Gewichtsverlust: Schnell abnehmen führt nicht zum Jo-Jo-Effekt
Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 19:11 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Rasanter Gewichtsverlust muss nicht zwingend zum Jo-Jo-Effekt führen. Eine norwegische Studie stellt alte Annahmen auf den Kopf.
Schnell abnehmen – und schlank bleiben
Die verbreitete Angst vor dem Jo-Jo-Effekt nach schnellem Gewichtsverlust scheint unbegründet. Eine Studie an 284 Erwachsenen mit Adipositas liefert überraschende Ergebnisse. Die Gruppe mit einer extrem niedrigen Energiezufuhr – unter 1.000 Kilokalorien täglich – hielt nach einem Jahr noch 14,4 Prozent Gewichtsverlust. Die Vergleichsgruppe mit moderaterer Einschränkung kam nur auf 10,5 Prozent.
„Ein größerer Anfangserfolg kann die Motivation nachhaltig steigern“, erklärt Studienleiterin Dr. Line Kristin Johnson. Einen verstärkten Jo-Jo-Effekt beobachteten die Forscher nicht. Die Ergebnisse wurden im Mai auf einem Fachkongress in Istanbul vorgestellt.
Wasser zwischen den Bissen – ein Problem?
Wie wir während des Essens trinken, beeinflusst offenbar die Kalorienaufnahme. Studien der Cornell University und der Pennsylvania State University zeigen: Wer häufig zwischen den Bissen trinkt, verzögert das Sättigungsgefühl. Die Folge: Unter Laborbedingungen nahmen die Probanden mehr Kalorien zu sich.
Das Problem: Wasser verlässt den Magen schnell. Anders als feste Nahrung entfaltet es keinen nachhaltigen Sättigungseffekt durch Dehnung der Magenwand.
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Bulletproof Coffee: Hype ohne Belege
Der Trend zu funktionalen Getränken hält an. Besonders „Bulletproof Coffee“ – Kaffee mit Butter und Kokosöl – bleibt umstritten. Eine Tasse liefert zwischen 200 und 250 Kilokalorien, so eine Expertin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.
Zwar können die enthaltenen MCT-Fettsäuren den Energieverbrauch kurzfristig leicht erhöhen. Ein wissenschaftlicher Beleg für signifikanten Gewichtsverlust allein durch den Konsum fehlt jedoch. Die Botschaft der Expertin: Nachhaltiger Erfolg erfordert eine insgesamt negative Energiebilanz.
Wenn die Schilddrüse streikt
Für Menschen mit Schilddrüsenunterfunktion wird Abnehmen zur Herausforderung. Der Grundumsatz sinkt. Mediziner betonen: Sobald die Hormonwerte durch Medikamente wie L-Thyroxin normalisiert sind, ist eine Gewichtsabnahme möglich.
Warnungen gibt es vor eigenmächtigen Dosierungen zur Stoffwechselbeschleunigung. Die Gefahr: Herzrhythmusstörungen.
Pharma-Rivalität: Kampf um den Abnehm-Markt
Zwischen den Pharmariesen Novo Nordisk und Eli Lilly eskaliert der Wettbewerb. Novo Nordisk hat rechtliche Schritte eingeleitet. Der Vorwurf: Eli Lilly bewirbt sein Präparat Zepbound mit einem Gewichtsverlust von über 20 Prozent – und verschweigt, dass höhere Dosierungen des Novo-Wirkstoffs Semaglutid ähnliche Ergebnisse liefern.
In Deutschland wird für das dritte Quartal 2026 die Markteinführung einer oralen Variante der „Abnehmspritze“ erwartet. Ernährungsexperten mahnen zur Vorsicht. Die Präparate seien keine Lifestyle-Produkte. Mögliche Nebenwirkungen wie Muskelschwund oder Gallensteine dürften nicht ignoriert werden.
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Ohne Medikamente: Der Langzeit-Ansatz
Trotz aller pharmazeutischer Fortschritte bleibt die Lebensstil-Umstellung zentral. Prominente Beispiele wie die Politikerin Ricarda Lang zeigen: Training, bewusste Ernährung, ausreichend Schlaf und reduzierter Alkoholkonsum führen auch ohne Medikamente zu Erfolgen. Lang berichtete öffentlich über ihren Gewichtsverlust von rund 40 Kilogramm.
Fachleute empfehlen eine Ernährung, die zu mindestens 70 Prozent aus unverarbeiteten Lebensmitteln besteht. Ziel: Die Eigenverantwortung gegenüber chemischen Hilfsmitteln stärken.
KI auf dem Teller
Die Zukunft könnte technologische Innovationen bringen. Experten der University of California sehen Potenzial in Künstlicher Intelligenz. Die Idee: Lebensmittel auf molekularer Ebene analysieren, um individuelle Ernährungspläne zu optimieren.
Ob solche Ansätze sozial und ökologisch nachhaltig sind, bleibt in der Fachwelt umstritten.
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