Gesundheitsleitstellen, Standorte

Gesundheitsleitstellen: 244 Standorte sollen auf 80 reduziert werden

Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 13:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die BÄK unterstützt die Notfallreform grundsätzlich, verlangt aber ärztliche Steuerung, einheitliche Ersteinschätzung und weniger Doppelstrukturen.

Notfallreform: Ärztekammer fordert klare Steuerung und Vernetzung
Ein leerer, modern gestalteter Krankenhausflur mit hellen Wänden und einfallendem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Die geplante Reform der Notfallversorgung in Deutschland stößt bei den maßgeblichen Akteuren im Gesundheitswesen auf ein geteiltes Echo. Während die Bundesärztekammer (BÄK) das Vorhaben grundsätzlich unterstützt, knüpft sie ihre Zustimmung an weitreichende strukturelle Bedingungen.

Laut Berichten vom 9. September 2026 drängt die Standesvertretung vor der anstehenden Anhörung im Gesundheitsausschuss insbesondere auf eine konsequente Patientensteuerung und eine stärkere ärztliche Leitung bei der Ersteinschätzung von Notfällen.

Positionen der Ärzteschaft zur Patientensteuerung

Die Bundesärztekammer betont die Notwendigkeit einer bundesweit einheitlichen Ersteinschätzung, die zwingend in ärztlicher Hand liegen müsse. Ziel sei eine verbindliche Vernetzung der Notrufnummern 112 und 116117, um eine echte Versorgungssteuerung zu erreichen und die chronisch überlasteten Notaufnahmen zu entlasten. In Stellungnahmen aus dem September 2026 fordert die Kammer zudem die gesetzliche Verankerung eines Notarztindikationskatalogs.

Kritik übt die Ärzteschaft hingegen an der geplanten Einrichtung von rund 750 Integrierten Notfallzentren (INZ) ohne eine vorherige Bedarfsprüfung. Auch die vorgesehene Verpflichtung zu telemedizinischen und aufsuchenden Angeboten, die rund um die Uhr verfügbar sein sollen, wird von der BÄK skeptisch beurteilt.

Parallel dazu mahnt die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) an, keine Parallelstrukturen aufzubauen, sondern das bestehende Netz aus Praxen und ambulanten Versorgern zu stärken. Eine bessere Kooperation mit der Pflege und die Delegation von Aufgaben seien essenziell für die Sicherung der ländlichen Versorgung.

Warnungen vor Doppelstrukturen und steigenden Kosten

Aus den Reihen der gesetzlichen Krankenversicherungen kommen deutliche Warnungen vor finanziellen Fehlentwicklungen. Dr. Carola Reimann vom AOK-Bundesverband wies in Erklärungen Anfang September 2026 darauf hin, dass die Reform statt der erhofften Einsparungen zusätzliche Mehrausgaben durch Doppelstrukturen verursachen könnte. Besonders kritisch sieht die AOK die geplanten aufsuchenden Dienste der Kassenärztlichen Vereinigungen, die rund um die Uhr bereitstehen sollen.

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Zudem wird bemängelt, dass Krankenhäuser ohne angeschlossenes INZ weiterhin unbeschränkt ambulante Notfälle behandeln dürften, was den Zielen einer effizienten Steuerung widerspreche. Die AOK fordert daher eine konsequente Weiterleitung von Patienten ohne akuten Behandlungsbedarf in die reguläre vertragsärztliche Versorgung.

Auch die Betriebskrankenkassen unterstützen die Forderung nach einer standardisierten Ersteinschätzung über alle Zugangswege hinweg und dringen auf transparente, zweckgebundene Finanzierungsregelungen, um Doppelvergütungen zu vermeiden.

Zentralisierung der Leitstellen und digitale Vernetzung

Ein zentraler Aspekt der Reformdiskussion ist die Modernisierung der Rettungsleitstellen. Der Verband der Ersatzkassen (vdek) fordert laut Berichten vom 8. September 2026 eine tiefgreifende Umstrukturierung der aktuellen Leitstellenlandschaft.

Ulrike Elsner vom vdek sprach sich dafür aus, die derzeit 244 Leitstellen auf etwa 80 Standorte zu reduzieren, was rechnerisch einer Leitstelle pro Million Einwohner entspräche. Diese Zentren sollten als vernetztes Gesundheitsleitsystem fungieren.

Für die notwendige digitale Transformation stellt der Bund im Rahmen der Reform 225 Millionen Euro aus einem Sondervermögen bereit. Die Auszahlung dieser Fördermittel soll jedoch an die Einrichtung voll funktionsfähiger Gesundheitsleitstellen gekoppelt sein.

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Der Reformdruck wird durch die massive Kostenentwicklung im Rettungsdienst unterstrichen: Die Ausgaben in diesem Bereich stiegen von 4,4 Milliarden Euro im Jahr 2013 auf voraussichtlich 8,2 Milliarden Euro im Jahr 2025.

Zusätzliche Impulse kommen von der SBK, die neben der Notfallreform auch strukturelle Anpassungen in der Primär- und Pflegeversorgung anmahnt. Dr. Gertrud Demmler betonte in diesem Kontext die Bedeutung einer standardisierten Ersteinschätzung und einer verstärkten digitalen Vernetzung als Grundpfeiler für ein zukunftsfähiges Gesundheitssystem.

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