Geschwister, Darmflora

Geschwister und Darmflora: JECS findet andere Mikrobiom-Profile bei Kleinkindern

Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 18:45 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ältere Geschwister stehen mit anderen Mikrobiom-Profilen in Verbindung; Bifidobakterien und Stillen korrelieren mit Immun- und Allergiemerkmalen.
Laborumgebung mit Glas-Petrischalen auf einem weißen Tisch bei natürlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Die Zusammensetzung des Darmmikrobioms in den ersten Lebensjahren gilt als wesentlicher Faktor für die frühkindliche Entwicklung und das Immunsystem. Welche Rolle familiäre Faktoren dabei spielen, verdeutlicht eine japanische Zusatzstudie im Rahmen der Japan Environment and Children's Study (JECS) aus fünf Regionen.

Die im Fachjournal Pediatric Research für das Jahr 2026 veröffentlichte Untersuchung analysiert den Zusammenhang zwischen dem Vorhandensein älterer Geschwister und spezifischen Mikrobiom-Typen bei Kleinkindern.

Mikrobiom-Profile und der Einfluss älterer Geschwister

Für die Auswertung untersuchten die Forscher dieselben Kinder im Alter von zwei Jahren (n=903) sowie vier Jahren (n=684). Die methodische Erfassung erfolgte mittels 16S-rRNA-Gensequenzierung sowie Gaschromatographie mit Tandem-Massenspektrometrie (GC-MS/MS).

Im Fokus stand der Vergleich zwischen einem als Enterotyp 1 definierten Profil – dominiert von Keimen wie M. gnavus, Megasphaera und Mitsuokella, einhergehend mit einer niedrigen Shannon-Diversität und geringem fäkalem Propionat – und dem als Referenz gewählten Enterotyp 2, der durch Faecalibacterium geprägt ist.

Die statistischen Analysen ergaben deutliche Verschiebungen: Bei Vorhandensein eines älteren Geschwisterkinds lag die adjustierte Odds Ratio für das Auftreten von Enterotyp 1 im Alter von zwei Jahren bei 0,49 (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,34–0,69) und im Alter von vier Jahren bei 0,45 (0,26–0,77).

Lebten mindestens zwei ältere Geschwister im Haushalt, sank die adjustierte Odds Ratio im Alter von zwei Jahren auf 0,32 (0,19–0,54) und mit vier Jahren auf 0,22 (0,08–0,53). Diese Werte wurden für Region, Einkommen, elterliche Bildung, Geschlecht sowie Frühgeburt und Untergewicht adjustiert.

Eine Mediation durch Antibiotikagaben erwies sich mit p-Werten von 0,051 beziehungsweise 0,14 als statistisch grenzwertig, womit ein direkter Pfad überwog. Ein Nachweis einer direkten Erregerübertragung wurde in der Arbeit nicht geführt. Die Studie erfasste zudem keine klinischen Krankheitsendpunkte und umfasste keine Intervention.

Stoffwechselprodukte von Darmbakterien dämpfen Immunreaktionen

Ergänzende mechanistische Einblicke liefert Forschung der Technischen Universität Dänemark (DTU). Eine in Nature Microbiology publizierte Arbeit zeigt, dass Bifidobakterien im Säuglingsdarm 4-Hydroxyphenyl-Laktat (4-OH-PLA) bilden.

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Forschende der Technischen Universität Dänemark zeigen, dass bestimmte Bifidobakterien im Säuglingsdarm einen Stoff bilden, der die IgE-Produktion in menschlichen Immunzellen um rund 60 Prozent senkt — und dass eine frühe, ausgeprägte Besiedlung mit weniger allergischer Sensibilisierung einherging. Was das für Stillen, Beikost und den Alltag mit Ihrem Baby bedeutet, fasst unser kostenloser Eltern-Guide zusammen. Kostenlosen Eltern-Guide zum Mikrobiom-Aufbau anfordern

Bei natürlichen Darmkonzentrationen senkte diese Substanz in menschlichen Immunzellen die Produktion von Immunglobulin E (IgE) um rund 60 Prozent, ohne andere Antikörperklassen zu beeinträchtigen.

In einer Kohorte von 147 Kindern, die von der Geburt bis zum fünften Lebensjahr begleitet wurden, war eine frühe, ausgeprägte Besiedlung mit Bifidobakterien mit einer selteneren allergischen Sensibilisierung assoziiert.

Als begünstigende Faktoren für diese bakterielle Besiedlung nennt die DTU neben dem frühen Kontakt mit anderen Kindern und ausschließlichem Stillen auch die vaginale Geburt. Der Immunologe Rasmus Kaae Dehli verweist diesbezüglich auf eine bis zu 14-fach höhere Übertragungswahrscheinlichkeit. Klinische Studien zu potenziellen Anwendungen über Probiotika oder angereicherte Säuglingsnahrung laufen derzeit in Dänemark.

Eine weitere DTU-Untersuchung unter der Leitung von Henrik M. Roager an 59 gesunden, nicht frühgeborenen dänischen Säuglingen mit einem Durchschnittsalter von 9,1 Monaten (davon 24 gestillt und 35 abgestillt oder nie gestillt) bestätigte diesen Zusammenhang.

Gestillte Säuglinge wiesen höhere Anteile von Bifidobakterien auf – insbesondere angereichert mit B. longum, B. bifidum und B. breve – sowie höhere fäkale Konzentrationen von Indol-3-Milchsäure (ILA), 4-OH-PLA und Phenyllactat (PLA).

In-vitro-Versuche belegten, dass Stämme wie B. bifidum, B. breve, B. longum ssp. longum, B. longum ssp. infantis und B. scardovii diese aromatischen Laktate über das Enzym aromatische Laktat-Dehydrogenase (ALDH) synthetisieren, verstärkt unter Nutzung von Humanmilch-Oligosacchariden als Kohlenstoffquelle.

Epidemiologische Muster bei Geschwisterfolgen

Dass die Geschwisterkonstellation epidemiologisch mit unterschiedlichen Diagnosen korreliert, verdeutlicht zudem eine in Nature veröffentlichte Erhebung der Universitäten Chicago und Columbia auf Basis von US-Krankenversicherungsdaten zu mehr als 500 Krankheitsbildern.

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Demnach wiesen Erstgeborene im Vergleich zu jüngeren Geschwistern eine höhere Diagnosewahrscheinlichkeit für Autismus (+26 Prozent), Lebensmittelallergien (+20 Prozent), Heuschnupfen (+9 Prozent) und ADHS (+7 Prozent) auf.

Bei Zweitgeborenen zeigten sich hingegen höhere Wahrscheinlichkeiten für Substanzkonsumstörungen (+19 Prozent) und Verdauungsprobleme (+14 Prozent). Kausale Erklärungen liefern diese Abrechnungsdaten nicht. Wie der Forscher Andre Rzhetsky von der Universität Chicago hervorhob, erlaubt die systematische Auswertung solch großer Datenbanken jedoch, systematische Unterschiede bei Gesundheitsrisiken zwischen Geschwistern präzise zu identifizieren.

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