Gewebeuhren, Organen

Gewebeuhren: KI bestimmt biologisches Alter von Organen präzise

Veröffentlicht am: 16.08.2026 um 08:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Wiener Forscher entwickeln KI-Modelle, die das biologische Alter von Organen anhand von Gewebeproben und Blutwerten bestimmen. Die Methode erkennt frühzeitige Alterungsprozesse.

KI-Methode aus Wien misst biologisches Organalter präzise
Ein Wissenschaftler untersucht in einem modernen Labor biologische Gewebeproben unter einem Mikroskop. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

In der medizinischen Altersforschung markiert eine Untersuchung aus dem August 2026 einen bedeutenden Fortschritt bei der Bestimmung der körperlichen Verfassung auf Organebene.

Ein Wiener Forschungsteam, bestehend aus Experten des CeMM Forschungszentrums für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, des Ludwig Boltzmann Instituts für Netzmedizin (LBI-NetMed) und der Universität Wien, stellte eine Methode vor, mit der das biologische Alter von Organen mithilfe künstlicher Intelligenz präzise bestimmt werden kann.

Die in der Fachzeitschrift Nature Medicine veröffentlichten Ergebnisse basieren auf sogenannten „Gewebeuhren“, die Abweichungen zwischen dem chronologischen Lebensalter und dem tatsächlichen Zustand menschlicher Gewebe sichtbar machen.

Umfassendes Training mit Zehntausenden Gewebeproben

Grundlage der technologischen Entwicklung war ein umfangreicher Trainingsprozess der künstlichen Intelligenz. Das Forschungsteam griff hierfür auf einen Datensatz von 25.712 Gewebeproben zurück, die von insgesamt 983 Personen stammten. Die Untersuchung deckte eine hohe biologische Komplexität ab, indem sie 40 verschiedene Gewebetypen und 29 unterschiedliche Organe berücksichtigte.

Ziel dieses Vorgehens war es, Muster in der Genexpression und anderen biologischen Markern zu identifizieren, die spezifisch für den Alterungsprozess der jeweiligen Organe sind.

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Die Präzision dieser „Gewebeuhren“ erwies sich in der Studie als hoch: Das biologische Alter konnte mit einer mittleren Abweichung von lediglich 4,9 Jahren vorausgesagt werden. Damit liefert die Methode eine statistisch belastbare Basis, um Alterungsprozesse jenseits des Geburtsdatums zu bewerten.

Beschleunigte Alterung bereits in jungen Jahren

Die Analyse der Daten lieferte neue Erkenntnisse darüber, wann signifikante Alterungsprozesse im menschlichen Körper einsetzen. Entgegen der weitläufigen Annahme, dass organische Verschleißerscheinungen primär ein Phänomen des höheren Lebensalters sind, zeigten die Untersuchungen des CeMM und des LBI-NetMed ein differenzierteres Bild.

Demnach altern Organe wie die Lunge, die Niere und die Bauchspeicheldrüse in vielen Fällen bereits in der Phase zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr beschleunigt.

Zudem identifizierten die Forscher spezifische Zusammenhänge zwischen Erkrankungen und dem Alterungszustand einzelner Gewebe. So wurde festgestellt, dass Nierenversagen mit einer beschleunigten Alterung in mehreren unterschiedlichen Gewebetypen korreliert.

Im Falle von Diabetes zeigte sich ein deutlicher Zusammenhang mit einer vorzeitigen Alterung der Bauchspeicheldrüse. Diese Beobachtungen legen nahe, dass die biologische Uhr eines Organs eng mit systemischen oder chronischen Krankheitsverläufen verknüpft ist.

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Blutbasierte Diagnostik für chronische Erkrankungen

Ein weiterer Teil der Forschungsarbeit befasste sich mit der Übertragbarkeit der Ergebnisse auf weniger invasive Diagnoseverfahren. Das Forschungsteam entwickelte blutbasierte Modelle, die es ermöglichen, das biologische Alter einzelner Organe aus einfachen Blutproben abzuschätzen. Diese Modelle nutzen spezifische Genexpressionsprofile im Blut, um Rückschlüsse auf den Zustand tiefer liegender Gewebe zu ziehen.

Laut der Studie lassen sich durch diese blutbasierten Vorhersagen charakteristische Alterungsmuster erkennen, die mit einer Reihe schwerwiegender Erkrankungen assoziiert sind. Dazu zählen unter anderem neurodegenerative Prozesse wie Alzheimer, aber auch entzündliche und chronische Leiden wie Morbus Crohn, Mukoviszidose, Vaskulitis sowie Diabetes und die Folgen von Schlaganfällen.

Die Möglichkeit, solche Muster frühzeitig im Blut nachzuweisen, könnte künftig eine gezieltere Überwachung von Risikopatienten ermöglichen und zur Entwicklung präventiver Maßnahmen beitragen. Die Forscher betonten in diesem Zusammenhang die Relevanz der Genexpressionsprofile für die Identifikation krankheitsspezifischer Alterungssignaturen.

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