Generationswechsel: 40% Scheidungen gefährden Betriebsvermögen
22.06.2026 - 09:11:57 | boerse-global.de
Neben der emotionalen Komponente entscheiden vor allem neue Führungsstile und rechtliche Absicherung über den Erfolg.
Wandel der Führungskultur
Der Generationswechsel verändert oft die Unternehmenskultur grundlegend. Bei Trigema zeigt sich das deutlich: Bonita Grupp führt seit 2024 gemeinsam mit ihrem Bruder Wolfgang Grupp junior die Geschäfte. Die vierte Generation setzt verstärkt auf Teams-Calls und eigenständige E-Mail-Kommunikation – Werkzeuge, die in der vorherigen Generation kaum eine Rolle spielten. Die Kernwerte wie ein bewusster Umgang mit Geld bleiben aber erhalten.
Der Wechsel der Generationen erfordert oft eine Anpassung der Führungskultur an moderne Anforderungen. Wie Sie den passenden Führungsstil für Ihr Team finden und die Produktivität nachhaltig steigern, erfahren Sie in diesem kostenlosen E-Book. 5 moderne Führungsstile und praktische Checkliste jetzt gratis sichern
Ähnliche Tendenzen gibt es bei Berger Feinste Confiserie in Lofer (Österreich). Anna und Franz Berger übernehmen schrittweise Verantwortung und leiten den 1994 gegründeten Betrieb im Vierer-Team mit ihren Eltern. Ziel ist die weitere Expansion auf dem europäischen Markt – neun Filialen und der internationale Handel bilden die Basis.
Rechtliche Fallstricke vermeiden
Ein zentrales Thema der Nachfolgeplanung: der Schutz des Unternehmens vor privaten Risiken. Über 40 Prozent der Ehen in Deutschland werden geschieden, rund 30 Prozent der Gesellschafterpartnerschaften scheitern innerhalb von zehn Jahren. Ohne vertragliche Vorsorge gefährdet der Zugewinnausgleich bei einer Scheidung das Betriebsvermögen.
Experten empfehlen Eheverträge mit Gütertrennung oder modifizierter Zugewinngemeinschaft. Vinkulierungsklauseln in Gesellschaftsverträgen verhindern zudem, dass Anteile bei Trennungen in betriebsfremde Hände fallen.
Vorsorge für den Krisenfall
Die Betriebskontinuität braucht auch eine Planung für unvorhersehbare Ausfälle. Bei einem Unternehmerfrühstück am 12. Juni 2026 in Wolfenbüttel betonten Fachberater die Notwendigkeit von Vollmachten, die über den Tod hinaus gelten. Ein häufiges Problem: die fehlende Abstimmung zwischen Testamenten und Gesellschaftsverträgen.
Die rechtzeitige Regelung des Nachlasses ist entscheidend, um das Lebenswerk vor rechtlichen Unsicherheiten und unnötigen Kosten zu schützen. Dieser Ratgeber bietet geprüfte Vorlagen für Testamente und Vorsorgedokumente, damit Sie Ihre Familie und Ihr Unternehmen optimal absichern. Kostenlosen Ratgeber für Nachlass-Vorsorge herunterladen
Auch bei Banken ist Vorsorge nötig. Ohne Erbschein oder Kontovollmacht kann die Abwicklung von Nachlässen zu erheblichen Verzögerungen führen – im Ernstfall ein handfestes Problem für die Handlungsfähigkeit des Unternehmens.
Strategische Entscheidung gegen die Familientradition
Die Übergabe an die eigenen Kinder ist nicht immer der richtige Weg. Das Schuhunternehmen Larroudé zeigt eine bewusste Gegenentscheidung. Obwohl die 2020 gegründete Firma rund 600 Mitarbeiter beschäftigt und Millionenumsätze erzielt, planen die Gründer nicht, ihre Kinder in die Führung einzubinden.
Für junge Nachfolger bleibt die persönliche Leidenschaft zentral. Branchenkenner wie der Mitgründer von Ben & Jerry's betonen: Bei der Berufswahl sollte die Leidenschaft über dem Gehalt stehen. Karrierecoaches empfehlen zudem eine frühzeitige Sensibilisierung für die Führungsrolle – das sichert den Fortbestand des Familienunternehmens langfristig.
