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Germany Stack: SAP und Telekom bauen souveräne KI-Plattform

29.05.2026 - 12:03:17 | boerse-global.de

SAP und Telekom erhalten Zuschlag für zentrale KI-Plattform der öffentlichen Hand. Das Projekt ist Teil der Germany-Stack-Strategie zur Stärkung digitaler Souveränität.

Germany Stack: SAP und Telekom bauen souveräne KI-Plattform - Foto: über boerse-global.de
Germany Stack: SAP und Telekom bauen souveräne KI-Plattform - Foto: über boerse-global.de

Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr hat ein Konsortium aus SAP und Deutscher Telekom mit dem Aufbau einer souveränen KI-Plattform für die öffentliche Verwaltung beauftragt. Das Projekt, das Ende Mai 2026 bestätigt wurde, macht die beiden deutschen Technologiekonzerne zu den Hauptanbietern einer zentralen Plattform für Bund, Länder und Kommunen.

Die Initiative ist ein Kernstück der „Germany Stack“-Strategie, mit der die Abhängigkeit von internationalen Technologieanbietern reduziert werden soll. Gleichzeitig garantiert das Projekt hohe Standards beim Datenschutz und der digitalen Souveränität. SAP und Telekom setzten sich im Bieterverfahren durch, nachdem andere Wettbewerber ihre Einsprüche Anfang des Monats zurückgezogen hatten.

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Zentrale Plattform für KI-Dienste im öffentlichen Sektor

Die neue Plattform soll als umfassendes Ökosystem für KI-Dienste, Entwicklungswerkzeuge und Schnittstellen dienen – speziell zugeschnitten auf die Bedürfnisse der Verwaltung. Eine der ersten Anwendungen ist der KI-Assistent KIPITZ. Dieses Tool unterstützt Verwaltungsmitarbeiter bei der Dokumentenverarbeitung, Übersetzungen, Wissensmanagement und der Zusammenfassung komplexer Texte.

Die Telekom-Führung betonte, dass diese Infrastruktur das Rückgrat einer souveränen und digitalisierten Verwaltung bilde. Europa könne so mehr Kontrolle über seine technologische Zukunft übernehmen. SAP liefert die Business AI Platform als Grundgerüst, während die Telekom die sichere Cloud-Infrastruktur bereitstellt.

Milliarden-Investition in KI-Rechenzentrum

Parallel dazu arbeiten Telekom, SAP und NVIDIA an einer separaten Industrial AI Cloud in Berlin. Das Projekt umfasst eine Investition von einer Milliarde Euro und soll im ersten Quartal 2026 eröffnet werden. Mit rund 10.000 NVIDIA-Grafikprozessoren ausgestattet, dürfte die Anlage die verfügbare KI-Rechenleistung Deutschlands um 50 Prozent steigern.

Hessen testet KI für die Justiz

Während der Bund seine zentrale Plattform hochfährt, gehen die Länder bereits eigene Wege. In Hessen testen Staatsanwälte derzeit ein KI-Tool zur Aktenbearbeitung. Die Software eines heimischen Anbieters strukturiert Fallakten vor, sofern diese elektronisch geführt werden. Der Test kommt nicht von ungefähr: 2025 bearbeiteten hessische Ermittler rund 421.400 neue Verfahren – bei einer durchschnittlichen Bearbeitungszeit von 2,8 Monaten.

Auf Bundesebene hat das Bundeskriminalamt (BKA) KI bereits tief in seine Arbeitsabläufe integriert. Die Behörde betreibt über 100 KI-Systeme, mehr als 75 Prozent davon im aktiven Produktivbetrieb. Die Dienste umfassen Transkription und Dokumentenstrukturierung. Das BKA betont jedoch einen strengen Grundsatz: Keine Entscheidung mit rechtlichen Konsequenzen wird allein von KI getroffen.

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Open Source für die Verwaltung

Die Strategie setzt auch auf offene Quellcodes. Am 27. Mai 2026 stellte mgm technology partners seine A12 KI Low Code Plattform als Open Source auf GitHub und openCode bereit. Die Plattform kommt seit über einem Jahrzehnt im ELSTER-Steuersystem zum Einsatz und wickelt jährlich mehr als 50 Millionen Transaktionen ab. Mit der Öffnung des Quellcodes wollen die Entwickler die „Germany Stack“-Initiative unterstützen und die Zusammenarbeit im öffentlichen Sektor fördern.

Diese Entwicklungen sind Teil der High-Tech Agenda Deutschland (HTAD). Am 28. Mai 2026 veröffentlichte das Bundeskabinett Technologie-Roadmaps, die KI als eine von sechs Schlüsseltechnologien für die Zukunft des Landes ausweisen. Das erklärte Ziel: Deutschland soll zum weltweit führenden Standort für industrielle KI werden.

Transparenzdebatte um KI-Lobbying

Die rasche Integration von KI in die Verwaltung hat jedoch auch Fragen nach Transparenz aufgeworfen. Berichte von Anfang Mai zeigten, dass OpenAI-CEO Sam Altman mehrfach mit hochrangigen Regierungsvertretern zusammentraf – darunter Kanzler Merz und Digitalminister Wildberger. Die Treffen fanden über das gesamte Jahr 2025 verteilt statt. Sie fielen zeitlich mit der Ankündigung der „OpenAI for Germany“-Partnerschaft mit SAP im September 2025 zusammen. Kritiker fordern nun klarere Regeln für Lobbying-Aktivitäten im KI-Sektor.

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