Gesundheitsausgaben, Leiden

Gesundheitsausgaben: 80 Prozent für chronische Leiden, nur 3 bis 4 Prozent für Prävention

Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 05:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

EU-Empfehlungen und regionale Angebote stärken Vorsorge, während chronische Erkrankungen rund 80 Prozent der Gesundheitsausgaben verursachen.

Gesundheitsprävention: EU, Bayern und Wien setzen neue Impulse
Ein heller, moderner Behandlungsraum in einem Gesundheitszentrum mit Blick auf eine alpine Berglandschaft. Illustration mit AI erstellt.

Chronische Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Leiden, Diabetes und Adipositas verursachen laut Statistik Austria rund 80 Prozent der Gesundheitsausgaben – während nur rund 3 bis 4 Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben in Prävention und Gesundheitsförderung fließen.

Diese Schieflage steht im Zentrum mehrerer aktueller Initiativen auf europäischer, nationaler und regionaler Ebene, die zeigen, wie unterschiedlich die Antworten auf das Problem ausfallen.

Kongress in Bad Hofgastein widmet sich Prävention und eHealth

Beim bevorstehenden AHF Gastein, der am 19. und 20. Oktober 2026 im Kongresszentrum Bad Hofgastein stattfindet, beraten rund 200 Expertinnen und Experten über Wege aus dieser Schieflage.

Auf der Agenda stehen die nationale Präventionsstrategie, das erweiterte Erwachsenen-Impfprogramm, der SVS-Vorsorgepass, Schlafmedizin sowie der European Health Data Space (EHDS) und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Gesundheitswesen.

Keynotes halten Ulrike Famira-Mühlberger vom WIFO und Thomas Czypionka vom IHS. Die Themenwahl spiegelt eine zentrale Debatte wider: Wie lässt sich das Verhältnis zwischen Akutversorgung und Vorsorge neu austariere, und welche Rolle können digitale Gesundheitsdaten dabei spielen?

EU-Kommission drängt auf regelmäßige Kontrollen

Auf europäischer Ebene hat die EU-Kommission Ende September 2026 eine Empfehlung an den Rat vorgelegt, die regelmäßige Kontrollen von Blutdruck, Cholesterin und Blutzucker vorsieht, mit besonderem Fokus auf Risikogruppen.

Hintergrund ist die Tatsache, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen die häufigste Todesursache in der EU sind: Sie fordern rund 1,7 Millionen Todesfälle pro Jahr und verursachen Kosten von mehr als 282 Milliarden Euro.

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Nach Einschätzung der Kommission wären bis zu 80 Prozent dieser Fälle vermeidbar – doch weniger als die Hälfte der EU-Staaten verfügt bislang über eigene Programme für Herz-Kreislauf-Checks.

Die Empfehlung ist Teil des im Dezember 2025 vorgestellten „Safe Hearts Plans“, der vorzeitige Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis 2035 um 25 Prozent senken soll. Vorgesehen ist zudem eine erste EU-Screening-Woche mit kostenlosen Angeboten.

Ergänzend verweist die International Diabetes Federation darauf, dass in Europa jeder vierte Mensch mit Diabetes nicht diagnostiziert ist – ein weiterer Beleg dafür, wie groß die Lücke zwischen Bedarf und tatsächlicher Vorsorge ausfällt.

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Bayern bündelt Präventionsangebote digital

Auf regionaler Ebene setzt Bayern auf Digitalisierung: Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit hat im Auftrag des Gesundheitsministeriums einen digitalen Präventionspool online gebracht, der Angebote von über 200 Anbietern aus dem Non-Profit-Bereich bündelt.

Gesundheitsministerin Judith Gerlach rief weitere Akteure auf, sich an der Plattform zu beteiligen. Vorausgegangen war die Vorstellung des „Masterplans Prävention“ mit über 250 Einzelmaßnahmen.

Wien setzt auf persönliche Beratung durch Community Nurses

Während Bayern den digitalen Weg geht, setzt der Fonds Soziales Wien (FSW) auf niederschwellige, persönliche Beratung. Community Nurses bieten kostenlose Gesundheitsberatung an, fördern soziale Kontakte und helfen bei der Orientierung im Gesundheits- und Sozialsystem.

Das Angebot ist telefonisch täglich von 8 bis 20 Uhr erreichbar, persönliche Termine finden unter anderem in Wiener Bezirksvorstehungen statt. Ergänzt wird das Programm durch Vorträge, Workshops und Aktiveinheiten zu Ernährung, Bewegung und Sturzprävention.

Fachverbände fordern mehr Verantwortung für Pflegekräfte

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) und der Bosch Health Campus haben zwei Publikationen veröffentlicht, die eine erweiterte Rolle von Community Health Nurses in der Primärversorgung vorschlagen – darunter eigenverantwortliche Anamnese, Basisuntersuchungen, Diagnosestellung bei einfachen Erkrankungen, Arzneimittelverordnung nach festgelegten Behandlungspfaden sowie Aufgaben wie Impfungen, Wundversorgung und Palliativbegleitung.

DBfK-Präsidentin Vera Lux erklärte, das bestehende Gesetz reiche für Community Health Nurses nicht aus; notwendig sei ein eigenständiger rechtlicher Rahmen für Advanced Practice Nursing, der diese Berufsgruppe fest in der Regelversorgung verankert.

Die verschiedenen Initiativen – vom Kongress in Bad Hofgastein über die EU-Empfehlung bis zu den regionalen Modellen in Bayern und Wien – zeigen ein gemeinsames Muster: Prävention gilt zunehmend als Schlüssel, um die Belastung chronischer Erkrankungen für Gesundheitssysteme zu verringern. Wie stark sich dieser Kurswechsel tatsächlich in Budgets und Strukturen niederschlägt, dürfte sich erst in den kommenden Jahren zeigen.

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