Gesunder, Lebensstil

Gesunder Lebensstil: Vier bis fünf Faktoren senken das Krebsrisiko um 29 Prozent

Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 14:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien verbinden gesunde Gewohnheiten mit geringerem Krebsrisiko und mehr demenzfreier Lebenszeit; zugleich zeigen Befragungen Wissenslücken.

Bayerischer Präventionstag: Bewegung und Ernährung im Fokus
Frisches Gemüse auf einem Holztisch in einer hellen, minimalistischen Küche bei natürlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Im Rahmen des Bayerischen Präventionstags standen im Pfarrsaal Maria Hilf in Stadtbergen die Schwerpunkte Bewegung und gesunde Ernährung im Mittelpunkt. Wie die Landtagsabgeordnete Carolina Trautner (CSU) laut einem Bericht vom 14. Oktober 2026 betonte, bestehe in der Bevölkerung ein klares Bedürfnis, sich aktiv um die eigene Gesundheit zu kümmern.

Das Bundesland Bayern widmet der Prävention jährlich einen eigenen landesweiten Aktionstag, um für einen gesundheitsfördernden Lebensstil zu sensibilisieren. Ähnliche Schwerpunkte setzte auch die Klinik Kohlbruck in Passau mit Programmen zu Ernährung, Immunsystem, Bewegung und Hitzeschutz.

Medizinische Vorteile von Bewegung und Ernährung

Die Bedeutung frühzeitiger Vorsorge wird von Fachleuten immer wieder hervorgehoben. In Stadtbergen erläuterte Marion Heimbach vom Bayerischen Bauernverband (BBV), dass eine ausgewogene Kost das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes Typ 2, Bluthochdruck sowie Osteoporose verringern könne. Eva Reichart vom Verband Physio Deutschland bezeichnete gezielte Bewegung als die wirksamste Präventionsmaßnahme überhaupt.

Diese Einschätzungen decken sich mit groß angelegten epidemiologischen Untersuchungen. Eine Analyse des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) unter Leitung von Hermann Brenner auf Basis der UK Biobank, veröffentlicht im British Journal of Cancer, begleitete 287.745 Personen über durchschnittlich 11,5 Jahre. Dabei wurden 12.947 Krebsdiagnosen registriert.

Wer vier bis fünf gesunde Lebensstilfaktoren – Nichtrauchen, Alkoholverzicht, gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung und Normalgewicht – vereinte, wies ein um 29 Prozent geringeres Gesamtkrebsrisiko auf. Der Effekt erwies sich bei 13 von 27 untersuchten Krebsarten als signifikant, wobei Rauchen mit 12 und Übergewicht mit 10 Krebsarten assoziiert war.

Zudem belegt eine Langzeitauswertung der US-amerikanischen ARIC-Studie mit 12.400 Personen, die 2026 im Fachjournal Neurology publiziert wurde, erhebliche Effekte auf die kognitive Gesundheit: Menschen, die frei von den drei Gefäßrisikofaktoren Bluthochdruck, Diabetes mellitus und Rauchen blieben, lebten im Schnitt rund 12,6 Jahre länger demenzfrei als Betroffene mit allen drei Faktoren.

Anzeige

Wer das Risiko für typische Volkskrankheiten durch einen aktiven Lebensstil senken möchte, findet in diesem Ratgeber effektive Übungen für den Alltag. 6 einfache Krafttrainings-Übungen für zuhause kostenlos herunterladen

Zwischen dem 55. und 95. Lebensjahr verbrachten Personen ohne diese Risiken durchschnittlich 30,1 Jahre ohne Demenz, verglichen mit 17,5 Jahren bei Vorliegen aller drei Faktoren. Peter Berlit von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) empfahl in diesem Zusammenhang viel Bewegung, Rauchverzicht sowie eine pflanzenbetonte Ernährung mit weniger Zucker und Fertigprodukten.

Fehleinschätzungen und Handlungsbedarf

Trotz der belegten Schutzwirkung klaffen Wahrnehmung und Lebensrealität auseinander. Laut einer DKFZ-Befragung schätzen lediglich 12 Prozent von über 1.500 Befragten ihr persönliches Krebsrisiko als hoch ein, obwohl statistisch fast jeder zweite Mensch in Deutschland im Laufe des Lebens eine solche Diagnose erhält.

Die Stuttgarter Claro-Studie mit 1.200 Befragten ergab zudem, dass Übergewicht als Risikofaktor häufig unterschätzt wird, während unbegründete Vorbehalte bezüglich Umweltfaktoren wie Deodorants oder Plastikflaschen dominieren.

Anzeige

Da chronische Beschwerden oft unbemerkt im Körper entstehen, ist die richtige Wahl der Lebensmittel für die langfristige Prävention entscheidend. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Leitfaden, wie Sie stille Entzündungen durch eine gezielte Ernährung lindern können. Gratis-Ratgeber: Die 12 stärksten natürlichen Entzündungs-Killer entdecken

Auch bei Heranwachsenden zeigen sich Defizite: Das Fitnessbarometer Baden-Württemberg verzeichnete, dass rund 15 Prozent der Drei- bis Zehnjährigen übergewichtig sind; in der Altersgruppe der Acht- bis Zehnjährigen ist es mehr als jedes sechste Kind. Nur 20 bis 30 Prozent der Kinder erreichen das von der Weltgesundheitsorganisation empfohlene Mindestmaß von täglich einer Stunde Bewegung.

Die volkswirtschaftlichen Folgen des Lebensstils sind beträchtlich. Nach Angaben des Verbands der Ersatzkassen (vdek) beliefen sich die Behandlungskosten im deutschen Gesundheitssystem im Jahr 2023 auf 65 Milliarden Euro für Kreislauferkrankungen, 9,7 Milliarden Euro für Typ-2-Diabetes und 1,23 Milliarden Euro für Adipositas.

Veranstaltungen wie jene in Stadtbergen, die von Blutdruck- und Blutzuckermessungen sowie einem gesunden Buffet der Frauen Union begleitet wurden, zielen darauf ab, dieses Risikobewusstsein vor Ort praxisnah zu stärken.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70324551 |