Gesunder, Lebensstil

Gesunder Lebensstil: 29 Prozent weniger Krebsfälle in großer Langzeitstudie

Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 11:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Fachleute verlangen neue Finanzierungsmodelle und mehr Vorsorge; Studien zeigen Zusammenhänge zwischen Lebensstil und Krebsrisiko.

Gesundheitsgipfel fordert Kurswechsel: Prävention soll Versorgung prägen
Helle, moderne Architektur in einer medizinischen Forschungseinrichtung mit klaren Linien und natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Auf dem 6. BILD-Vorsorgegipfel im Berliner Axel-Springer-Hochhaus haben rund 100 Mediziner, Forscher und Gesundheitsexperten eine grundlegende Präventionswende im deutschen Gesundheitswesen angemahnt.

Fachleute weisen darauf hin, dass die Bundesrepublik zwar über eines der teuersten Gesundheitssysteme der Welt verfügt, bei der Lebenserwartung und den gesunden Lebensjahren im europäischen Vergleich jedoch zurückbleibt. Aus Sicht der Beteiligten muss die Vorbeugung von Krankheiten künftig eine zentrale Rolle in der Versorgung einnehmen.

Forderungen nach strukturellem Umbau und neuen Vergütungsmodellen

Prof. Angelika Eggert von der Universitätsmedizin Essen hob hervor, dass Deutschlands Lebenserwartung unter dem Durchschnitt der Europäischen Union liege. Sie sprach sich für eine nationale Präventionsstrategie sowie die Gründung eines deutschen Zentrums für Gesundheitsforschung aus.

Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) bezeichnete Prävention als ein Lebensgefühl und erklärte, das Ziel sei ein grundlegender Mindsetwechsel. Bereits in einer Rede vor dem Bundestag im September hatte Linnemann betont, dass die beste Gesundheitspolitik Krankheiten gar nicht erst entstehen lasse.

Auch Versorgungsforscher sehen das Hauptproblem darin, dass das derzeitige Vergütungssystem primär die Behandlung bereits bestehender Erkrankungen honoriert, während präventive Maßnahmen strukturell unterfinanziert bleiben. Sie verlangen, Finanzierungsmodelle künftig an tatsächlich erzielten Gesundheitsgewinnen auszurichten.

Als wichtige Schlüsselfiguren für eine solche Wende nennen die Wissenschaftler unter anderem Community Health Nurses, präventive Hausbesuche sowie Angebote in der Schul- und Betriebspflege.

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Zu ähnlichen Ergebnissen kommt ein Positionspapier des Bosch Health Campus (Robert Bosch Centrum für Innovationen im Gesundheitswesen) in Zusammenarbeit mit der AOK Baden-Württemberg. Prof. Mark Dominik Alscher vom Bosch Health Campus fordert darin einen Perspektivwechsel weg von der reinen Krankheitsbehandlung hin zur aktiven Gesundheitsförderung.

Das Papier benennt fünf Hebel für den Wandel: die Stärkung der Gesundheitskompetenz, Gesundheitszugewinne über alle Lebensphasen hinweg, Personalisierung durch Digitalisierung und künstliche Intelligenz, Angebote vor Ort sowie eine Kopplung der Finanzierung an gesundheitliche Zugewinne. Laut Studien des Campus weisen mehr als 50% der Menschen in Deutschland eine problematische oder inadäquate Gesundheitskompetenz auf.

Fortschritte in Früherkennung und Diagnostik

Neben strukturellen Reformen standen neue medizinische Methoden im Blickpunkt. Prof. Emrah Düzel erläuterte, dass neuartige Bluttests Alzheimer bereits bis zu 20 Jahre vor dem Auftreten einer Demenz nachweisen können.

Als unterschätzte Risikofaktoren nannte er Einsamkeit, Depressionen und Schwerhörigkeit. Prof. Matthias Augustin wies zudem auf die weite Verbreitung chronischer Erkrankungen hin: In Deutschland leben rund 3,5 Mio. Menschen mit Neurodermitis, darunter etwa 1,5 Mio. Kinder.

Auf staatlicher Ebene prüft das Bundesgesundheitsministerium im Modellvorhaben genomDE (Nationale Strategie für Genommedizin) die dauerhafte Integration genomischer Diagnostik und personalisierter Therapien in die Regelversorgung, wenngleich andere europäische Staaten in diesem Bereich bereits weiter vorangeschritten sind.

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Erkenntnisse zu Lebensstil und gesunder Lebensdauer

Die Relevanz präventiver Lebensweisen belegen auch Analysen des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) auf Basis der UK Biobank mit 287.745 krebsfreien Teilnehmern zu Studienbeginn und einer mittleren Beobachtungszeit von 11,5 Jahren.

Bei Personen mit einem hohen Lebensstil-Score aus gesunder Ernährung, Bewegung, Verzicht auf Rauchen, moderatem Alkoholkonsum und Normalgewicht traten bei 12.947 registrierten Krebsdiagnosen 29% weniger Fälle auf als in der Vergleichsgruppe mit niedrigem Score.

Der Zusammenhang erwies sich bei 13 von 27 untersuchten Krebsarten als signifikant, darunter Tumoren von Lunge, Darm, Magen, Leber, Bauchspeicheldrüse, Niere, Blase sowie Brustkrebs nach den Wechseljahren. Rauchen stand mit 12 und Übergewicht mit 10 Krebsarten in Verbindung.

Auf dem gemeinsamen Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie (DGGG) und der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG), der vom 23. bis 26. September 2026 in Frankfurt mit rund 1.200 Teilnehmenden stattfand, sprach sich auch Prof. Dr. Brian Kennedy von der National University of Singapore für validierte Biomarker aus.

Kennedy warnte vor zu einfachen Versprechungen sogenannter biologischer Altersuhren. Die 1985 gegründete DGG mit rund 1.800 Mitgliedern betont entsprechend, dass nicht die bloße Zahl der Lebensjahre, sondern die in guter Gesundheit verbrachte Zeit maßgeblich sein müsse.

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