Gesunde Ernährung: Lateinamerika hat weltweit höchste Kosten
Veröffentlicht am: 26.07.2026 um 07:40 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die gute Nachricht zuerst: Der Hunger in Lateinamerika und der Karibik geht zurück. Die schlechte: Gesunde Ernährung bleibt für Millionen unerschwinglich – nirgendwo auf der Welt sind die Kosten höher.
Laut dem aktuellen Welternährungsbericht „The State of Food Security and Nutrition in the World“ (SOFI 2026) sank die Hungerquote in der Region das fünfte Jahr in Folge auf 4,8 Prozent. Rund 32 Millionen Menschen leiden noch immer an Hunger. Besonders Südamerika macht Fortschritte: Hier fiel die Quote auf 3,5 Prozent.
Erfolge mit Schattenseiten
Fachleute führen die positive Entwicklung auf stabilere Wirtschaftspolitik und gezielte Sozialprogramme wie „Bolsa Família“ zurück. Auch die Lebensmittelinflation hat sich beruhigt. In Argentinien etwa sank die Teuerungsrate für Lebensmittel von fast 30 Prozent im Jahr 2023 auf unter 2 Prozent im Juni 2026.
Doch die Fortschritte verteilen sich ungleich. In der Karibik liegt die Hungerquote bei alarmierenden 16,6 Prozent. Haiti ist mit 51,4 Prozent der absolute Krisenherd der Region.
Weltweit teuerste gesunde Ernährung
Das eigentliche Problem liegt woanders: Eine gesunde Ernährung kostet in Lateinamerika und der Karibik durchschnittlich 4,91 US-Dollar pro Tag. Das ist der höchste Wert weltweit – der globale Durchschnitt liegt bei 4,28 US-Dollar.
Die Folge: Rund 25,7 Prozent der Bevölkerung können sich keine ausgewogene Diät leisten. Global betrifft dieses Problem 2,69 Milliarden Menschen, also knapp ein Drittel der Weltbevölkerung. In Afrika liegt der Anteil sogar bei 66,6 Prozent. Marktforscher beobachten zudem, dass die Kosten für gesunde Lebensmittel in den letzten fünf Jahren global um etwa 25 Prozent gestiegen sind.
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Wenn der Mindestlohn nicht reicht
Eine Studie der UPAEP für Mexiko aus dem Juli 2026 zeigt die Härte der Realität: Der aktuelle Mindestlohn reicht in fast allen Bundesstaaten nicht aus, um den städtischen Grundnahrungsmittelkorb für eine Familie zu decken. In Puebla etwa fehlen monatlich 177 Pesos.
In Kolumbien zeichnet sich ein gemischtes Bild. In Bogotá sank die schwere Ernährungsunsicherheit von 4,7 Prozent im Jahr 2023 auf 2,8 Prozent im Jahr 2024. Dennoch haben landesweit schätzungsweise 19,1 Millionen Kolumbianer keinen gesicherten Zugang zu gesunder Ernährung – bei Kosten von rund 4,7 US-Dollar pro Tag.
Die schwerste Krise bleibt Haiti: 83,5 Prozent der Bevölkerung sind von moderater oder schwerer Ernährungsunsicherheit betroffen.
Das Paradox der Subventionen
Die steigenden Kosten für gesunde Lebensmittel stehen im krassen Gegensatz zu den Preisen für hochverarbeitete Produkte. In Europa ist gesunde Ernährung laut SOFI 2026 zwischen 33 und 47 Prozent teurer als Ultra-Prozesskost.
Die Folgen sind messbar: Die Adipositasrate bei Erwachsenen stieg in den beobachteten Gebieten von 24,6 auf 26,5 Prozent. Auch Anämie bei Frauen nimmt zu.
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Experten sehen einen Grund in der Agrarpolitik. Der Großteil der weltweiten Agrarsubventionen fließt in Getreide, Zucker sowie tierische Produkte wie Rindfleisch und Milch. Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte werden vergleichsweise wenig gefördert.
Was jetzt passieren muss
Organisationen wie die FAO fordern verstärkte Investitionen in die Infrastruktur und den Ausbau sozialer Sicherungssysteme. Ein regionaler Workshop in Chile im Juli 2026 unterstrich zudem die Notwendigkeit, die Messkapazitäten für Ernährungsunsicherheit in 13 lateinamerikanischen Ländern weiter zu stärken.
Denn eines zeigt der Bericht deutlich: Die Bekämpfung des Hungers allein reicht nicht. Ohne bezahlbare, gesunde Ernährung bleibt die Krise bestehen – nur unter anderem Namen.
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