Geometrie-Sinn, Affen

Geometrie-Sinn: Affen und Menschen nutzen identische Erkennungsmuster

Veröffentlicht am: 31.07.2026 um 11:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Forschungsergebnisse zeigen: Geometrie-Verständnis und Gesprächsregeln sind evolutionär tief verwurzelt. KI-gestützte Methoden revolutionieren die Primatenforschung.

Affen-Intelligenz: Neue Studien belegen erstaunliche Parallelen zum Menschen
Ein Rhesusmakake interagiert mit einem Bildschirm, auf dem geometrische Formen zur Untersuchung kognitiver Muster zu sehen sind. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Neue Studien belegen: Grundlagen für Geometrie und Gesprächsregeln sind weit älter als der Mensch. Forscher fanden verblüffende Parallelen zwischen Menschen und Affen.

Geometrisches Denken: Affen denken wie wir

Eine im Juli in PNAS veröffentlichte Studie der Carnegie Mellon University zeigt: Affen besitzen eine grundlegende Intuition für Geometrie, die der des Menschen bemerkenswert ähnlich ist. Acht Affen – vier Rhesusmakaken und vier Olivpaviane – sowie 58 Kinder und 79 Erwachsene der Tsimané-Bevölkerung mussten Symmetrien, parallele Seiten und rechte Winkel erkennen.

Die Affen und Kinder brauchten zwar mehr Zeit als die Erwachsenen, doch ihre Strategien zur Mustererkennung stimmten überein. Die Unterschiede sind demnach quantitativer Natur – etwa in der Verarbeitungsgeschwindigkeit – und nicht qualitativ. Die mentalen Repräsentationen für geometrische Formen entwickelten sich also bereits vor Millionen von Jahren, noch bevor sich die Wege von Menschen und Altweltaffen trennten.

Gesprächspausen: Affen kennen die Regeln

Auch in der Kommunikation zeigen sich erstaunliche Parallelen. Eine Untersuchung der Universität Osnabrück, publiziert in Scientific Reports, analysierte 1.245 Lautinteraktionen von Weißbüschelaffen in Brasilien. Die Tiere organisieren ihre Rufe nach festen Regeln, die an menschliche Gesprächsnormen erinnern.

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Ein zentrales Merkmal: Der zeitliche Abstand zwischen den Äußerungen betrug im Durchschnitt etwa 1,3 Sekunden. Die Affen warteten ab, bis ihr Gegenüber geendet hatte, bevor sie antworteten. Zudem passten sie ihre Kommunikationsmuster an die jeweilige Gruppenzugehörigkeit an. Komplexe soziale Koordinationsfähigkeiten sind also nicht exklusiv dem Menschen vorbehalten.

KI erobert die Primatenforschung

Die Erforschung wildlebender Primaten setzt zunehmend auf künstliche Intelligenz. Forscher der Emory University und der Georgia Tech entwickelten „CapuchinAI" – ein System, das Gesichtserkennung mit Touchscreen-Tests direkt im Lebensraum von Kapuzineraffen in Costa Rica kombiniert. In Feldtests erreichte die KI eine Genauigkeit von 97 Prozent bei der Identifizierung einzelner Individuen.

Der Vorteil liegt auf der Hand: Kognitive Tests lassen sich ohne die Stressfaktoren einer Laborumgebung durchführen. Parallel dazu wurde mit dem „EVApeCognition Dataset" in Scientific Data eine der bisher umfangreichsten Sammlungen von Kognitionsdaten großer Menschenaffen veröffentlicht. Der Datensatz umfasst 262 Datensätze aus 150 Publikationen der Jahre 2004 bis 2021.

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Was bedeutet das für unser Menschenbild?

Die Ergebnisse stützen die Hypothese, dass viele vermeintlich einzigartig menschliche Merkmale tiefe evolutionäre Wurzeln haben. Bildung und Kultur formen diese Fähigkeiten beim Menschen weiter aus – doch die biologischen Grundlagen waren bereits bei gemeinsamen Vorfahren angelegt. Der Einsatz von KI und großflächigen Datensätzen markiert dabei einen methodischen Wandel in der kognitiven Biologie, der präzisere Vergleiche über Artgrenzen hinweg ermöglicht.

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