Gesundheitsämter: Nur 5 Prozent der Digitalförderung flossen in gemeinsame IT
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 23:33 Uhr | Redaktion boerse-global.deIn den deutschen Gesundheitsämtern besteht trotz umfassender finanzieller Förderprogramme weiterhin ein digitaler Flickenteppich. Dieser Zustand erschwert die Vorbereitung auf künftige Pandemien erheblich, wie heise.de am 4. November 2026 berichtete. Rund 400 kommunale Gesundheitsämter in ganz Deutschland kämpfen demnach ungeachtet der bereitgestellten Gelder nach wie vor mit grundlegenden Aufgaben der Digitalisierung.
Zwar wurden im Rahmen des Pakts für den Öffentlichen Gesundheitsdienst insgesamt 800 Millionen Euro gezielt für die Digitalisierung bereitgestellt. Eine Analyse der Experten Savaskan und Yavuz zeigt jedoch, dass lediglich 5 Prozent dieser Mittel in länderübergreifende Gemeinschaftsprojekte geflossen sind.
Die weit überwiegende Mehrheit des Geldes wurde folglich für lokale Insellösungen verwendet, was eine einheitliche und kompatible IT-Landschaft über Verwaltungsgrenzen hinweg verhindert.
Auslaufende Förderungen bedrohen bestehende Systeme
Zu den strukturellen Defiziten kommt die unsichere Weiterführung zentraler Softwarelösungen hinzu. So lief die Bundesförderung für das Kontaktverfolgungssystem SORMAS bereits Ende 2022 aus. Auch das Meldesystem EMIGA des Robert Koch-Instituts steht vor finanziellen Hürden: Die Finanzierung dieser Anwendung aus den Mitteln des Bundespakts ist lediglich bis Ende 2026 gesichert.
Diese anhaltenden Schnittstellenprobleme und Finanzierungslücken stehen in deutlichem Kontrast zu internationalen Vorgaben. Das Pandemie-Frühwarnzentrum der Weltgesundheitsorganisation in Berlin hat das Ziel formuliert, dass bis 2030 jedes Land der Welt in der Lage sein soll, neue Krankheitsausbrüche binnen 24 Stunden zu erkennen. Ohne nahtlose, automatisierte und bundesweit funktionierende Meldeketten rückt dieses Vorhaben für das deutsche Gesundheitssystem in weite Ferne.
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Polarisierung als Risikofaktor für den öffentlichen Dienst
Neben technischen Hürden sieht sich die kommunale Gesundheitsverwaltung auch gesellschaftlichen Spannungen ausgesetzt. Eine in der Fachzeitschrift Frontiers in Public Health erschienene Studie unter Beteiligung von Alexandra Roth von der Universität Lübeck, die sich mit politischer Polarisierung und öffentlicher Gesundheit in Deutschland befasst, stuft die zunehmende gesellschaftliche Spaltung als eigenständigen Risikofaktor ein.
Um die Handlungsfähigkeit der Behörden in künftigen Krisensituationen sicherzustellen, fordert die Untersuchung strukturelle Reformen. Dazu zählen insbesondere eine gesetzlich geschützte fachliche Unabhängigkeit sowie eine echte Selbstverwaltung der Gesundheitsämter.
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Auf diese Weise sollen die Behörden vor politischer Einflussnahme abgeschirmt und gleichzeitig in die Lage versetzt werden, moderne digitale Strukturen nachhaltig und eigenständig zu etablieren.
Teile dieses Beitrags beruhen auf Recherchen von heise online.
