Experten auch das Mikrobiom und metabolische Anpassungsprozesse als Ursachen.

Muskelverlust – die Schattenseite des Abnehmens

Schneller Gewichtsverlust hat einen Preis: den Verlust von Muskelmasse. Eine Studie in Nature Medicine vom 8. Juni 2026 untersuchte den Antikörper Apitegromab in Kombination mit Tirzepatid. Über 24 Wochen konnte der Verlust an Magermasse durch die Hemmung von Myostatin um 55 Prozent reduziert werden. Patienten ohne den Antikörper verloren rund 3,5 Kilogramm Magermasse – in der Kombinationsgruppe waren es nur 1,6 Kilogramm.

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Gute Nachrichten gibt es zum Jo-Jo-Effekt: Eine norwegische Studie mit 284 Erwachsenen widerlegte gängige Annahmen. Eine schnelle Gewichtsabnahme (unter 1.000 Kilokalorien täglich über acht Wochen) war langfristig erfolgreicher als eine langsame Reduktion. Nach zwölf Monaten lag der Gewichtsverlust in der schnellen Gruppe bei 14,4 Prozent, in der langsamen bei 10,5 Prozent. Eine verstärkte Gewichtszunahme blieb aus.

Personalisierte Medikation als Schlüssel

Abgerundet wird das Bild durch SGLT2-Hemmer. Eine Analyse der DECLARE-TIMI-58-Studie ergab: Der Wirkstoff Dapagliflozin senkte das Risiko für Krankenhauseinweisungen wegen Herzschwäche bei Menschen mit genetischer Veranlagung für Kardiomyopathie um 82 Prozent.

Die Botschaft ist klar: Wer sein Gewicht reduziert, tut seinem Herzen Gutes. Und mit den richtigen Medikamenten und Strategien wird der Weg dorthin immer präziser.

de | wissenschaft | 69522304 |